Das Wiener Neustädter DIY-Label LaserLife Records feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Mit viel Motivation, Engagement und Herzblut haben die Labelbetreiber Harry Steiner und Andreas Wagner die letzten Jahre damit zugebracht, nationale und internationale Bands zu unterstützen. Anlässlich des Jubiläums hat music-news.at die beiden zum Interview getroffen.

music-news.at: Herzlichen Glückwunsch zu eurem zehnjährigen Jubiläum. Aus welcher Idee heraus wurde LaserLife Records damals gegründet?

Harry: Danke für die Glückwünsche. Also eigentlich hat Ronald Dangl das Ganze vor zehn Jahren gegründet. Er war damals Gitarrist der Post-Hardcore Band Dimitrij aus Wiener Neustadt.

Andreas: Ja, genau. Damals ging es darum, dass Dimitrij ihr Album „Words – Objects“ zusätzlich zum CD-Release auch auf Vinyl herausbringen wollten und sie dafür aber kein Label finden konnten. Kurzerhand hat man dann einfach ein eigenes Label gestartet. Zumindest meine ich es so in Erinnerung zu haben. Anschließend verlief das dann alles wieder eher im Sand.

Harry: Nach einiger Zeit haben Toni Straka von der Band ASTPAI und ich das Label übernommen und dann haben wir junge Bands aus der Wiener Neustädter Umgebung damit gefördert.

Logo©Laserlife Records

Logo©LaserLife Records

music-news.at: Was hat sich in den letzten zehn Jahren bei LaserLife Records getan und verändert?

Andreas: Toni ist dann irgendwann ausgestiegen und seither arbeiten Harry und ich zusammen. Auch die Ausrichtung hat sich etwas geändert. Mittlerweile veröffentlichen wir hauptsächlich Platten von internationalen Bands.

Harry: Ja und mittlerweile ist das Ganze einfach besser durchdacht und besser durchorganisiert als früher.

Andreas: Und auch die musikalische Richtung hat sich etwas geändert.

music-news.at: Welche Musikrichtungen supportet ihr denn?

Harry: Eigentlich ist das schwierig zu sagen, weil es so unterschiedlich ist. Ganz am Anfang hatten wir eher Punk und Pop Punk Bands – jetzt fahren wir eher eine härtere Schiene.

Andreas: Hauptsächlich konzentrieren wir uns auf Punk und Hardcore Bands, wobei wir uns da jetzt nicht auf irgendwelche Genres versteifen. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir die Bands rausbringen, die uns selbst gefallen oder zu denen sich der Harry nicht „Nein“ sagen traut.

music-news.at: Wieviele Bands waren bis jetzt bei LaserLife Records unter Vertrag und wer sind eure aktuellen Schützlinge?

Andreas: Keine Ahnung. Zuviele um sie zu zählen.

Harry: Ich glaub’, insgesamt haben wir 24 Bands herausgebracht.

Andreas: Eigentlich kann man das bei uns nicht wirklich „unter Vertrag sein“ nennen. Bands kommen einfach auf uns zu und fragen, ob wir ihre neue Platte rausbringen wollen. Dann macht man das halt oder auch nicht, aber langfristige Verträge oder soetwas ähnliches gibt’s da eigentlich keine. Bands mit denen wir zuletzt was gemacht haben, beziehungsweise demnächst was machen sind: Petrol Girls, New Native, Elk Gang, The Deadnotes, Lorraine und Lester. In der Vergangenheit haben wir mehrfach mit ASTPAI und BHF zusammengearbeitet.

©LaserLife Records

©LaserLife Records

music-news.at: Wie ist die Resonanz von Bands oder auch von Gästen, die eure Konzerte besuchen?

Harry: Also, ich denk’, die Bands, die uns kontaktieren schätzen es sehr, dass wir uns wirklich mit ihrer Musik auseinandersetzen und uns auch immer verlässlich zurückmelden – auch wenn es eine Absage ist. Wenn wir Labels kennen, zu denen die Musik vielleicht besser passt, dann empfehlen wir die den Bands dann auch weiter.

Andreas: Die Resonanz von Bands ist meist positiv. Ich denke, es gibt keine Band, die es bereut mit uns zusammengearbeitet zu haben. Die meisten freuen sich, dass wir was gemeinsam machen und fühlen sich, denke ich, auch ganz gut bei uns aufgehoben. Von Konzertbesuchern selbst bekommen wir persönlich eigentlich nicht soviel Resonanz, was ja auch nicht nötig ist, denn schließlich kommen die Leute ja wegen der Bands zu Shows und nicht wegen uns.

Harry: Ich war erst letztens bei einem Konzert im Bach in Wien und da haben die Leute gemeint, sie schätzen es, wenn Laserlife Records ein Konzert organisiert, weil dann immer alles so durchstrukturiert ist und Beginn- und Endzeiten eingehalten werden. Und ich glaub’, sie schätzen auch, dass wir überhaupt Konzerte aus diesen Musikrichtungen veranstalten.

music-news.at: Was beinhaltet eure Arbeit bei LaserLife Records genau?

Andreas W.©LaserLife Records

Andreas W.©LaserLife Records

Andreas: Eigentlich machen sowohl der Harry als auch ich dasselbe. Es gibt defacto keine Arbeitsteilung. Wenn jemand von uns eine Platte rausbringen will, dann macht er das. Das ist dann eigentlich immer das Projekt von einem von uns. Da gehört dann halt alles dazu, von Vereinbarungen mit den Bands, bis zur Abwicklung der Plattenproduktion, Werbung, Versand, Verkauf und so weiter. Die Shows macht hauptsächlich der Harry, da unterstütze ich ihn nur und ich kümmer mich dafür hauptsächlich um die Distribution unserer Sachen ausserhalb der eigenen Kanäle, also zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Online-Shops und über digitale Kanäle, wie Spotify und so weiter.

Harry S.©Laserlife Records

Harry S.©LaserLife Records

Harry: Ja, also ich betreu’ noch die Homepage und kümmer mich um grafische Angelegenheiten.
Wenn uns Bands kontaktieren, dann ist es mal unser erster Schritt, sich die Musik anzuhören und zu besprechen, ob sie uns auch beiden gefällt. Wenn’s für uns beide passt, dann geben wir den Bands Bescheid, inwieweit wir sie finanziell unterstützen können. Das Geld kommt aus unserer Tasche und teilweise von Einnahmen von Veranstaltungen. Wir arbeiten non-profit orientiert – wir wollen keinen Gewinn daraus machen, sondern einfach Bands supporten. Wir nehmen zuerst mal Geld in die Hand und über die Jahre gleicht sich das dann halbwegs aus.
Wenn wir Konzerte veranstalten, dann mieten wir die Locations an – größtenteils in Wien, aber ab und zu auch in Wiener Neustadt. Die Gagen machen wir uns mit den Bands individuell aus, sie sind dann meistens abhängig von den Eintrittseinnahmen. Förderungen aus öffentlichen Geldern bekommen wir keine, wir machen alles selbst.

music-news.at: Was macht euer Label besonders?

Wir machen etwas, das uns Spaß macht und wir versuchen immer, das Beste für alle Beteiligten rauszuholen.

Harry: Ja, ich glaub’, gerade der „Do it yourself“-Charakter macht uns besonders. Wir wollen „unsere Bands“ bestmöglich versorgen, was Pressearbeit, Booking und Vernetzung angeht. Außerdem glaub’ ich, dass viele Booking Agenturen und Labels nicht immer die Zeit haben, allen Bands zu antworten. Die Zeit nehmen wir uns ganz bewusst und antworten meist innerhalb einer Woche.

Andreas: Ich möcht’ mich da nicht wirklich aus dem Fenster lehnen, weil es einen Haufen Leute gibt, die auch kleine Labels führen und das sicher nicht schlechter machen als wir. Was ich sagen kann ist, dass wir einfach etwas machen, das uns Spaß macht und wir froh sind, dass wir mit so vielen verschiedenen Bands zusammenarbeiten können und immer versuchen, das Beste für alle Beteiligten rauszuholen. Dabei geht’s jetzt gar nicht um Kohle, sondern eher darum, dass wir gute Platten veröffentlichen wollen und dabei versuchen, den Bands die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie, unserer Meinung nach, verdienen.

music-news.at: Wie erfahren Bands von euch?

Andreas: Oft kennen wir die Bands schon seit Jahren persönlich und irgendwann ergibt sich dann mal die Möglichkeit einer Zusammenarbeit. Der zweite große Punkt ist Mundpropaganda. Bands, die mit uns was gemacht haben, erzählen oft befreundeten Bands von uns und so kommt eines zum anderen. Manche Bands schauen aber auch einfach, auf welchen Labels Bands sind, die ihnen selbst gefallen und so stoßen sie dann auf uns und schreiben uns einfach an.

Harry: Ja, also ich glaub’ auch, dass da viel über Internetrecherche passiert. Und es erfahren auch viele Leute von uns über unsere Veranstaltungen. Bei einem Konzert von Laura Stevenson, das wir im Mai im Triebwerk in Wiener Neustadt veranstaltet haben, gab es recht viel Medienaufmerksamkeit, da wurde LaserLife Records auch im Radio erwähnt.

Andreas: In vielen Fällen geht die Initiative aber auch von uns aus. Wir sprechen bereits oft lange im Voraus mit Bands über mögliche Releases und sagen ihnen, dass sie bei ihrer nächsten Veröffentlichung an uns denken sollen, da wir gerne was mit ihnen machen würden.

music-news.at: Was steht in naher Zukunft bei LaserLife Records an?

Andreas: Demnächst stehen die Veröffentlichungen der neuen Platten von Lorraine und The Deadnotes an. Beide Platten machen wir als Co-Release mit zahlreichen anderen Labels aus Europa.

Harry: Genau, die Seven Inch Single von den Wienern Lorraine kommt am 16.August heraus. Und am 08.Oktober erscheint dann ein Full Length Album von The Deadnotes aus Deutschland.
Und natürlich steht noch eine Laserlife Records 10-Jahres-Feier an, da haben wir uns aber noch auf kein Datum festgelegt.
Am 06.Oktober veranstalten wir im Kramladen Affordable Hybrid aus Schweden und Alvanite aus Wiener Neustadt. Und im November werden die Petrol Girls auf der Neustadtpunk Party im Triebwerk in Wiener Neustadt spielen.
Außerdem unterstützen wir noch eine junge Veranstaltertruppe aus Wiener Neustadt, die sich „Active Scene“ nennt, bei ihren kommenden Shows.

music-news.at: Welche Tipps gebt ihr jungen Musikerinnen und Musikern, die eine Zusammenarbeit mit einem Label anstreben?

Andreas: Schwer zu sagen. Letztendlich befinden sich hinter jedem Label einfach Menschen, die ganz verschiedene Vorstellungen davon haben, was eine Band mitbringen muss, um auf ihrem Label sein zu können. Aus unserer Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die Musik selbst natürlich das wichtigste ist. Die muss uns auf alle Fälle überzeugen. Dann würde ich als Band auch nicht zu voreilig Labels kontaktieren, sondern lieber mal die erste Platte oder so, selbst veröffentlichen oder eine Demo aufnehmen und rausbringen, um ein Gefühl zu bekommen, was da dahintersteckt. Wenn man dann mal ein Label anschreibt, sollte man sich auf’s Wesentliche konzentrieren. Kurz schreiben, wer man ist, was man macht und was man sich vom Label wünschen würde. Definitiv keine allgemeinen Sachen wie: „Hallo, wir sind jetzt da und würden irgendwann mal gerne irgendwas machen. Vorschläge?“ Das nervt. Wieso soll ich mir überlegen, was die Band macht? Release planen, Nummern mal halbwegs gut aufnehmen und dann mit konkreten Ideen auf ein Label zugehen. Das ist meiner Meinung nach am sinnvollsten.

Harry: Ja, ich find’ auch, dass Bands eine Idee haben sollten, was sie machen wollen und dann ihr Ding durchziehen. Es ist wichtig, nicht den Mut zu verlieren und weiterzumachen und Spaß dabei zu haben.

music-news.at: Super, ich wünsch’ euch weiterhin viel Erfolg und Motivation mit LaserLife Records. Herzlichen Dank für eure Zeit.

Harry: Danke, es war uns ein Volksfest.

LaserLife Records supports…

Releases

16.August 2016 Lorraine: 7 Inch Single “Gimbal Lock“ | “Pitch/Roll/Yaw“
08.Oktober 2016 The Deadnotes: Full Length Album „I’ll kiss all fears out of our face“

Shows

29.September.2016 Surf Dads (can), Lorraine (at) | Triebwerk, Wiener Neustadt
01.Oktober.2016 Wolves&Wolves&Wolves&Wolves (us), The Deadends (at) | Triebwerk, Wiener Neustadt
06.Oktober.2016 Affordable Hybrid (swe), Alvanite (at) | Kramladen, Wien
05.November.2016 Petrol Girls (uk) @ Neustadtpunk Party 2016 | Triebwerk, Wiener Neustadt

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