Unsere Kollegin Lara Langer vom Österreichischen Jugenportal hat sich anlässlich der Veröffentlichung seines neuesten Studioalbums „Wach“ Nino aus Wien vorgeknöpft. Im Interview sprechen die beiden über Italien, Songwriting, das Tourleben und werfen einen Blick zurück auf die vergangenen zehn Jahre.

Wach. Sein Album so zu nennen und trotzdem ein Hoch auf den Schlaf zu singen ist ungewöhnlich. Doch bei weitem nicht das einzige, das bei Der Nino aus Wien ungewöhnlich ist. Der Sänger aus dem 22. Bezirk wird zu Recht als einer der außergewöhnlichsten Songwriter bezeichnet. Man kennt den gebürtigen Nino Mandl als stetige Größe in der österreichischen Musikszene, denn seit fast 10 Jahren besingt er mit seinen poetischen, manchmal melancholischen, manchmal eigensinnigen Texten und Musik zwischen Austropop und Wienerlied Bühnen im deutschsprachigen Raum. Am 7. April ist sein neues Album „Wach“ bei Problembär Records erschienen, das stark an die Sechziger erinnern lässt. „Ein Hoch auf den Summer of Love“, wie er auch beim Auftritt immer wieder sagte. Vor seinem Konzert im Posthof habe ich ihn getroffen, um mit ihm über das Schreiben, Italien und natürlich Musik zu sprechen.

Der Nino aus Wien [(c) Pamela Russmann]

Es ist jetzt zehn Jahre her, dass du dein erstes Album veröffentlicht hat, was hat sich seitdem verändert – in der österreichischen Musikszene und persönlich?

Der Nino aus Wien: Es ist viel mehr los jetzt. Als ich das erste Album herausbracht habe, war noch lange nicht so viel los. Ich kannte nur A Life, A Song, A Cigarette, Ja, Panik und Ernst Molden. Jetzt gibt es so viel mehr tolle Bands, es ist schon irgendwas passiert irgendwie. So um 2009, 2010 herum wurde alles ein bisschen mehr und interessanter. Und ich persönlich, ich glaub ich singe schon ein bisschen besser als damals und spiele schon ein bisschen besser Gitarre und die Konzerte werden auch immer schöner. Es wird eh alles schöner.

Wie hat das alles begonnen, wann wolltest du Musiker werden?

Der Nino aus Wien: Ich glaube, mit sechzehn habe ich das insgeheim beschlossen. Als ich die Beatles Anthology angeschaut habe, habe ich gesagt, ich will auch Popmusik machen, wie die Beatles. Habe ich nicht ganz geschafft, aber ich habe mich dann halt mit Musik befasst.

Deine Texte sind sehr poetische und würden auch ohne Musik funktionieren…

Der Nino aus Wien: Nein, ich glaube diese nicht, die entstehen ja auch mit der Musik. Das sind ja keine Texte, die ich so schreibe, die singe ich ja, die schreibe ich im Singen. Ich glaube ohne eine Gitarre in der Hand könnte ich diese Texte gar nicht schreiben. Also ich könnte schon Texte schreiben ohne Musik, aber es wären andere Texte. Diese Texte sind verwoben mit der Musik, ohne Musik gäbe es die Texte nicht.

Ich habe gelesen, dass du gerne ein Buch schreiben würdest, ist der Wunsch noch aktuell?

Der Nino aus Wien: Wir haben eh schon sowas gemacht, mit der Natalie Ofenböck habe ich ein Schnitzler Buch geschrieben, mit einer Collage aus Schnitzler Texten, das war schon ein Buch. Und ein grünes Album Buch haben wir auch gemacht. Aber noch kein eigenes Buch, ich habe irgendwie viel mehr Freude daran, einfach zu singen. Also ein Roman oder so kommt für mich nicht in Frage, keine Geduld. Aber vielleicht mal ein Buch mit Texten, mit Gedichten oder so, kann schon passieren, wenn mir nichts Besseres einfällt. Aber lieber singen. Ich schließe nicht aus, dass ich irgendwann mal mehr schreibe, aber solange ich Spaß habe am Singen, will ich eher singen.

Das neue Album ist teilweise am Gardasee entstanden, wie sehr beeinflusst deine Umgebung die Musik, die du machst?

Der Nino aus Wien: Das ist schwer zu sagen. Ich weiß gar nicht, wie sehr es dann das Ergebnis beeinflusst. Es beeinflusst halt die Arbeit an sich. Man arbeitet lieber in schöner Umgebung irgendwie, kommt mir vor. Am Gardasee ist es so schön, dass man gleich motivierter ist, was zu machen. Und dann belohnt man sich, indem man um den See spaziert oder schwimmen geht. Ich glaube es schadet nicht unterwegs zu sein, neue Sachen zu sehen, auch beim Schreiben. Obwohl du beim Schreiben sowieso eher in deinem Zimmer bist, auch am Gardasee. Also ich bin jetzt nicht so, dass ich draußen am See schreibe, ich schau halt eher so auf den See raus, aus dem Fenster. Ich bin kein Natur-Schreiber, es gibt Leute wie Ernst Molden, der hat mir erzählt, dass er fast alles in der Natur schreibt. Aber das kann ich nicht, das traue ich mich nicht, da habe ich Angst, dass mir wer zuhört. (lacht)

Das heißt du setzt dich wirklich hin und schreibst einen Song?

Der Nino aus Wien: Ja voll, oder ich gehe beim Schreiben, oder beim Formen, beim Denken. Ich bin ein ziemlicher Geher. Ich gehe auch im Zimmer, ich geh auf und ab. Ich brauche die Bewegung ein bisschen.

Nochmal zurück zu Italien, dein letztes Album hieß „Adria“, was verbindet dich mit dem Land?

Der Nino aus Wien: Ich glaube, das ist so eine Phase, so eine Italien-Phase, die schon ein paar Jahre anhält. Ich glaube nicht, dass man das überbewerten muss. Italien ist halt nahe und relativ schön, dieses Klima gefallt mir sehr, mediterranes Klima, auch im Winter. Ich bin gern in Italien, aber ich sollt mir mal ein anderes Land aussuchen. Ich war jetzt oft genug dort. Vielleicht geht es jetzt mal nach Rumänien oder so und in weiterer Folge irgendwann nach Australien. Da war ich schon öfter, weil ich da Verwandte habe und vielleicht bin ich im Jänner dann in Australien und schreibe irgendwas. Aber Italien, vielleicht mache ich eine Italien-Pause, ich war jetzt echt übertrieben oft in Italien, auch teilweise nur einen Tag, auf einen Espresso praktisch.

Der Nino aus Wien mit Band [(c) Pamela Russmann]

Dein neues Album trägt den Titel „Wach“, wie bist du auf den Namen gekommen?

Der Nino aus Wien: Ich bin gar nicht draufgekommen, ich wollte es „sucht“ nennen: „Der Nino aus Wien sucht“. Habe ich mir dann irgendwie abgewöhnt die Idee und dann habe ich lange einen Titel gesucht und viele Vorschläge gemacht. Auch die Band hat viele Vorschläge gemacht und der Bassist hat dann irgendwann „wach“ gesagt und ich habe gesagt: „Okay, passt nenn ma’s wach“. Und im Nachhinein finde ich, passt es, weil das Wort kommt oft vor. Es kommt bis auf zwei Lieder in jedem Lied vor, und irgendwie ist es ein schönes Wort.

Es wird wahrscheinlich oft fehlinterpretiert?

Der Nino aus Wien: Ja eh, waaach schreibt man aber mit mehreren As, mit 7 As mindestens. Aber ja, könnte eh auch passen waaach. Aber es heißt halt schon wach, weil es auch in den Liedern immer wieder vorkommt und es nie als waaach ausgesprochen wird.

Aber die Assoziation mit den Drogen liegt nach „Ganz Wien“ und auch „Lady C“, was eine frühere Bezeichnung für Kokain ist, schon nahe, welchen Bezug hast du zu dem Thema?

Der Nino aus Wien: Naja, gibt’s halt schon, kennt man schon. Ist so ein bisschen eine Tradition in der Musik, dass man immer wieder so kleine Anspielungen macht auf sowas, aber es kommen auch Anspielungen auf andere Sachen vor, also es geht nicht nur um Drogen. Aber es findet schon immer wieder einen Platz.

Wie schauen deine Pläne für die Zukunft aus?

Der Nino aus Wien: Naja, heute spielen wir in Linz, morgen Regensburg. Wir spielen eh brav, wir fahren herum, leben unser lustiges Cowboy-Leben auf der Autobahn. Und irgendwann ist Weihnachten, vielleicht habe ich dann wieder ein paar Lieder und dann nehmen wir nächstes Jahr vielleicht eines auf.

Macht es Spaß auf der Tour zu sein?

Der Nino aus Wien: Ja schon, ich mag es gerne auf der Tour. Ich könnte auch mehr Autofahren ertragen. Wenn ich zuhause ankomme, ist es schwieriger, als unterwegs zu sein. Das Unterwegssein selber ist irgendwie gesund, glaub ich, auf eine abartige Art gesund. Also abartig nicht, aber auf eine ungewöhnliche Art.

Und als letzte Frage: Was ist das nervigste, das du je bei einem Interview gefragt worden bist?

Der Nino aus Wien: „Bist du wirklich so“, glaub ich. Das versteh ich nicht. „Bist du wirklich so“, oder „Bist du immer so“, keine Ahnung, kann ich nicht sagen. Wer ist immer so, wie ist was, keine Ahnung.

[Ein Interview von Youth Reporterin Lara Langer]

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