Das Jahr 2017 von 7 Redakteuren in 7 Songs

In einer nebelgeschwängerten Dezembernacht fand sich die Music News Redaktion zusammen, um den Song des Jahres 2017 zu küren.
In demokratischer Tradition würde in langen Gesprächen, fruchtbaren Auseinandersetzungen und bei voller Lautstärke ein Song gefunden werden, den im Endeffekt niemand wirklich toll findet. Nach sieben Minuten, neun blutigen Nasen und drei losen Schneidezähnen – die ihren Gebissträgern später nicht wieder zugeordnet werden konnten – einigten wird uns darauf, uns nicht zu einigen. Demokratie gescheitert. Wir gingen unserer Wege und kürten unseren Song des Jahres 2017 – jeder für sich, mit Eis auf der Backe und einem Taschentuch im Nasenloch. Hier ist das Ergebnis:

Michael Köppel: Alterno Boy – You’re My Friend

Die zweite Auskopplung ihres selbstbetitelten Debütalbums hat in mir Gefühle geweckt. Empfindungen, die kaum ein neuer Indie-Song aufwühlen konnte. Die luftige Unbekümmertheit und Geradlinigkeit verleiten zum Zuhören, Nachdenken und Mittanzen. Ihr Sound schleicht auf Zehenspitzen ins Ohr und entfaltet dort seine gut versteckte Rohheit. Alterno Boy haben das Rad damit nicht neu erfunden, aber sie kombinierten perfekt alle Details und drückten zum Schluss ihren eigenen Stempel auf. „You’re My Friend“ war ein perfekter Abschluss zu diesem heißen Sommer und wird wohl auch im nächsten in meiner Playlist zu finden sein.

Anna Sophia Macheiner: Mavi Phoenix – Aventura

2017 war ein großartiges Jahr für das Genre HipHop und Rap. Viele Künstler brachten tolle Werke auf den Markt. Nennenswert hierfür sind vor allem RAF Camora, RIN, Yung Hurn usw. Den besten Song dieses Jahres brachte für mich aber jemand anderes. Mavi Phoenix hat für mich mit „Aventura“ den besten Song dieses Jahres geliefert. Er ist einzigartig, hat absolutes Ohwurmpotential, trifft den Zeitgeist und macht einfach gute Laune. Wir werden bestimmt noch einiges von Mavi Phoenix hören und ich freue mich schon auf das nächste Jahr, das hoffentlich auch so gut für Rap und HipHop läuft.

Michael Misek: RAF Camora – Bye Bye

Auch dieses Jahr ist man als Liebhaber guter Musik nicht an RAF Camora vorbeigekommen. Als Fan der melancholischen RAF-Songs, die Gänsehaut garantieren, ist mein Song des Jahres „Bye Bye“. Das Lied stammt aus dem Album „Anthrazit“ und handelt von Fernweh trotz Zeitmangel. Nach diesem Song packt einen förmlich die Reiselust und man möchte die ganze Welt so schnell wie möglich bereisen. „Ich geh bei Easyjet zum Schalter, sie fragt mich wohin? Ich sag nur: Weit weg.“ Der Song selbst gibt RAF ein Gefühl von Freiheit, was man auch an der gefühlvoll gesungenen Hook hört. Ein Song für jede Reise-Playlist.

Nathalie Monschein: Pizzera & Jaus – unerhört solide

Laut Spotify war mein Song des Jahres „unerhört solide“ von Pizzera & Jaus. Stimmt tatsächlich, auch wenn dieser mir auf die Schnelle wohl nicht eingefallen wäre. Ich bin ja generell ein Fan von intelligent-lustigen Texten, für die Pizzera & Jaus ja sowieso bekannt sind, und der Intro-Song zu ihrem gleichnamigen Album strotzt nur so vor eindringlichen, humorvollen, motivierenden Lyrics zu einem leicht verdaulichen Beat, kombiniert mit sympathisch unaufgeregtem Sprechgesang und überraschend soliden Harmonien. Toller „Do it!“-Song auf dem gut gelungenen ersten Album der beiden Kabarettisten, der mich heuer das ein oder andere Mal schon zum Aufstehen motiviert hat.
„Du bist so lang unbesiegbar, bis du di sölba aufgibst / a Hoffnungsträger is der tragt und ned der ob’n drauf liegt“

Lisa Pacchiani: Tagtraeumer – Strassenlaternen

Mitten im Sommer 2017 veröffentlichten Tagtraeumer ihr zweites Studioalbum „Unendlich Eins“, worauf sich auch der Song „Straßenlaternen“ befindet. Der Track hebt sich zwar kaum von den anderen 14 des Albums ab, hat aber für mich etwas an sich, das mich genau hinhören ließ. Frontmann Thomas Schneider singt darin über die Nacht und eine flimmernde Straßenlaterne: „Wenn die Straßen mit Leere voll sind“. So einfach und doch so schön.
In einer immer schneller werdenden Welt bleibt der Blick auf das Alltägliche oft aus. Tagtraeumer haben genau diesem ihren Song gewidmet.

Jasmin Stadler: Nihils – Breathing

Zu Beginn des Jahres begeisterten mich die Jungs der Band Nihils wieder mit einer neuen Single – inklusive eindrucksvollem Video. Nachdem sie 2011 bei der Castingshow „Die große Chance“ im Halbfinale ausgeschieden sind, begann erst die eigentliche Karriere der Tiroler. Der Song „Breathing“ hat mich im Februar schon beim ersten Anhören beeindruckt und ich höre mir diesen leichten Indie-Pop-Song nach wie vor sehr gerne an. Der Text animiert zum einfach „weiteratmen“ und dass man auch im schlimmsten Sturm nicht aufgeben darf. Das dazugehörige Debütalbum trägt den Titel „Perspectives“.

Georg Zsifkovits: Steaming Satellites – Back From Space

Drei besondere Veröffentlichungen haben das Jahr für mich geprägt. Zu Anfang des Jahres lief Mother’s Cake und ihr drittes Studioalbum „No Rhyme No Reason“ ganz oben, doch ihre Über-Single „The Killer“ geht bereits auf 2016 zurück. Im Spätsommer kam der Sado Maso Guitar Club mit seiner neuen EP und der Single „M.Y.L.O.V.E.“ daher. Doch es waren Steaming Satellites, denen in diesem Jahr gelang, woran etwa Coldplay und U2 auf tragische, beinahe schon entwürdigende Art und Weise scheiterten: Sie blieben eine Rockband und klangen dennoch zeitgemäß. Während andere in der Bedeutungslosigkeit versanken, veröffentlichten die Salzburger Satelliten mit „Back From Space“ einen Rocksong voller flockiger Leichtigkeit, Tanzbarkeit, zeitgemäßer Relevanz und dem nötigen Hauch Pop. Vielleicht ihr bislang bester Song – das zugehörige Album folgt Anfang 2018.

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