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Knüpft man an die jüngsten heimischen Erfolge in der elektronischen Sektion an, könnte man die musikalischen Triebfelder ganz pauschal verorten: Niederösterreich, baby!

Unser größtes Bundesland fungiert aktuell nämlich als Dreh- und Angelpunkt für guten, grenzüberschreitenden Drum and Bass. Camo & Krooked marschieren seit jeher als Paradebeispiel allen voran, nun reihen sich auch Dossa & Locuzzed (hier geht’s zum exklusiven Interview mit music-news.at) in die elektronische Erfolgskette ein und machen auf internationaler Ebene mithilfe innovativer Tracks auf sich aufmerksam. Wir meinen: Auch unsere Bundeshauptstadt hat in synthetischen Musiksphären einiges zu bieten. Ein knackiges Resümee über 6 Wiener DJs/Producer, die sich von der Masse abheben.

Kimyan Law

Der Vater Kongolese, die Mutter Österreicherin, der Wohnsitz Wien: Hinter Kimyan Law, mit bürgerlichem Namen Nico Mpunga, verbirgt sich eine genauso interessante wie schmerzvolle Backgroundstory. Er blickt auf eine melancholische Kindheit mit rassistisch motivierten Konflikten zurück. Gerade diese vermeintlich verhängnisvolle Exotik verleiht dem mittlerweile 21-Jährigen das nötige gewisse Etwas: Neben der für ihn charakterisierenden atypischen, „futuristisch-primitiven“ Klänge, ist Kimyan Law als herausstechende Persönlichkeit in seinen jungen Jahren fast schon so etwas wie eine Kunstfigur.

©2016 Blu Mar Ten Music.

©2016 Blu Mar Ten Music.

Als Ausgangspunkt seiner Karriere nennt er den Drum and Bass, heute versucht er gerade jene Standard-Arrangements aufzubrechen und lässt verstärkt afrikanische Instrumente und stark variierende Beat-Segmente einfließen. Die Debüt-EP „Couer Calme“ verschaffte Kimyan Law 2014 einen Platz als Anwärter bei den Drum & Bass Awards in der Kategorie „Best New Producer“ – das kürzlich erschienene Album „Zawadi“ ist ein würdiger Nachfolger.

MOTSA

Valerio Dittrich aka MOTSA ist im Electronica, House und „Broken Beat“ angesiedelt. Den Producer mit russisch-österreichischen Wurzeln inspirierte vor allem seine Zeit in Großbritannien, wo er mit der charakteristischen UK-Electrokultur in Berührung kam. Heute lebt Valerio in Wien und punktet hinsichtlich der breitgefächerten Auslegung seiner Produktion – dieses weite Spektrum fördert bis heute die Einzigartigkeit und Diversität seiner Nummern, die neuerdings vor allem smooth, melodiös und dennoch originell und beat-heavy hervortreten. Eine Nominierung für den Amadeus Award 2016 zeugt von dem bereits wahrnehmbaren öffentlichen Fokus. MOTSA bringt laufend neue Tracks raus und sein neuestes Werk in Form der EP „Petricolour“ gibt gleichzeitig den Startschuss für seine Tour, auf der er ein Live-Set zum Besten geben wird.

CID RIM

Clemens Bacher verkörpert innerhalb der Branche zwar keine unbekannte Gestalt, ist auf österreichischem Boden dennoch „way too underrated“. Als ursprünglicher Free Jazz Schlagzeuger hat er sich unter dem Pseudonym CID RIM unterdessen dem Produzieren von Elektroklängen am Klavier verschrieben, mit dem er 2012 seinen eigentlichen Durchbruch landete und vom Londoner Label Luckyme unter Vertrag genommen wurde. Auf der darauffolgenden Platte „Mute City“ beweist CID RIM, dass er sich weiterentwickelt hat und präsentiert außergewöhnlich interessante Samples. Wir lieben ihn momentan vor allem für seine Interpretation der Nummer „Streets“, im Original von Schmieds Puls.

Dorian Concept

Ein „autodidaktischer Jazzmusiker, der sich selbst sampelt“: Oliver Thomas Johnson mit US-amerikanischen Wurzeln spielte zusammen mit CID RIM in der Funkband JBNL. Der Stil seines Soloprojekts Dorian Concept unterscheidet sich aber grundlegend von dem seines ehemaligen Bandkumpanen. Als selbstbetitelter Vertreter improvisierter Musik klang Dorian Concept in seiner elektronischen Umsetzung zunächst unkonventionell und abwechslungsreich, neuerdings setzt er beim Producing auf Intuition und Keyboard-Skills: Sein aktuellstes, bei „Ninja Tunes“ erschienenes Album „Joined Ends“ zeichnet dementsprechend harmonisch-geradlinige Klänge und glänzt mittels improvisierter Chillout-Timbren.

Makossa & Megablast

Marcus Wagner-Lapierre (Makossa) und Sascha Weisz (Megablast) zählen vermutlich zu den ältesten Häschen im Biz. Ihre Arbeit lässt sich genretechnisch irgendwo zwischen der Organic, Electronic, Techno, House, Afro, Latin-Schiene einordnen. Erfolge feierten sie in erster Linie auf Strandfestivals vor über 30.000 Leuten und mit den fast schon legendären Selbstläufernummern „Kunuaka“ und „Soy como soy“. Während erstere von vielen Seiten besonders aufgrund der Schärfe und Präzision, die sich in der Soundproduktion widerspiegeln gelobt wurde, avancierte zweitgenannter Track zum Underground Hit in Ibiza. Ein Makossa & Megablast-Wesenszug: Der Klang nach Reisen, der auf authentischste Art in den Afro-Latin Sounds mitschwingt und für eine Extraportion Fernweh sorgt.

Wandl

Last but not least: Mehr-Producer-als-DJ Lukas Wandl, der schon so manches musikalische Bettchen für Austro-Cloud Rap-Pioniere Crack Ignaz und Yung Hurn  lieferte. Der charakteristische Wandl-Sound manifestiert sich in Form von tiefliegenden Beats mit locker daherschwebenden Vocal-Parts, was das Gehörte irgendwie fragil wirken lässt. Der grundlegende Unterschied zu den bisher genannten Künstlern: Sein Anhaltspunkt ist der Hip-Hop. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, genrespezifische Grenzen zu sprengen und ungewöhnliche Klanglandschaften zu zeichnen, die speziell bei seinen Liveshows immer eng mit Visual-Arts verwoben sind.

Wünsche, Ideen, Anregungen?

Dessen bewusst, dass eine solch komprimierte Liste nur fragmentarisch und monoperspektivisch sein kann, sind die LeserInnen herzlich dazu eingeladen jeglichen geistigen Erguss zu ergänzen. Go for it!

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