Sound is in the Air

Drohnen und Musik?

Üblicherweise werden Drohnen für verschiedene Zwecke beim Militär, der Landwirtschaft, im Journalismus und sogar zum Vertreiben von Tauben eingesetzt. Mit den steigenden Variationen und der stetigen technologischen Verbesserung der derzeit immer beliebteren Drohnen war es nur eine Frage der Zeit, bis man Sie für das erste Musikprojekt einsetzt. 3D Kino war gestern – lieber mittendrin statt live dabei.

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Eine der buntesten Drohnen im Orchester

Eine Fusion von „Airborne-Architecture“ und Musik hat es in dieser Form noch nie gegeben. Umkreist von den verschiedensten Drohnen, eine schräger gestylt als die andere, fühlt man sich in eine andere Galaxie oder einen weit entfernten Ort versetzt, in dem die gängigen Regeln der Musik eine ganz andere Bedeutung zu haben scheinen. Töne, die heutzutage oftmals mit Überwachung und Terror assoziiert werden, verwandeln sich in eine wundervolle Symphonie von einem anderen Stern.

„Loop>>60Hz: Transmissions from the Drone Orchestra“ ist der Titel der Live-Performance von Musiker John Cale und Designer/Futurist Liam Young und war Teil der „Digital Revolution Exhibition“ im Barbican in London.

Probieren geht über Studieren

Die ersten Tests waren mit vielen Sorgen um die Funktionalität und Sicherheit der Drohnen behaftet. Die Rotorblätter einiger Drohnen drehen sich gefährlich schnell und man stelle sich nur vor eine von Ihnen stürzt ins Publikum oder schneidet einen Zuhörer damit. Das wär absolut katastrophal. Hingegen war das Risiko dahinter ein zusätzlicher Ansporn und Anreiz sich dem Projekt intensiv zu widmen.

„Anfangs haben wir nur den Ton der Drohnen selbst über Ihre internen Mikrofone aufgenommen und über die hauseigene Anlage laufen lassen, was eine vibrierende Tonwand kreiert hat, die durch den ganzen Körper ging,“ erzählt Liam Young über den Prozess, der dem Ganzen voranging.

John Cale und Liam Young

Liam Young & John Cale im „Barbican“

Zunächst mussten verschiedene Modelle auf Ihre Sensibilität und Stabilität beim Flug und ihre visuelle Wirkung im Raum getestet werden. Eine schwierige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Sie für den Einsatz im Außenbereich gedacht sind und man nicht nur auf den begrenzten Raum, sondern auch auf die Akustik und das Publikum achten muss.

„Die verschiedenen Variationen der Drohnenanzahl faszinierten mich. Wenn beispielsweise nur eine Drohne im Raum stand war sie ein Mysterium, wenn 2 Drohnen umherflogen, hatte man eine Liebesgeschichte, speziell dann, wenn sie sich folgten oder umkreisten. Wenn mehr als 2 Drohnen in der Luft waren, kam es einem wie ein Familienverband vor, in dem Jede Drohne ihre eigene Rolle spielte. Das brachte eine sehr emotionale Atmosphäre mit ins Spiel.“ sinniert John Cale retrospektiv.

Eine der Drohnen überträgt John Cale’s Stimme und dadurch dass sie sich umherbewegt transportiert sie seine Vocals in alle Richtungen und das ergibt einen Raumklang, der unvergleichlich ist, bei dem die Stimme plötzlich von Seite zu Seite wandert oder nur hin und wieder eingespielt wird an plötzlich ganz anderen Orten des Konzertsaals.

Ein paar Wochen wurden anschließend Testflüge in einer Lagerhalle durchgeführt und den Drohnen ein charakteristisches und sehr spaciges Aussehen verpasst. Die letzten Kalibrationen und Effekte wurden vorgenommen. Als Software Grundlage wurde ein Programm eingesetzt, das normalerweise für das Kontrollieren von Modellzügen dient. An der Decke des Raumes werden einige Ultraschall-Transmitter angebracht, die Positionsangaben übertragen und empfangen und den Drohnen den Weg weisen oder Ihnen aufzeigen, wo sie nicht hinfliegen dürfen.

Installationen

Zur Premiere der Performance im Barbican wurde dann noch eine Art „Licht-Wald“ aus Spots und verschiedenen anderen Lichtelementen eigens für die zusammengestellt und die gemeinsame Umsetzung ergab eine Rundumshow mit unvergesslichem Feel. Die Intonation der Song-Arrangements von Liam Cale ist einzigartig und von völlig neuartigem Charakter. Sie führt in Abstimmung mit den abstrakten Drohnen zu einer Spielart, wie Sie für Menschen nicht möglich ist, und macht sie somit auch einzigartig.

Mehr zu dem Projekt findet ihr hier:

thespace.org

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