Die österreichische Musikszene floriert wie selten zuvor und alles deutet darauf hin, dass Wien das Epizentrum des aktuellen Aufschwungs ist.

Mit Bilderbuch und Wanda kommen die beiden größten aktuellen heimischen Musikexporteure aus der Bundeshauptstadt. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch andere Regionen des Landes mit einer Fülle an kreativen Köpfen aufwarten können, auch Graz.
Diesen Gedankengang haben wir zu Anlass genommen, euch ein paar Grazer Bands der Gegenwart und nicht zu fernen Vergangenheit näherzubringen.

Granada

Wir können einfach nicht anders, als diese Band zuallererst zu nennen. Nicht zuletzt, weil sie das aktuelle Cover des PARADOX Magazins zieren. (Ja ja okay, wir waren es ja auch selbst, die sie auf das Cover gebracht haben – völlig zu Recht.) Die Band rund um Singer/Songwriter Effi ist erst vor wenigen Monaten auf der Bildfläche erschienen. Den Auftrag für die Filmmusik zu „Planet Ottakring“ nahm Effi, auch als Thomas Petritsch bekannt, zum Anlass dieses neue deutschsprachige und austropoppige aber mit großer musikalischer Vielfalt gesegnete Bandprojekt in’s Leben zu rufen. Mit Roland Hanslmeier, Jürgen Schmidt, Alexander Christof und Lukacz Custos gelang es ihm Bandmitglieder zu finden, die in kürzester Zeit zu einer gefestigten Band zusammengewachsen sind. Granada stehen noch ganz am Anfang, im Herbst wird ihr Debütalbum erscheinen. Es gibt viele Gründe diese Band im Auge zu behalten.

Jigsaw Beggars

Dass Psychedelic Rock so lebendig ist wie Cristiano Ronaldos Ego, beweisen die Jigsaw Beggars. Zwar war es um die Gruppe in der Vergangenheit immer wieder für längere Zeit ruhig, das ist jedoch noch lange kein Grund auf sie zu vergessen. Das Aufeinandertreffen von Kommerziell und Ausgeflippt macht sie zu einem Hör- und auch Seherlebnis. Zuletzt spielten sie im April im Grazer Bunker ein euphorisch gefeiertes Konzert. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Post Office Records darf von der Band zu jeder Zeit etwas Großartiges erwartet werden. Wir sind gespannt, wo die Zukunft hinführt.

The Incredible Staggers

Werfen nun einen Blick in die jüngere Vergangenheit. Wer könnte da schneller in den Kopf schießen als The Incredible Staggers? Die Rockband, die musikalisch stark in den 60er Jahren verwurzelt ist, war vor rund einem Jahrzehnt der – entschuldigt die Ausdrucksweise – heißeste Scheiß der Stadt. Ihre Single „Wild Teens“ lief im Radio und auf GoTV auf und ab, schaffte es sogar auf Platz 2 der FM4 Charts. Ihre Live-Auftritte waren der Burner. Es wurde Bier aus Stiefeln getrunken (natürlich, diese Musik verlangt nach Stiefeln), gesungen und gefeiert bis Musiker und Publikum in einem Gemisch aus Hopfensaft und Schweiß zu ertrinken drohten. Da wird es beinahe nebensächlich, dass die Band auf ihrem Erfolgsweg zwei Amadeus Music Awards einsackte. Doch irgendwann verschwand die Truppe und ward lange nicht mehr gesehen. Bis zu einem als legendär in die Lokalgeschichte eingegangenen Spätherbst-Abend Ende November 2015, als die wiedervereinte Gruppe vor hunderten Fans auf der Bühne des Grazer ppc stand.

Viech

Indie Pop zwischen Wandel und zunehmendem Erfolg. Viech starteten als aus Paul Plut und Andreas Klinger-Krenn bestehendes Duo vor rund fünf Jahren. Bevor Klinger-Krenn die Band verließ, um mit seiner Frau nach Leipzig zu ziehen und dort an der Vielzahl seiner musikalischen Projekte weiterzuarbeiten, wuchsen Viech zu einer fünfköpfigen Urgewalt an Tempo und Dynamik heran. Das aktuelle Album „Yeah“, das im Februar 2016 erschien, ist als finales Werk der Gruppe mit Klinger-Krenn anzusehen. Heute sind Viech ein stabiles Quartett, das beweist, dass man auch die bittersten Abgänge mehr oder weniger unbeschadet überstehen kann.
Zugegeben, Viech sind keine reine Grazer Band, man teilt sich die Stadt mit Wien – wem sonst. Schön.

Farewell Dear Ghost

Sie kamen scheinbar aus dem Nichts. Wer dachte, 2015 sei das Jahr von Farewell Dear Ghost, der wird von 2016 übertölpelt. Die Power-Pop Truppe um Philipp Szalay hat mit seinem Song „Fire“ die 100.00er Marke auf Youtube geknackt. Im September feiern sie auf der Bühne des Nuke Festivals ein Heimspiel und bis dahin touren sie den ganzen Sommer lang durch das Land, um ihren Sound unter das Volk zu bringen. Zur näheren Beschreibung dessen bieten sich die Worte von Farewell Dear Ghost Bassist Philipp Prückl an: „Die große Geste von Queen im Stadion gepaart mit der intimen Stimme eines Sängers, der sich vor dem Publikum verletzlich macht, indem er sein Innerstes nach außen kehrt.“

SOLOzuViert

Dass Dialektgesang wieder ganz hoch im Kurs steht, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Da verwundert es auch nicht, dass SOLOzuViert für verzückte Gehörgänge sorgen. Sie halten die traditionellen Attributen des „guten alten Austropops“ hoch. In vierstimmigen Gesängen erzählen sie von „Download, Flatrate und Nulltarif“ und die „Guate alte Zeit“. Derzeit ist das Grazer Quartett auf Tour durch Österreich. Ihre Video-/Bild-Collage zum Song „Irgendwann“ steht auf Youtube aktuell bei knapp 170.000 Klicks.
SOLOzuViert wandern auf den Pfaden von STS und Co, wir wandern mit.

Weitere Infos und eine Übersicht über die Grazer Musikszene findet ihr auf info-graz.at.

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