Eine Band so typisch wienerisch wie ihre legendäre Namensgeberin, die Zuhälterin Wanda Kuchwalek, auf dem Weg zum Kultstatus.

Wanda sind ein bisschen so was wie der David Alaba der österreichischen Musikszene. Seit Monaten kommt keine Zeitung ohne einen Bericht über die junge Wiener Band aus, kein Musikportal kann sie unerwähnt lassen. Im Unterschied zu Alaba beziehen Wanda ihre Kraft allerdings nicht aus Jesus, sondern eher aus den schäbigen Beisln unserer Hauptstadt und den Geschichten ihrer skurrilen Gäste. Zumindest drängt sich dieser Verdacht auf, wenn der lässige und leicht schmutzige Pop der Band erklingt. Das Endprodukt ist auf jeden Fall Amore. Die positiven wie auch die negativen Seiten der Liebe stehen textlich im Vordergrund. Dass sich beinahe niemand Wandas „Amore“ verwehren kann, haben die letzten Monate gezeigt. Mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums im Oktober 2014 ist ein regelrechter Hype um die fünf Musiker losgetreten worden. Ein Hype, auf den die Österreicher offenbar nur gewartet haben. Medien und Presse überschlugen sich mit Lobeshymnen und erhoben Wanda zu den Anführern, Rettern und Heilsbringern des Austropops. Der Anführer der Anführer, Marco Michael Wanda, sieht sich und seine Mannen allerdings gar nicht als Austropopper. Für den Liedermacher ist das vielzitierte Genre eine abgeschlossene musikhistorische Episode, zu der er dennoch eine Beziehung pflegt, wie er uns mitteilte: „Ich hör Austropop immer noch gerne aus der Jukebox in Beisln und tanze auch gerne mit betrunkenen Frauen zu Wolfgang Ambros.“ Apropos Alkohol.

„Wenn’s bsoffen wirst, redst immer nur von ihr“

Wanda1_1Zu jeder guten Geschichte gehört eine gehörige Portion davon. Das weiß die Wiener Seele, das weiß auch Wanda. Deshalb spielt der Spiritus auch stets eine gewichtige Rolle in ihren Lyrics. Dass dies so prollig wie auch charmant und clever dargeboten wird, darin liegt der Reiz der Band.
„Alles was ich will ist Schnaps“ wird einem da lallend entgegen gebrüllt und dann im nächsten Moment wieder „Wenn’s bsoffen wirst, redst immer nur von ihr“ geraunzt. Dass die Jungs selbst dem Genuss von Alkohol, in welcher Form und mit welchem Volumengehalt auch immer, nur zu gerne frönen, scheint dabei nur logisch. Auf die Frage, ob die Wandas denn eher eine Bier- oder Wein-Band seien, antwortet Sänger Marco Michael deshalb auch nur konsequent: „Wir trinken so wie Männer trinken sollten.“

Das Problem mit der Liebe

Alkohol steht allerdings nicht direkt im Mittelpunkt von Wandas lyrischem Kosmos, sondern ist nur die folgerichtige Konsequenz der ständigen Enttäuschungen und des Liebeskummers. Leidenschaft heißt auch immer leiden. So pendeln die „Lebensfreunde“ Marco Michael Wanda, Manuel Christoph Poppe (Gitarre), Christian Hummer (Keyboard), Ray Weber (Bass) und Lukas Hasitschka (Drums) stets zwischen von Liebe verursachten Hochgefühlen und frustrierender Niedergeschlagenheit. Aber im Prinzip ist ja eh alles Oasch. Und wie kann man dieser leicht lebensmüden Einstellung besser entgegentreten als mit Alkohol, Sarkasmus und dem guten alten Wiener Schmäh? Da kann es schon mal selbstsüchtig und mitleidig zugleich hergehen, ohne jemals auf den vulgären und bissigen Unterton zu vergessen (als Beispiel: „Ich sauf keinen Schnaps, ich sauf einen Pistolenlauf“). Dass es allerdings nie tieftraurig wird, dafür sorgen die flotten Akkordwechsel, das simple aber effektive Schlagzeugspiel und der allgegenwärtige Kneipencharme. Die Songs sind wie die Zugeständnisse an die Liebe des Besoffenen an der Theke, dem zwar wieder mal das Herz gebrochen wurde, der aber doch nie ganz den Glauben verliert. Dass Wanda diese kaputten, verkorksten und doch irgendwie romantischen Texte so locker aus der Hüfte schießen, ist beeindruckend. Schmissige Verse, knackige Refrains, clevere Wirtshauspointen und kaum ein Song über vier Minuten – das ist das Erfolgsrezept.

Mit Ehrlichkeit zum Erfolg

Wanda2_1Zu diesen Zutaten gesellt sich ein Frontmann, der einem gleichermaßen charismatisch wie arrogant erscheint und vom Gebärden nach eher einem Kneipen-Rauswurf bei helllichtem Tage zugeordnet werden möchte, als zu den großen Musikbühnen. Und das ist auch gut so. Wären die fünf Amadeus Preisträger nur schnöde Posterboys ohne Ecken und Kanten, wäre ihre Musik keineswegs so authentisch. So zeigt sich die Authentizität aber nicht nur in den mit diesem sagenhaften Delay vorgetragenen Textzeilen, sondern manifestiert sich auch in jeder einzelnen Sekunde ihrer LivePerformance. Da werden schon mal schmierig-lasziv die Hüften gekreist, sich gegenseitig abgebusselt und auch auf den Hintern geklopft. Und wer sich von dem ganzen Schweiß- und Rauchgeruch nicht zu sehr ablenken lässt, der erkennt auch das noch immer vorhandene Glitzern in den Augen der Musiker, das Zufriedenheit, Freude und ein Damenspitzerl suggeriert.

„Ich sauf keinen Schnaps, ich sauf einen Pistolenlauf“

Dass dieses „Konzept“ in Deutschland mindestens genau so hervorragend funktioniert wie in ihrem Heimatland, verwundert auch den Frontmann: „Die Deutschen brauchen Wiener, ich weiß wirklich nicht warum.“ Also ist es schlussendlich doch Austropop? Nun ja, immerhin ist es eine Abkehr vom Hochdeutschen. Ohne das berühmtberüchtigte Meidlinger L wäre die Botschaft ja auch nur halb so deutlich. Eher haben Wanda mit ihren, man muss es so sagen, Hymnen, aber die vorhandene Lücke zwischen Austropop und Indie-Rock gefüllt. So sieht auch Marco Michael seine Vorbilder zwar größtenteils im anglo-amerikanischen Bereich verankert, fühlt sich aber auch von österreichischen Textern beeinflusst, „die erkannt haben was uns die Amerikaner lange voraus hatten; wahre Poesie und vulgäre Beschreibungen von Wirklichkeit.“ Wanda stehen nun ebenso in dieser Tradition. Dabei hat so gut wie jeder Song auf „Amore“ Hitpotenzial. Die Melodien sind so simpel, dass sie aus Kinderliedern stammen könnten, dazu schrammelt die Gitarre wie frisch vom Lagerfeuer importiert. Mehr braucht es nicht. Wiens The Clash werden sie oft genannt, sie selbst nennen es einfach „Popmusik mit Amore“.

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