Arten seine Liebe zu etwas auszudrücken gibt es ja viele, eine der schmerzhaftesten, intensivsten und dauerhaftesten Liebesbeweise ist und bleibt jedoch eine Tätowierung.
Wir haben uns mit Sarah Fötsch, der Inhaberin des Grazer Tattoostudios Peckstage getroffen, um mit ihr über Körperkunst in Zusammenhang mit Musik zu sprechen.

In Hinblick auf Tätowierungen war 2016 ein buntes Jahr. So waren heuer wieder Old School Tattoos mit ihren dicken Outlines und zweidimensionalen Innenflächen einer der am häufigsten gewünschten Stile. Aber auch für Motive im New School Bereich, mit ihrer deutlich bunteren Farbgebung und reicheren Schattierung wurde natürlich wieder oft die Nadel versenkt. Auch Trash Polka zeigte sich dieses Jahr mehr als nur präsent mit seiner Verbindung von grafischen und realistischen Elementen, meist in Black and Grey mit roten Akzenten. Noch weniger bunt als bei Trash Polka wurde es mit Blackwork Tattoos, die, wie der Name schon sagt, nur mit schwarzer Tinte gestochen werden und oft aus großen schwarzen Flächen bestehen. Kaum verwunderlich ist auch der weiterhin bestehende Trend zu Dotwork – ein Motiv, das zum Hauptteil aus einer Vielzahl kleiner Punkte besteht, sowie zu geometrischen und skizzenhaften Motiven. Letztes Jahr waren Watercolor Tattoos bereits stark im Kommen und auch heuer erfreuen sie sich großer Beliebtheit und zählen weiterhin zu einem der meist gestochenen Stile.
Die beliebtesten Motive in Verbindung mit der Hingabe zur Musik zeigen sich hingegen bei Peckstage doch hauptsächlich traditionell.

PARADOX: Wie viel Prozent der Tattoos, die bei euch gestochen werden, haben mit dem Thema Musik zu tun?

Wir sind acht Leute, das ist schwer festzumachen, aber es sind auf jeden Fall viele – sicher zwischen 40 und 50%.

PARADOX: Was sind die beliebtesten Motive, die in Zusammenhang mit Musik stehen?

Da wären realistische Tattoos, wie Porträts – zum Beispiel Johnny Cash und diese Geschichten. Aber auch Kleinigkeiten, wie Notenschlüssel, Musiknoten und alles durch die Bank. Es kommen auch Leute mit Notenzeilen, da geht der Trend interessanterweise in Richtung Klassik. Das sind dann meistens Klavierspieler. Dann gibt es auch Mikrofone und Plattenspieler, es bewegt sich sehr stark in Richtung Old School. Elvis ist sicher der Favorit unter den Musik-Tattoos.

PARADOX: Womit hängt es deiner Meinung nach zusammen, dass der Trend so sehr bei Elvis und Cash liegt?

Es gibt so ein Sprichwort „Erst wenn jemand stirbt, wird er berühmt“. Ich denke, viele halten einfach an diesen Idolen fest.

PARADOX: Werden Lyric-Tattoos auch öfter verlangt?

Lyric-Tattoos werden ganz selten verlangt. Wenn Letterings gestochen werden, sind das meist sehr sensible, emotionale Themen, die viel mit der Geschichte des Menschen zu tun haben. Wenn Songtexte verlangt werden, dann meist in integrierter Form in ein größeres Projekt.

PARADOX: Kann man verschiedene Präferenzen bei der Stilrichtung in Bezug auf das Genre erkennen, wie zum Beispiel Trash Polka bei Punk oder Ska Punk?

Nein, eher nicht. Wenn sich jemand etwas tätowieren lässt, dann geht das eher in Richtung Old School – 80% sind sicher in diesem Stil gestochen.

PARADOX: Kannst du dich an ein besonderes Tattoo erinnern, mit dem jemand seiner Liebe zur Musik Ausdruck verliehen hat?

Viele Elvis Porträts natürlich. Einer hat sich den ganzen Ärmel mit dem Haus von Elvis stechen lassen. Unsere Praktikantin hat für eine Kundin einmal ein Tattoo über ein Lied von einem Fuchs und einem Albatros gezeichnet. Die Kundin hat ihr auch das Lied zum Anhören gegeben.

PARADOX: Sind es mehr Musiker oder mehr Fans, die sich solche Sachen tätowieren lassen?

Musiker lassen sich Gitarren, Gitarrenköpfe und solche Sachen stechen. Klavierspieler zum Beispiel bevorzugen Noten und Motive in diese Richtung. Fans gehen bei der Wahl ihrer Tattoos mehr in Richtung Porträts. Du merkst schon, Musiker, die auch einen direkten Bezug zu dem haben, was sie da machen, wollen eher etwas mit Noten haben und den Instrumenten, die sie spielen. Die Fans sind da oberflächlicher – sie bringen in erster Linie den Sänger einer Band in Verbindung mit ihrer Leidenschaft.

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