Das sind die Eckpfeiler der Straight Edge Bewegung. Warum? Das versuche ich euch in diesem Text zu vermitteln.

Ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Die Straight Edge Bewegung ist wohl eines der meistdiskutierten und kontroversesten Themen der Hardcore-Szene. Gerade deswegen habe ich ein mulmiges Gefühl dabei, diesen Text zu schreiben. Es gibt unglaublich viele Auslegungen dieses Lebensstils und natürlich noch mehr Meinungen darüber. Angefangen von den „ohne-jede-Frage-Anhängern“ und Befürwortern, über die, denen es relativ egal ist, bis hin zu denjenigen, die Straight Edge verachten und lächerlich machen – und alle Graustufen dazwischen.

Gerade Kante? Häh?

Ich versuch‘ mal, Straight Edge ein bisschen zu erklären, ohne irgendwie wertend zu wirken. Schon alleine das ist schwierig, da es, wie gesagt, jeder etwas anders sieht. Wörtlich übersetzt heißt Straight Edge „gerade Kante“ – was in dem Zusammenhang wohl erstmal wenig Sinn ergibt. Laut Wikipedia stammt der Name vom gleichnamigen Lied der Band Minor Threat.
Hier ein Teil der Lyrics:

„I’m a person just like you
But I’ve got better things to do
Than sit around and fuck my head
Hang out with the living dead
Snort white shit up my nose
Pass out at the shows
I don’t even think about speed
That’s something I just don’t need
I’ve got the straight edge“

Straight Edge

Das X als Symbol für Straight Edge

Hier kann man “I’ve got the straight edge” übersetzen mit “nüchterner Vorteil” (straight = nüchtern/unverfälscht, to have the edge = den Vorteil haben). Soweit zur Begriffsdefinition. Es geht also grundsätzlich darum, Dinge wie Alkohol, Zigaretten und andere Drogen abzulehnen um einen klaren Kopf zum Denken zu haben.

Im Laufe der Zeit wurde der Begriff immer weiter definiert und verschieden ausgelegt, sodass auch Themen wie Sexualität (besonders im Zusammenhang mit Promiskuität), Vegetarismus/Veganismus und der Konsum von Koffein in Verbindung mit Straight Edge gebracht wurden.

Falls ihr öfter auf Hardcore-Shows unterwegs seid, habt ihr sicher schon den einen oder anderen Typen (oder Mädchen, ist ja alles gendergerecht hier) mit einem X als Symbol für Straight Edge gesehen – sei es auf der Haut, am Shirt, oder am Kapperl. Ursprünglich bekamen Minderjährige in Clubs ein X auf den Handrücken gemalt, damit ihnen kein Alkohol ausgeschenkt wurde.

Man eckt an.

Straight Edge sein führt in unserer Kultur oft zu Konfrontationen und Unverständnis. Da zumindest Alkohol und Zigaretten für die meisten Menschen zum normalen Alltag gehören, tanzt man als „Edger“ deutlich aus der Reihe. Im Club mit einem Glas Mineralwasser dazustehen, das fällt auf. Einen netten Artikel dazu habe ich vor Kurzem auf Buzzfeed gefunden.

Straight Edge

Viele Leute, besonders in der Hardcore Szene, sind der Meinung, Straight Edger wollen nur auffallen und anders sein. Im Englischen gibt es dafür eine (nicht ganz ernst gemeinte) Bezeichnung, das sogenannte „Special Snowflake Syndrome“. Urban Dictionary definiert es so: “Someone who believes they deserve the stars because they like something no one else likes, or do something no one else does. “

„Someone who believes they deserve the stars because they like something no one else likes, or do something no one else does.“

Straight Edge heißt nicht, jedem, der einen fragt, ob man was trinken möchte, lang und breit zu erklären, dass und warum man nichts trinkt. Ein einfaches „Nein, danke“ sollte reichen (zumindest in meiner naiven Weltanschauung, hm…). Es heißt auch nicht, nur zu Hause zu sitzen und sich zu langweilen, während die anderen alle feiern gehen. Bei Freunden, die sich abwenden, weil man sich nicht mit ihnen betrinkt oder bekifft, sollte man sich Gedanken machen, ob die Bezeichnung „Freund“ so richtig war. Straight Edge heißt einfach, für sich selbst zu entscheiden, bestimmte Sachen bewusst nicht zu tun, einen klaren Kopf zu haben und darüber nachzudenken, welche Konsequenzen ein bestimmtes Verhalten hat. Auf welche Bereiche man den Begriff dann ausdehnt, bleibt jedem selbst überlassen.

Straight Edge in der Musik

Straight Edge hat seinen Ursprung im Hardcore und es ist ein allgegenwärtiges Thema in den Texten vieler Bands. Ich hab hier mal ein paar Textzeilen herausgekramt, einfach, um euch zum Nachdenken anzuregen. Es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Liferuiner – S.O.S.E:
“I’m just a man they made a martyr to lead a generation
You can pick me apart with your lies and accusations
So if you try to read between the lines you might see
Being above all of the influence
Has always set me free“

Letlive – Day 54:
“To all my friends who’d rather get high
I’ll be at ground level watching you die
Fuck drugs and fuck straight edge
Those are both the things that got the best of my friends
And to all the girls that make it a trend
To fuck all of my friends
We’ll all die of the same disease
Whether you got it in bed or you got it on your knees”

Gut, dass wir hier Meinungsfreiheit haben und jeder über Straight Edge denken kann, was er möchte. Wichtig ist, für sich selbst zu entscheiden, was man mit seinem Leben machen will und sich weder von uralten Traditionen, noch von irgendwelchen kurzlebigen Trends und Modeerscheinungen beeinflussen zu lassen. Das ist nicht immer leicht, bei all den Bewegungen und Gegenbewegungen.

Informiert euch, denkt für euch selbst und hinterfragt alles.

Fotocredits: Untoxicated, Tumblr 

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.