Mit kindlicher Coolness und Surferattitüde bringen The Half-Hearted Project Entspannung und gute Laune über ihre Hörer. Im Interview reden sie über ihr Selbstverständnis als Band und über ihre Zukunftspläne.

The Half-Hearted Project sind wohl in erster Linie gute Freunde. Allesamt auf dem Papier mehr oder weniger erwachsen, doch im Herzen jung geblieben. Hin und wieder geben sie sich fast ein wenig kindisch, was aber so authentisch wirkt, dass sie ohne diese Prise von Sorglosigkeit nicht sie selbst wären. Rundherum garniert man dieses Auftreten noch mit der Coolness eines fünfzehnjährigen Skaters und schon hat man das Rezept für The Half-Hearted Project. Musikalisch sind sie irgendwo zwischen Jack Johnson und Mumford and Sons einzuordnen.

Für das Interview empfingen mich Niki Waltersdorfer, der Sänger und Gitarrist der Band, und Simon Brugner, der Schlagzeuger, in ihrem Proberaum.

music-news.at: Hallo, toll, dass ihr euch Zeit nehmt ein paar Fragen zu beantworten. Euer Bandname „The Half Hearted Project“ bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie „halbherziges Projekt“. Das hört sich nicht gerade sehr motiviert an. Ist es das, was es ist – ein halbherziges Projekt?

Niki: Es hat ganz sicher als halbherziges Projekt begonnen. Der Mathias, also unser Pianist, und ich haben zu zweit angefangen und hatten schon eigene Nummern und auch Songs gecovert, aber immer nur so halb. Bis wir dann zu dem Punkt kamen, es endlich ernsthaft machen zu wollen, und begonnen haben, eine Band zusammenzustellen. Der Name ist also sehr selbstironisch zu sehen, auch wenn es jetzt total „full hearted“ läuft.

music-news.at: Eure Demo „Suitcase“ ist seit Februar erhältlich. Wo habt ihr sie denn aufgenommen?

Simon: Die haben wir im Wohnzimmer unseres Pianisten aufgenommen. Da haben wir uns ein Wochenende Zeit genommen und dort geschlafen und das war eigentlich echt lustig. Es war natürlich auch aufwändig, weil dadurch, dass es im Wohnzimmer war, gab es immer viele Nebengeräusche. Es ist eben alles hausgemacht und beim Mix stand uns der Bruder vom Nikki bei.

Niki: Es ist also wirklich alles selbst gemacht, ohne Hilfe von außen. Auch das Arrangement und die Produktion liefen komplett intern ab.

music-news.at: Auch das Equipment kam komplett von euch?

Niki: Jeder hat halt das mitgebracht, was er hatte und am Ende hatten wir echt viel Aufnahmeequipment beisammen.

Simon: Ja, ging sich alles gut aus.

Niki: Nur der Laptop machte ein paar Probleme.

Simon: Das ist denke ich immer so, das fuckt einen immer an.

music-news.at: Wenn man sich euren Song „3guys2days1car“ anhört, dann könnte man fast meinen, dass es im Text um reale Erfahrungen geht, die ihr selbst gemacht habt. Stimmt das, oder ist der Inhalt rein fiktiv?

Niki: Das stimmt schon. Ich, Mathias und Peter, ein Freund von uns, haben vor zwei Jahren einen Roadtrip zu einer Geburtstagsparty nach Deutschland gemacht und bis auf Peter kannte die Leute niemand und wir sind dann dort sieben Stunden lang mit dem Auto hingefahren. Zwischendurch haben wir in Straubing Straßenmusik gemacht und die Party war total lustig und dann sind wir eben wieder heimgefahren und die Erlebnisse haben wir im Text dieses Songs festgehalten.

music-news.at: Man hört als Interviewer hin und wieder wahnsinnig lustige Geschichten von Bands. Was ist das Eigenartigste beziehungsweise Lustigste, das euch als Band oder auch jedem Einzelnen im Zusammenhang mit Musik passiert ist?

Niki: Sag mal du zuerst.

Simon: Ich finde es ist mit der Band immer lustig und es hat sowieso jeder Spaß. Das Aufnehmen von der EP war schon sehr witzig. Da haben wir teilweise um zwei Uhr in der Früh noch Schlagzeug eingespielt und die Eltern von Mathias haben direkt über uns geschlafen und wir haben gedacht, dass die nicht schlafen konnten und dabei haben sie nicht mal was gemerkt, obwohl es echt laut war. Und wenn wir was machen, ist es eh immer klar, dass das dann lustig wird.

Niki: Mir selbst und Mathias war es bei der Gründung auch sehr wichtig, dass es innerhalb der Band ein freundschaftliches Verhältnis sein muss und menschlich passen muss. Man sieht immer wieder, dass – egal wie gut die Musiker sind – wenn es privat nicht passt, es einfach schwierig ist, Musik zu machen.

Simon: Ich finde das spürt man als Zuhörer, wenn die Musiker sich untereinander nicht verstehen. Da macht dann jeder irgendwie sein Ding und wenn man nicht zusammenspielt funktioniert das nicht.

Niki: Deswegen gehört es dazu, dass man auch privat ‚a Gaudi‘ hat und das ist bei uns definitiv der Fall.

music-news.at: Das heißt ihr kanntet euch alle schon vor der Bandgründung?

Simon: Wir alle kannten uns eigentlich nicht. Den Nikki habe ich aber schon vorher gekannt durch ‚Studio Percussion‘ in Graz, wo wir beide Schüler waren und im Laufe der Zeit echt gute Freunde wurden. Alle anderen habe ich erst in der Band richtig kennengelernt.

Niki: Posaunist und Kontrabassist gehen beide in meine Klasse. Ich kannte also jeden und alle anderen haben sich bei der ersten Probe kennengelernt und ab da war sofort klar, dass es geil wird.

Simon: Der Nikki hat halt geschaut, dass das Freundschaftspotenzial passt. Es hat einfach alles funktioniert und macht echt Spaß.

HalfHeartedProject

Nikki und Simon (c) Phillipp Annerer

music-news.at: Österreich hat ja doch eine recht tolle Auswahl an großartigen Musikern und Bands. Habt ihr persönliche Favoriten?

Niki: Ich stehe auf Kaiko, eine junge Grazer Band. Mit Wanda und Bilderbuch kann ich jetzt nicht so viel anfangen, obwohl ich Bilderbuch eigentlich schon geil finde. Ich muss halt schon zugeben, dass ich nicht gerade der größte Fan von österreichischer Musik bin. Aber, ich weiß nicht, Alf Poier oder Millions of Dreads. Grazer Bands mag ich auch ziemlich.

Simon: The Half Hearted Projekt ist ziemlich geil habe ich gehört.

music-news.at: Teile eurer Band waren schon bei ‚Die Große Chance‘. Jetzt konnte man euch beim Local Heroes sehen und beim On Stage Bandcontest ward ihr auch vertreten. Wie steht ihr zu Castingshows und Wettbewerben im Bereich der Musik beziehungsweise Kunst? Wird man da überhaupt als Künstler wahrgenommen? Seht ihr euch in dieser Situation dann selbst als Künstler?

 Simon: Es gibt viele Talentshows, die echt tief sind und bei denen es nur darum geht sich über die Teilnehmer lustig zu machen. Auf der anderen Seite gibt es auch einige, bei denen man etwas als Band erreichen kann, und dazu gehören beide Wettbewerbe an denen wir mit dieser Band teilgenommen haben dazu. Local Heroes und On Stage haben uns beide etwas gebracht. Durch Local Heroes bekamen wir ja die Möglichkeit, bei Rock am Meer spielen zu dürfen. Es macht ja auch sehr viel Spaß die anderen Bands dort kennenzulernen.

Niki: Wir waren mit ‚Studio Percussion‘ bei der ‚Großen Chance‘ und man wird einfach bekannter für eine kurze Zeit und sammelt sehr viel Erfahrung. Dadurch kommt man dann natürlich auch zu anderen Auftritten. Eh klar, dass es nicht immer nur ums reine Können und die wahren Talente geht. Die brauchen halt eine gute Show. Die Reichweite ist aber sehr groß und was ich besonders gut finde, ist der Fokus innerhalb der Band. Man probt auf etwas hin und nicht nur grundlos. Man fährt wohin und will gut sein und lernt neue Leute kennen.

Simon: Man meldet sich an und fährt hin und hat zumindest mal einen Gig. Das ist schonmal was Gutes. Ein Sprungbrett kann sowas immer sein.

Niki: Im schlechtesten Fall ist es halt ein Auftritt, den man hatte und Feedback, das man bekommen hat. Ich finde also solche Shows nicht schlecht, aber man darf sich nicht so sehr auf den Wettbewerbsgedanken verkrampfen.

music-news.at: Ist es eurer Meinung nach schwer, als junge Band hier in der Szene an gut Gigs zu kommen?

Niki: Das kommt immer darauf an wie hoch man die Erwartungen setzt. Wenn man jetzt eine Band startet und sofort den Durchbruch schaffen will und sich im Radio hören will, wird man irgendwann zum Punkt kommen, wo man merkt, dass das extrem schwer ist. Bei uns ist es so, dass wir das aus Spaß machen. Wir haben sehr viel um die Ohren und die Band ist also quasi ein Nebenprojekt zu sonst allem. Wir machen es ja nicht hauptberuflich und für das passt es echt gut. Man muss sich aber auch sehr darum kümmern, die Konzerte fliegen einem aber auf keinen Fall zu. Die ersten Konzerte haben wir alle selbst organisiert.

Simon: Es ist auf jeden Fall mehr geworden von den Konzerten her. Wir haben immer wieder Sachen in Aussicht, proben sehr gezielt auf etwas hin und spielen so zweimal im Monat. Und es ist NOCH nicht hauptberuflich.

music-news.at: Also habt ihr vor einmal hauptberuflich als Musiker zu agieren?

Niki: Also ich werde sicher mal als hauptberuflicher Musiker tätig sein. Ob das jetzt mit The Half hearted Projekt ist oder nicht wird man sehen. Mit einer Popband ist das, denke ich, echt schwer, das läuft höchstens zwei bis drei Jahre gut. Irgendwann will man wohl auch einen konstanteren Job haben. Also ich kann mir vorstellen mal Musiklehrer zu werden.

Simon: Ich habe lange darüber nachgedacht Musik- und Mathematiklehrer zu werden. Ich bin ja momentan noch Zivildiener und habe mich noch nicht konkret entschieden, aber irgendwas mit Musik muss dabei sein. Das war einfach schon von Anfang an dabei bei mir und ohne geht’s nicht.

Niki: Um Hirsls Mutter zu zitieren: “Wos dat ma nur ohne die Musi?“

music-news.at: Habt ihr neben The Half Hearted Project noch andere Bands und Projekte?

 Simon: Ich hab im Moment sonst eigentlich nichts.

Niki: Ich habe Artbeats als Projekt. Wir machen so eine neue Form des Jazz. Tanzbarer Jazz mit Housebeats, Hip-Hop Beats und Impro und ich spiele außerdem bei einem Kleszmer Trio mit.

Simon: Ich bin vielleicht hin und wieder beim Landesjugendblasorchester. Das ist auch ziemlich cool.

music-news.at: Ich habe euch vor dem Interview über eine ‚Straßenmusiktour‘ reden hören. Ist da etwas in Planung?

 Simon: Wir wollten eigentlich letzten Sommer schon für eine Woche nach Italien fahren und dort Straßenmusik machen. Diesen Sommer wird’s aber ganz sicher funktionieren.

Niki: Wahrscheinlich eh nicht die ganze Band, sondern nur zu dritt. Jetzt geht’s dann auf nach Straßburg, wo wir zwei Tage lang Straßenmusik machen werden. Im Sommer geht’s dann noch nach Italien.

music-news.at: Darf man sich da auf ein „3guys2days1car“ Part 2 freuen?

Simon: Wenn wir echt nur zu dritt sind dann schon und sonst eben auf ein „4guys7days2cars“.

music-news.at: Ist neben dieser Straßenmusik noch etwas Anderes geplant? Zum Beispiel ein Debütalbum?

 Niki: Album keines, aber die zweite EP steckt schon in der Vorbereitungsphase.

music-news.at: Wo seht ihr die Band in fünf Jahren?

 Niki: 2021 … hmm … Geil wäre es natürlich, uns im Radio zu hören und auf coolen Bühnen zu stehen, vielleicht ja auch schon außerhalb von Österreich. Das Wichtigste ist es aber, dass es die Band da noch gibt.

Simon: Also auf jeden Fall muss es uns noch geben und es muss noch gleich viel Spaß machen.

music-news.at: Vielen Dank für das Interview.

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