Ein langes, strapaziöses, oft trauriges aber genauso fruchtbares Jahr geht in der Historie der Musik zu Ende. Denn neben all den großen Musiklegenden, die uns in den vergangenen zwölf Monaten verlassen haben und die wir nie vergessen werden, förderte 2016 auch viel Neues und ebenso Beachtenswertes zutage. Unsere Redakteure haben jeweils ihren Favoriten-Song des Jahres 2016 gewählt und wollen ihn euch näher bringen.

Michael Bertl:
Mother’s Cake – The Killer

Michael Bertl – Music News & PARADOX Redakteur

Nach zwei Alben voller alternativer Songstrukturen abseits jeglicher Art von Mainstream-Musik überraschen Mother’s Cake Ende 2016 mit der Single „The Killer“. Auf dem ersten Vorboten der am 27. Jänner erscheinenden, dritten LP der Band wagen sich die Psychedelic-/Funkrocker auf poppiges Terrain, zumindest in Bezug auf den Ablauf des Songs. Der Track besticht durch nahezu unvergleichliches Einbetten von höchst anspruchsvollen, treibenden Drum-Beats, Riffs und Gesangslines in ein herkömmliches Popsong-Schema – ein kompakter Vier-Minuten-Schlag ins Gesicht zum Verlieben. Durchbruch ahoi!

Michael Köppel:
The Boys You Know – Teenager Of The Year

Michael Köppel – Music News & PARADOX Redakteur

„Teenager Of The Year“ war heuer der Flashback in die, von mir geliebten, 90er-Jahre. Dieser Song lässt die “Früher-war-alles-besser-Mentalität“ voll aufleben und gibt mir immer wieder ein warmes Gefühl. Bittersüß und gewürzt mit beschwingter Melancholie dreht sich dieser Song auf Heavy Rotation in meinem Hirn.
Ihr heuer veröffentlichtes drittes Album war schon ziemlich fein, doch diese Nummer schlägt alles, was sie bisher geschaffen haben. Aufgrund ihres Ohrwurmcharakters ist sie, für mich, heuer die beste heimische Nummer und wird es wahrscheinlich auch noch länger bleiben.

Sophia Lindner:
Sick’n’Flaw – Train to Paradise

Sophia Lindner – Music News & PARADOX Redakteurin

Die niederösterreichische Hard-Rock-Band Sick’n’Flaw brachte Mitte des Jahres 2016 ihr erstes Studioalbum auf den Markt.
Die Ballade „Train to Paradise“ ist berechtigterweise Namensgeber der aktuellen Platte: Der Song lädt zum Mitsingen ein und auch ein leichtes Schunkeln kann man sich nicht verkneifen, wenn die ersten Töne von „Train to Paradise“ anklingen.
Die Band durfte auf zahlreichen Auftritten in Österreich große Zustimmung zu EP und Song erfahren und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Michael Misek:
Raf Camora – Dämonen

Michael Misek – Music News & PARADOX Redakteur

Bei „Dämonen“ handelt es sich um einen Song aus dem Album „Ghøst“, das im Frühjahr erschienen ist. RAF Camora hat im Gegensatz zur Album-Version dieses Liedes, für die Videoauskopplung einen Remix produziert.
Mithilfe von Morten und den Stereoids schaffte der Wiener Musiker hier ein Werk, das von Robert Miles „Children“ inspiriert wurde. Versatzstücke des Dreamhouse-Klassikers aus den Neunzigern wurden mit Hip-Hop vermischt und ergeben so eine musikalische Symbiose, die man nicht mehr überspringen möchte – Gänsehaut garantiert.

Martin Neumayer:
Granada – Ottakring

Martin Neumayer – PARADOX Radio Redakteur

2016 waren Granada eines der Highlights am heimischen Musiksektor und aufgrund der vielen starken Songs ihres Albums fällt es durchaus schwer, sich für einen einzigen zu entscheiden. Ich habe mich für „Ottakring“ entschieden, einen eingängigen Song mit besten Ohrwurmqualitäten, abwechslungsreicher Instrumentalisierung und besonders interessantem Text, der gewitzt und modern ist und einfach das „gewisse Etwas“ besitzt.
Das geistige Ohr hört schon die Menschenmassen gemeinsam singen: „In Ottakring, in Ottakring, wo das Bitter so viel süßer schmeckt als irgendwo in Wien.“

Ronny Priesching:
Katinka – Der Sandmann

Ronny Priesching – PARADOX Radio Programmchef

Mein absolutes Jahreshighlight war und ist Katinka. Eine Band, die mich komplett aus den Latschen gestreckt hat. Ich mag sowieso die ausgefreakten Stimmen, zum Beispiel von Nina Hagen, Annete Humpe, der schrägen Rostock oder eben auch von Kata, und das ausgefuchste Instrumental, das Katinka in den letzten Produktionen hingeknallt haben ist wahrlich „outstanding“. Das aktuelle Video „Der Sandmann“ ist ein Liveshoot von deren Weekender Gig in Innsbruck. Grundsätzlich bin ich schon mehr als übersättigt mit dieser Art von Video aber Katinka können darin so gut zeigen, wie viel Energie in dieser Band steckt wie sonst nirgendwo. Im fast goldenen Licht rocken sie sich in Ekstase und pushen das Publikum ins Maximum. Ein herrlicher Genrestreich, sei es das Video oder der Song. Ich bin begeistert!

Lisa Schantl:
NA15 – Gangart

Lisa Schantl – Music News & PARADOX Redakteurin

Im Laufe des turbulenten 2016 hat es auch so manche Wahl zum Krisenstatus geschafft. In einem Song des jüngsten Werks „Goldstandard“ der Rapcore-Macher NA15 findet dieses Thema Beachtung. In „Gangart“ weisen uns die vier Jungs auf die kritische Entwicklung der Politik und insbesondere auf emotionale und inhaltsferne Wahlkämpfe hin. Parteien werden dabei als sich bekriegende Banden dargestellt und die fehlende Mündigkeit der wählenden Bevölkerung erfährt einmal mehr harte Kritik. Bedenkt man, dass Frontman Mastalski diesen Song schon vor einigen Jahren geschrieben hat, wird dieses Problem umso dringlicher.

Ruth Scheel:
Voodoo Jürgens – Heite grob ma Tote aus

https://www.music-news.at/team/ruth-scheel

Ruth Scheel – Music News & PARADOX Redakteurin

Kreuts aus eurem Schneckenhaus, da grabt einer die Toten aus. Schirch aber schön, derb und genauso ehrlich, zeitlos wie modern trifft Voodoo Jürgens mit „Heite grob ma Tote aus“ 2016 einen Nerv bei den Österreicherinnen und Österreichern. Archetypisch lädt der junge Liedermacher im Wiener Beisljargon zum Leichenschmaus und feiert das Andersmachen und die unverblümte Direktheit. Denn wenn einem was nicht passt, dann darf man auch dazu stehen. Hype hin oder her – endlich mal kein Schas mit Quastln. Ehrlichsein schadet nicht.

Georg Zsifkovits:
Granada – Spür die Sun

Georg Zsifkovits – Music News & PARADOX Chefredakteur

In einem Jahr, in dem subjektiv betrachtet fast alles schlecht bis aussichtslos erscheint und die Welt ohnehin kurz vor ihrem Niedergang steht, liefern Granada auf ihrem Debütalbum mit „Spür die Sun“ ein Gegenkonstrukt zur gesellschaftlichen Tristesse. Neben dem titelgebenden Mantra zum Positivismus liefert der Song eine der herausragenden Textzeilen des vergangenen Jahres: „Es is ganz leicht, wenn was zwickt, schrei nach Freiheit und schau wie’s tuat, dann ziag die aus, denn wenn was einengt, is es einengend und net guat.“
Danke für ein wenig Sonnenschein in einer manchmal grauen Welt!

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