Hinter dem Projekt WAELDER stecken Jan Preissler aus Wien und Moritz Nahold aus Berlin. Dem eigenen Wortlaut zufolge machen die beiden „experimentelle, elektronische Musik für Menschen zum Anhören“.

WAELDER schaffen es auf gekonnte Art und Weise mit ihrer Musik Landschaften zu erschaffen, in denen man verweilen möchte. Lässt man sich auf die spezielle Mischung aus Ambient und Noise ein, findet man sich nur allzu schnell in seiner eigenen Gedankenwelt versunken wieder.
Am 10.04. dieses Jahres veröffentlichten WAELDER ihr Debütalbum „Anachronie“. Wir haben die beiden hochsympathischen Jungs bei ihrem Tour-Stopp getroffen und zum Interview gebeten.

PARADOX: Wie würdet ihr die Musik, die ihr macht, selbst beschreiben? Zu welchem Genre könnte man sie zuordnen?
Moritz: Das ist immer schwierig zu sagen. Es handelt sich um eine Mischung aus Ambient, Post Dubstep, Pop und Noise.
Jan: Ich finde es immer ganz schön, wenn sich die Leute die darüber schreiben etwas dazu ausdenken. Man selbst hat nämlich oftmals eine ganz andere Vorstellung von der Musik die man macht als jene, die sich die Musik anhören.

Wealder-3_1

© Philipp Seidnitzer

PARADOX: Wie kam es zu dem Namen „WAELDER“? Was steckt dahinter?
Moritz: Wir haben lange darüber nachgedacht. Schlussendlich war es eine Art Geistesblitz. WAELDER ist ein Wort, das cool klingt, cool aussieht und relativ neutral ist.
Jan: Weiters stehen in einem Wald viele Bäume dicht aneinander. Sie grenzen einen Platz ein und machen ihn zu einem dichten Raum. So oder so ähnlich trifft das auch auf unsere Musik zu – ein metaphorischer Musikwald.

PARADOX: Wie genau entstehen eure Sounds eigentlich? Produziert ihr alle Nummern ausschließlich selbst?
Moritz: Ja, wir machen definitiv alles selbst. Momentan passiert sehr viel Produktion am Laptop. Was für unsere Musik charakteristisch ist, dass viele Feed-Recordings vorkommen. Wir arbeiten oftmals mit schlecht aufgenommenem, komisch klingendem Material. Im Gegensatz zur modernen Musik, wo vieles so glattpoliert klingt, ist unser Sound eher kantig.
Jan: Beats müssen nicht immer so krass schieben, oder fett ausproduziert sein. Bei unserer Musik kann man nicht jeden Sound genau erkennen. Dadurch wird ein Interpretationsraum geschaffen. Wir benutzen mit Absicht oftmals billige Mikrofone, wo man mal den Wackelkontakt im Kabel noch hört. Aber genau das macht die Arbeit für uns so spannend.

PARADOX: In wie weit fließen eure persönlichen Gefühle in die Musik ein?
Jan: Das neue Album ist sehr emotional. Sämtliche Höhen und Tiefen, die wir während des einjährigen Arbeitsprozesses hatten, wurden darin verarbeitet. Für uns sind die persönlichen Gefühle besonders wichtig, da unsere Musik zu einem großen Teil von emotionalen Bildern getragen wird.

PARADOX: Sind eure Tracks auf der Bühne noch veränderbar oder handelt es sich dabei um feste Konstrukte, die genau so gespielt werden wie sie auch auf der Platte zu finden sind?
Moritz: Es handelt sich dabei definitiv nicht nur um einen Knopfdruck auf die Play-Taste. Jan spielt Gitarre. Ich spiele Synthesizer und mache am Computer Beats. Wir haben das Setup so aufgebaut, dass wir in der Lage sind jederzeit einen Weg zu gehen, den wir auf der Bühne fühlen. Auf dem neuen Album haben wir mittlerweile Tracks, die eine gewisse Struktur haben, der wir zu folgen versuchen. Es gibt allerdings immer Momente, um gewisse Sachen zu verändern.
Jan: Live zu spielen ist das, was wir an der elektronischen Musik so spannend finden. Es ist ein ständiger Prozess, der sich durch jeden Controller, den man sich kauft, weiterentwickelt.

Wealder-5

© Philipp Seidnitzer

PARADOX: Wie funktioniert die Interaktion mit dem Publikum bei euren Live-Konzerten, weil so richtig tanzbar ist die Musik von WAELDER ja oftmals nicht.
Jan: Wir kommunizieren tatsächlich nur durch die Lautsprecher mit unserem Publikum. Das Schöne an dieser Art von Musik ist, dass man gar nicht direkt mit dem Publikum kommunizieren muss. Es erfolgt nur über die Musik. Als Zuhörer muss man sich auf jeden Fall darauf einlassen. Es ist keine Musik die dem Publikum etwas vorgibt. Wenn man sich fallen lässt, ist es definitiv einfacher zu genießen. Wir beide kommunizieren über Blickkontakt miteinander und befinden uns während des Auftritts sozusagen in einer Blase.

PARADOX: Wie wichtig sind bei euren Auftritten die Visuals von VJ Pathfinder?
Moritz: Durch den VJ eröffnet sich eine zweite Ebene. Wir arbeiten eng mit ihm zusammen, weil wir wollen, dass seine Bilder ins Konzept unserer Musik passen. Mit VJ Pathfinder haben wir jemanden gefunden, der das sehr gut verstanden hat, wie für uns die Musik wirkt und wie sie aussehen könnte.

PARADOX: Worum geht es in „Anachronie“? Gibt es ein zentrales Thema, das darin behandelt wird oder kann es für jeden Zuhörer etwas anderes bedeuten?
Moritz: Es kann natürlich für jeden etwas anderes bedeuten…
Jan: … was nicht heißt, dass es beliebig ist. Moritz: Anachronie ist ein beliebtes Stilmittel, das in Filmen und Büchern verwendet wird. Es bedeutet, dass geschichtliche Ereignisse nicht in der korrekten chronologischen Reihenfolge auftreten. Das Album ist so eine Art Querschnitt aus den letzten zwei Jahren. Ideen, die wir schon vor Jahren hatten, wurden umgesetzt. Es finden sich auf dem Album aber auch Tracks wieder, die erst vor kurzer Zeit entstanden sind.

PARADOX: Durch eure Touren kommt ihr ja viel herum. Wie würdet ihr die österreichische Club-Szene beschreiben bzw. bewerten?
Moritz: Österreich ist ein sehr kleines Land. 80 Prozent unserer Shows haben wir nicht in Österreich gespielt.
Jan: Das liegt aber auch daran, dass es in Österreich nicht so viele Städte gibt, in welche man mit dieser Musik hinfahren kann. Es fehlt auch an den geeigneten Locations für unsere Musik. Moritz: Mir kommt vor, dass man zuerst im Ausland Erfolg haben muss, damit man in Österreich anerkannt wird. Mir fehlt ein wenig der Support, zumindest für unsere Art der Musik.

PARADOX: Wie würdet ihr die österreichische Musikszene im Allgemeinen bewerten?
Jan: Die Musikszene ist ja total super, es gibt viele gute Bands. Das Problem ist, dass es nur zu wenige Leute gibt, die zu den Konzerten gehen. Ich hab beim Musikmachen generell den Anspruch die Leute ein wenig zu erziehen. Ihnen muss bewusst werden, wie gut das österreichische Kulturangebot eigentlich ist.
Es war zum Beispiel total schön, dass FM4 unser gesamtes Album durchgespielt hat. Kein Radiosender traut sich im Normalfall solche Musik in der Daily Rotation zu spielen. Das gilt nicht nur für WAELDER, sondern auch für viele andere Bands.

PARADOX: Zu guter Letzt, könnt ihr unseren Lesern noch drei Gründe nennen, warum sie sich auf die Musik von WAELDER einlassen sollten?
Moritz: Weil es ein spannendes Hörerlebnis ist. Weil es Spaß macht. Weil man einfach einmal anderer Musik eine Chance geben kann.

paradox_01_mn

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.