über ihre Schauspielkarriere, Authentizität auf der Bühne und die Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest

Bald ist es soweit, und wir werden wissen, wer für Österreich am 60. Eurovision Song Contest an den Start gehen wird. Eine der sechs letzten potentiellen TeilnehmerInnen ist die 18-jährige ZOË. Sie sang sich mit französischem Chanson bereits in die Herzen der Zuschauer, zudem präsentiert sie auf der Bühne eine Leichtigkeit, die für ihr Alter wirklich beeindruckend ist. Wir trafen ZOË an einem schönen Nachmittag im Cafe Leopold zum Interview, und bekamen ein zielstrebiges Mädchen zu Gesicht, die genau weiß, was sie will. Im ausführlichen Interview findet ihr anschließend ZOËs Ambitionen über ihre zukünftige künstlerische Laufbahn, sowie ihr persönliches Erfolgsrezept auf der Bühne, und vieles mehr – viel Spaß!

Eine Leidenschaft, die in der Familie liegt

www.music-news.at: Du warst Kiddy Contest Teilnehmerin, nimmst nun zur Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest für Österreich teil, und bist auch noch Schauspielerin. Woher kommt die Leidenschaft für diese kreative und künstlerische Laufbahn?

ZOË: Ich bin in einer künstlerischen Familie aufgewachsen, mein Vater ist Musiker, meine Mama hat auch mit ihm Musik gemacht, und hat auch später ein wenig Schauspiel gemacht. Ich bin damit einfach aufgewachsen, vor allem mit der Musik, und es war für mich klar, dass ich später mal Musik machen werde. Es war immer schon eine große Leidenschaft, die ich schon als kleines Kind immer hatte. Mein erster Berufswunsch war Pianistin, mit fünf Jahren wollte ich Opernsängerin werden, danach ins Musical. Ich habe auch letztens in meinem Kindergarten-Ordner eine Zeichnung gesehen, wo wir zeichnen mussten, was wir später machen, und da sitze ich hinter einem hässlich gezeichneten Flügel. [lacht] Und dann kam später das Schauspiel, da habe ich mir die Leidenschaft in den letzten Jahren selbst angeeignet. Als ich 10 Jahre alt war, habe ich auch Schauspielunterricht genommen, was aber mehr zur deutlichen Aussprache und zur richtigen Atemtechnik diente. Ich habe das wirklich sehr lieben gelernt und bin auch ein großer Film- und Theater-Fan, deswegen finde ich das sehr schön, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, das jetzt auch auszuleben. Das Künstlerische, das Kreative, war schon immer in mir und das wird hoffentlich weiter so sein, und ich möchte das immer machen.

www.music-news.at: War deine Rolle in der Serie Vorstadtweiber eigentlich deine erste Rolle?

ZOË: Ja, das war meine erste Rolle. Ich war megaglücklich, als ich erfahren habe, dass ich sie habe, weil ich war schon bei vielen Castings vorher. Man meint immer, ich schau zu alt für mein Alter aus, und das ist eben schwierig. Wenn du bei einer Agentur bist, gehst du auf Castings für 16, 17-Jährige, du bist 16, 17, aber du schaust angeblich nicht aus wie 16, 17. Deswegen war die Rolle, die ich in der Serie Vorstadtweiber bekommen habe, auch endlich eine Art Bestätigung, weil du beginnst irgendwann zu zweifeln. Kann ich es nicht? Wenn du ständig auf Castings gehst, und immer eine Absage bekommst, beginnst du dich dann schon zu fragen, es liegt wahrscheinlich an mir, vielleicht kann ich es gar nicht. Da brauchst du schon manchmal den Kick, wenn dir jemand sagst, du kannst es, hier ist die Chance. Das war so schön, weil ich mich bestätigt gefühlt habe, und die Möglichkeit gehabt habe, mich in dieser Serie zu zeigen und etwas zu spielen, mit großartigen Schauspielern. Mein Spielpartner Johannes Nussbaum (spielt Simon) spielt großartig, er war beim Casting schon da und da habe ich mich schon gut mit ihm verstanden. Ich habe gemerkt wie verdammt gut er spielt, und das schreckt dich entweder ab, oder du kommst rein. Ich bin reingekommen, habe diese Rolle unbedingt gewollt, und hatte Tränen in den Augen, als ich erfahren habe, dass ich die Rolle bekommen habe. Jetzt habe ich auch noch erfahren, dass ich in der zweiten Staffel auch dabei bin. Ich habe das aber gar nicht gewusst, ich war mir sicher, dass es jetzt vorbei ist. Als ich dann mit Uli Brée (Drehbuchautor für Vorstadtweiber) auf Facebook geschrieben habe, und er meinte, er schreibe gerade eine Szene für mich, war das der nächste Freudensprung.

Zoe 3

ZOË

www.music-news.at: Kannst du eigentlich die Dinge, die du beim Schauspielen lernst, auch für deine Musik nutzen? Oder auch umgekehrt? So wie zum Beispiel Bühnenerfahrung.

ZOË: Ich habe ja noch gar nicht so viel Erfahrung.

www.music-news.at: Du bist ja erst 18 Jahre alt, das muss man dazusagen.

ZOË: Aber auf jeden Fall, das auf der Bühne stehen, vor allem den Stil den ich mache, das ist ja alles ein bisschen spielerisch. Wie ich auf einer Bühne schaue, oder Ähnliches, ich glaube das passiert eher automatisch bei mir, da denke ich nicht darüber nach, „Mache ich jetzt den Move oder schaue ich in die Kamera“, das passiert dann von alleine. Das wichtigste auf der Bühne ist der Spaß, weil auf der Bühne bin ich dann schon ich, während ich vor der Kamera eine andere Person spiele. Deswegen war das auch das erste Mal so schwierig, als ich mich bei Vorstadtweiber gesehen habe, da habe ich wegschauen müssen. Bei der Song Contest Vorausscheidung konnte ich hinschauen, weil ich da eben ich selbst war. Mich dann in einer anderen Rolle zu sehen, da denkst du dir „Oh Gott was mach ich da“, das ist ein kleiner Schock für mich. Ich glaube da muss man sich erstmal daran gewöhnen. Ich glaube, vor allem auf der Bühne musst du einfach authentisch sein, ich spiele jetzt nicht irgendwen anderen, ich spiele Zoe auf der Bühne, so wie ich spiele wenn ich singe.

www.music-news.at: Du hast die Figur Zoe ja auch selbst erschaffen.

ZOË: Ja, ich hab auch diese Musik selber geschrieben. Wenn du das Lied selber schreibst, dann hast du ja schon eine ganz nahe Verbindung, dann kennst du es auch schon sehr gut, umso besser kannst du es auch singen, du lebst es ja dann einfach auf der Bühne.

www.music-news.at: Kommen wir nun zu deiner Musik. Es gibt Lieder von dir auf Französisch und Englisch. Ist es auch vorstellbar für dich, auf Deutsch zu singen? Möchtest du dich auf eine Sprache festlegen?

„Du hast wahnsinnige Angst,
dass es kitschig ist,
dass es schlecht ist,
dass es platt ist…“

ZOË: Ich habe mich von Anfang an auf keine Sprache festgelegt, das ist eher passiert, weil ich mit meinen Vater zum Spaß Musik gemacht habe. Es ist schön, wenn der eigene Vater selbst Musiker ist, und noch dazu so ein leidenschaftlicher. Diese Leidenschaft, die wir teilen, die uns dann in der Musik zusammenbringt, wo wir etwas gemeinsam schaffen, das macht uns jedes Mal, wenn wir ein Lied geschrieben haben so richtig stark. Auch, wenn das Lied nicht so gut ist, auch wenn wir im ersten Moment denken, „Das ist der Hit!“, und dann am nächsten Tag, „Na vielleicht doch nicht“. Ich war auch in derselben Schule wie mein Vater, das war eine französische Schule, dadurch hatten wir immer diese Geheimsprache Französisch. Wenn der andere jetzt nicht hören sollte, was wir reden, haben wir immer Französisch geredet, das ist aber nicht immer gut gegangen, da in Wien viele Franzosen leben. Am Anfang, wenn man ein Lied schreibt, singt man irgendwas. Als Paul McCartney „Yesterday“ geschrieben hat, hieß der Song ja auch zuerst „scrambled eggs, oh my darling, how I love your legs“. Genau so lief das auch bei uns am Anfang, aber dann hast du einen Satz, den wir auf Französisch gesungen haben, der klang dann ganz cool, und auf den haben wir das aufgebaut. Ich würde auch gerne auf Englisch schreiben können, da ist aber die Scheu so groß, weil das große Publikum die englischen Lieder einfach hört. Das heißt, du hast wahnsinnige Angst, dass es kitschig ist, dass es schlecht ist, dass es platt ist, vor allem wenn du noch jung bist und nicht über so viel Erfahrung hast, es ist eben etwas neues. Auf Deutsch gibt es die Gefahr, da Deutsch eine sehr harte Sprache ist. Französisch ist eine sehr melodische Sprache, Englisch auch. Es hat schon einen Grund, warum die großen deutschen Sänger die Wörter so singen, dass es weich klingt. Da Deutsch eine harte Sprache ist, funktioniert sie auch im Rap so gut. Ich singe gern auf Deutsch, würde auch gerne etwas Deutsches mal schreiben, aber da muss ich erst schauen wie das wird, es ist um einiges schwieriger als Französisch für mich, weil im Französischen fühle ich mich sehr sicher. Wenn ich jemanden etwas vorsinge, nur zum Herzeigen, weiß ich, er versteht das nicht. Natürlich ist der Gedanke blöd, dass er das nicht versteht, aber für mich ist es leichter am Anfang, weil ich diese Scheu habe, diese Schüchternheit etwas herzuzeigen, was ich gemacht habe. Danach erkläre ich eh‘ worum es geht, die genaue Wortwahl ist ja auch manchmal kitschig, auch in Englisch ist es manchmal megakitschig. Ich glaube, dass die Sprache vor allem nicht so wichtig ist, sondern wie du das Lied spürst und wie du es rüberbringst, wie du es inszenierst und wie du es selbst lebst, ich glaube dann kommt es auch beim Zuhörer an. Ich habe als kleines Kind auch englische Lieder gehört, wo ich kein Wort verstanden habe, jetzt immer noch manchmal, weil nicht so deutlich oder mit Akzent gesungen wird, aber trotzdem haben mich die Lieder genauso berührt, und das liegt eben daran, dass der Künstler das Lied lebt. Wenn er das selbst geschrieben hat, fällt es ihm natürlich auch einfacher das Lied zu leben, deswegen glaube ich, dass die Sprache der Musik wichtiger ist, als die Sprache des Texts.

www.music-news.at: Was hörst du eigentlich privat für Musik? Gibt es da auch Einflüsse, die sich dann in deiner Musik wiederspiegeln?

ZOË: Das ist jetzt eigentlich ein großes Verbrechen an die Musik, aber ich habe keinen iPod. Ich höre eigentlich immer wieder im Radio Musik mit, oder wenn Leute mir CDs oder Playlists anmachen. Aber ich selbst höre eigentlich nicht gezielt irgendeine Musik.

www.music-news.at: Kein bevorzugtes Genre?

ZOË: Nein, [lacht] ich mag eigentlich alles sehr gerne. Gut, da gibt’s immer ein paar Ausnahmen, die nicht so meins sind – ist eben Geschmackssache. Aber ich selbst, habe wie gesagt keinen iPod, und wenn ich ein Lied haben will, dann kaufe ich es auf iTunes, weil der Musikfamilie möchtest du natürlich nicht ins eigene Fleisch schneiden, und das dann gratis runterladen. Das war früher immer eine große Behinderung, wenn alle ihre iPods mit tausend Liedern hatten, und ich hatte auf meinem iPod nur drei Lieder, oder nur Lieder von meinem Vater, weil er sie von den CDs überspielt hat. Ich habe dann immer gesagt, „Das ist so schrecklich, dass ihr das alle runterladet, die armen Musiker haben kein Geld“, aber es ist so. Es ist mir fast lieber, wenn ich es nicht bezahlen kann, dass ich es nicht gratis runterlade.

www.music-news.at: Ein absolutes No-Go eigentlich.

ZOË: Genau, vor allem als Musiker. Ich glaube, die Leute denken gar nicht mehr darüber nach, die machen es einfach. Deswegen kann man es ihnen eigentlich gar nicht übelnehmen, weil die sind damit aufgewachsen, dass man sich etwas gratis runterladen kann. „Da gibt es hunderte Websites, niemand sagt mir es ist illegal hier, warum hast du nur drei Lieder? Ich habe hundertausende“. Ich sehe es nicht als Behinderung, weil ich singe sehr viel die ganze Zeit und hab immer etwas im Kopf. Ich lebe jetzt nicht ohne Musik, auf gar keinen Fall. Vielleicht bin ich gerade deswegen auch nicht so, dass ich mich von irgendetwas inspirieren lasse, sondern das passiert eher im Nachhinein, wenn mir jemand sagt „Das klingt ein bisschen wie…“. Dann ist es durch das Unterbewusstsein passiert, aber dann passiert es halt einfach.

www.music-news.at: Du finanzierst dein Album teilweise auch über eine Crowdfunding-Website. Was kannst du uns darüber erzählen?

ZOË: Das war die Idee von meinem Vater. Ich bin leider gar nicht so involviert, ich kenne mich da auch nicht so aus, ich weiß aber wie es funktioniert. Es geht halt darum, dass man spendet. Ich finde, das Crowdfunding klingt immer so wie betteln, natürlich wäre es schön Unterstützung zu bekommen. Es kommt ja auch etwas zurück wie Autogrammkarten, oder wenn man einen gewissen Betrag spendet, dann gibt es zum Beispiel lebenslang für Konzerte Gästelistenplätze, oder eben nur für das nächste Konzert.

ZOËs Albumpläne

www.music-news.at: Können wir im Jahr 2015 noch ein Album von dir erwarten?

ZOË: Ja!

www.music-news.at: Also hängt es nicht nur vom Crowdfunding ab?

ZOË: Schauen wir mal, es sollte funktionieren, ich hoffe sehr. Ich werde natürlich auch selbst investieren. Wir arbeiten schon am Album, es ist noch nicht fertig, aber mein Vater und ich sind ziemlich schnell beim Songwriting, und es macht ziemlich viel Spaß. [überlegt] Ich hoffe sehr, nein, ich bin mir ziemlich sicher, ja. Das Album wird im Mai rauskommen.

www.music-news.at: Auch, wenn du zum Song Contest fährst?

ZOË: Auch, wenn ich zum Song Contest fahre! Oh Gott, daran will ich gar nicht denken. Heute in der Zeitung lese ich so „Favoritin“, das macht mich so fertig, das ist nämlich gar nicht cool. Da hast du dann das Gefühl, dass alle zu dir sagen „Schade, ich dachte du würdest es werden“, und du denkst dir „Ja, ich bin es halt nicht“. Trotzdem machen dir alle danach noch den Druck wie „Du hättest gewinnen sollen“, dass dich das dann fertig macht, das ist das Blöde.

www.music-news.at: Auch, wenn es nicht klappen sollte, du hast dir jetzt sicher eine Fanbase in Österreich aufgebaut.

ZOË: Ich habe auch genug zu tun. Ich freue mich auf die nächste Staffel „Vorstadtweiber“. [strahlt über das ganze Gesicht] Ich freu mich so sehr, das ist dann auch ein Lebenssinn. Wenn du hörst, du bist in der zweiten Staffel dabei, das nimmt dir auch Druck weg. [atmet durch] Wenn ich beim Song Contest auch dabei sein sollte, dann wird es erst richtig stressig, denn da gibt es so viele Sperrtage. Das wird dann ein Herumfliegen, das ist aber bestimmt auch wahnsinnig interessant, das würde ich gerne mal erleben, und danach mal eine Woche „Lassts mich alle in Ruhe“ [lacht]

Zoe 1

ZOË

www.music-news.at: Machst du eigentlich lieber Musik oder Schauspiel?

ZOË: Das ist eine Frage, auf die ich keine Antwort geben kann, ich mag beides gleich gerne. Singen, damit bin ich schon aufgewachsen, das hat immer schon zu mir gehört und das wird auch immer zu mir gehören. Das Schauspielen ist mein eigenes Ding, und genauso wie die Musik, soll das immer mit mir sein. Schauspielerisch ist nie jemand hinter mir gestanden, wie mein Vater das jetzt in der Musik tut. Ich habe auch im schauspielerischen Bereich nicht annähernd das gemacht, was ich im musikalischen Bereich schon gemacht habe, aber ich hoffe, dazu werde ich bald die Möglichkeit haben. Das wär toll. Die meisten Schauspieler können ja auch singen und die meisten Sänger können auch schauspielern, also warum nicht beides. Ich möchte mich nicht nur für eines entscheiden.

www.music-news.at: Es gibt ja auch genügend positive Beispiele dafür.

ZOË: Ja, das sind dann auch die großen Vorbilder, die alles auf die Reihe bekommen.

www.music-news.at: Kommen wir nun zur Vorausscheidung zum österreichischen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest. Du und deine Mitstreiter habt jetzt mit Anna F., The BossHoss, und Nazar Coaches bekommen, die euch dabei helfen sollen. Gibt es einen Lieblingscoach für dich?

ZOË: Nein, also einen Liebling habe ich nicht. Das sind tolle Künstler, die schon viel Erfahrung im Musik-Business gemacht haben, dadurch können sie auch viele Tipps geben. Ob man die Tipps dann auch bei sich anwendet, das ist ja immer noch die Entscheidung des Künstlers, weil er muss ja auch er selbst bleiben. Ich habe auf jeden Fall viel Wertvolles gelernt, was auch die Bühnenpräsenz betrifft. Das ist dann aber Geschmackssache, ob jemand viel oder wenig macht. Conchita Wurst hat zum Beispiel auch nur eine Show im Stehen gemacht, es kommt halt immer darauf an, was passt. In dem Fall waren die Coaches schon sehr hilfreich, weil sie das Musik-Business schon sehr gut kennen, genauso ist aber auch mein Vater hilfreich, der ebenfalls das Musik-Business sehr gut kennt. Es gibt sehr viele Leute um dich herum, die dir helfen, den Weg richtig zu beschreiten. Die Musik-Karriere ist ja bei uns allen noch relativ am Start, es gibt zwar schon Leute, die das etwas länger machen, aber auf so einer großen Bühne, sind glaube ich noch die wenigsten von uns gestanden. Deswegen ist es auch immer hilfreich, wenn man Leute hat, die schon auf größeren Bühnen gestanden sind, und die man auch im Fernsehen kennt.

www.music-news.at: Wie schätzt du persönlich deine Chancen ein, für Österreich am Eurovision Song Contest teilzunehmen? Beziehungsweise, wieso sollten die Leute bei der österreichischen Vorausscheidung für dich anrufen?

„Ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden,
dass ich es nicht werde“

ZOË: Die Fragen kann ich beide schlecht beantworten, weil ich versuche, überhaupt nicht daran zu denken, wie meine Chancen stehen. Jeder Zeitungsartikel bringt dich ins Wanken, ins Denken, ins Hoffen, und ins Träumen. Aber das ist fürchterlich gefährlich, weil die Gefahr der Enttäuschung steigt, und die möchte natürlich niemand so drastisch ausleben, so richtig enttäuscht sein, ist ja richtig ungut, das weiß jeder. Fünf von uns werden enttäuscht sein. Ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich es nicht werde, damit es mich eben falls es so sein sollte, nicht komplett aus meiner Bahn wirft. Es ist natürlich eine Riesensache, und ich würde wahnsinnig gerne Österreich vertreten. Ich glaube auch, dass ich das schaffen würde, ich bin auf der Bühne nicht so schüchtern oder nervös, ich liebe die Musik. Jeder von uns sechs hat die Leidenschaft in sich, deswegen kann ich nur sagen, es kommt auf den Geschmack an. Wenn euch meine Musik gefällt, bitte wählt mich, und wenn dir die Musik von Dawa gefällt, wähl bitte für Dawa. Es geht hier darum die große Menge anzusprechen. Wir sechs sind alle gut, vielleicht sind die ein oder anderen einen Tick besser, eingespielter, harmonischer, oder schöner, manche sind für das Publikum zugänglicher. Es geht jetzt nur darum herauszufinden, was dem Publikum am besten gefällt. Allein die Tatsache, dass wir sechs Künstler die Chance haben, vor einem großen Publikum gesehen zu werden, das ist auch schon einmal eine große Sache. Es hat wirklich jeder verdient, dieses Votum möchte ich nicht nur für mich beanspruchen, wenn du mich nicht wählen willst, dann wählst du mich nicht, aber wenn du willst und es tust, dann bin ich dir unendlich dankbar. Ich kann es auch authentisch auf der Bühne herüberbringen, denn die Musik ist das, was ich tue und liebe. Wenn ich es schaffe, ist es das Größte, und falls ich es nicht schaffe, ist es aber nicht das Schlimmste, es ist eine tolle Erfahrung, die ich mitnehme und wo ich sage „Ja das war cool“. Ich hoffe, falls ich es nicht werde, allzu traurig bin. Das ist aber auch das Gemeine, man will sich für den anderen freuen, der es geschafft hat, aber man will weinen weil man enttäuscht ist, das ist blöd und peinlich.

www.music-news.at: Aber das ist auch menschlich.

ZOË: Schon, aber es kommt dann auch so rüber, als vergönnt man es dem anderen nicht, weil man so überzeugt war, dass man es wird. Aber gerade das bin ich nicht, ich vergönne es jedem, man muss halt immer aufpassen vor den Kameras, was man von sich herzeigt.

www.music-news.at: Gerade in den Live Shows, kommt das ja noch viel stärker zur Geltung.

ZOË: Davor habe ich eben so Angst am 13.März, weil es live ist, und da kann man dann nicht sagen, „schneidet meine Tränen raus und mein Lachen rein“. Da kann man dann auch nicht sagen, „ich weine, weil ich mich für die Person so freue“.

www.music-news.at: Im Fernsehen muss man schon stark auf seine Selbstdarstellung achten.

ZOË: Gerade wenn zig Kameras auf dich gerichtet sind, achtet man schon darauf. Da will man nicht beim Nasebohren erwischt werden. [lacht] Du wirst gesehen, das ist teilweise angenehm, ich bin ja kein schüchterner Mensch, sonst würde ich da nicht mitmachen. Ich komm zwar etwas schüchtern rüber, aber das bin ich nicht.

www.music-news.at: Es ist dann bestimmt auch etwas anderes, wenn man auf der Bühne steht und die vielen Zuhörer sieht.

ZOË: Die sieht man eben nicht, das ist das Gute daran. Man sieht nichts, ich bin kurzsichtig, noch dazu ist es dunkel, du siehst einfach nur Lichter. Du musst manchmal ausschalten, dass die Kameras da sind.

www.music-news.at: Was muss ein Song deiner Meinung nach haben, um beim Eurovision Song Contest bei so einem großen Publikum erfolgreich zu sein?

ZOË: Ich glaube der Song muss authentisch sein, die Person die ihn singt muss es ebenso sein, während sie den Song singt. Es muss eine Verbindung zwischen den beiden entstehen, das ist natürlich einfacher, wenn der Künstler den Song auch selbst geschrieben hat. Natürlich ist es auch möglich, wenn der Song für einen Künstler geschrieben wurde, bestes Beispiel ist Conchita Wurst – Rise Like a Phoenix. Auch damals Loreen – Euphoria, hat perfekt gepasst, genauso Lena – Satelite, wie sie singt und dabei tanzt, sie hat einfach Spaß auf der Bühne gehabt. Es war keine tragische Ballade, es war einfach authentisch. Es ist wichtig, dass der Künstler den Song mag. Wenn du jemanden hast, der sich unwohl mit seinem Song fühlt, der Angst vor den Tönen hat, der Angst vor dem Song selbst hat, dann merkt man das auch. Selbstsicher auf der Bühne zu sein ist wichtig, und wenn Schüchternheit zu dem Song gehört, dann gehört sie einfach dazu, dann passt das ja. Wenn ich mich auf der Bühne nicht wohlfühle und nachdenke, „Wie geht der Satz?“, diese Unsicherheit merkt man sofort und es wirkt nicht authentisch. Wenn man einen Song liebt, dann schaltet man auf der Bühne aus, dann lebt man und denkt nicht über die einzelnen Strophen nach. Ich glaube das ist sehr wichtig beim Song Contest, weil vor so einem großen Publikum, natürlich muss der Song auch publikumstauglich sein. Es ist immer schwierig bei Independent-Bands, heißt aber nicht, dass es unbedingt eine große Ballade sein muss, oder ein schneller Pop Song, es kann auch zum Beispiel etwas sein wie letztes Jahr der zweite Platz.

www.music-news.at: Die Niederlande, Common Linets – Calm After The Storm.

ZOË: Ja dieses Duett, das sanfte Elfenlied, das ist super angekommen. Wäre Conchita nicht mit diesem Song und dieser Person angetreten, hätten die beiden natürlich gewonnen. Es war anders, aber sie waren authentisch und sind gut angekommen, weil sie genau das gemacht haben, was sie sind. Ich glaube das habe ich auch, dass wenn ich etwas selbst schreibe, ich es auf der Bühne auch genießen kann, und nicht Angst davor habe.

www.music-news.at: Gibt es eigentlich einen Moment, den du mit dem Eurovision Song Contest verbindest?

ZOË: Ich bin damit aufgewachsen, es gab jetzt keinen speziellen Moment. Früher habe ich mir immer gedacht, „Da würde ich gerne mitmachen, warum ich nicht?“. Jetzt bin ich es vielleicht, und das ist so verdammt cool. Der Song Contest war immer da, jetzt ist er sogar in Wien, näher als ich es je kannte. Bei so einem großen Event, das in Österreich stattfindet, dass ich da bei der Vorentscheidung dabei bin, das ist noch eine größere Ehre für mich. Da hat man ja auch mehr Druck, weil du musst den Titel verteidigen, du musst schauen, dass du das Musikniveau hältst.

Fotos: Martin Siebenbrunner

3 Responses

  1. MarioMark

    Der ESC Beitrag von Zoe ist ein kitschiges Liedchen mit einer noch viel kitschigeren Blümchen-Choreographie.

    Ohne die Bekanntheit in Österreich und ohne die Werbetrommel des ORF (z.B. Stermann und Grissemann) wäre sie nie zum ESC gekommen.

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