Wie Firmen und Artists und sogar Politiker sich Ihre Fanbase kaufen

Man sagt ja Liebe ist nicht käuflich. Im Internet gelten jedoch etwas andere Regeln. Mit ein bisschen Geld kann man sich die Liebe der „Fans“ und ihre Daten erkaufen. Entweder durch Verlosung von angeblichen „horrenden“ Preisen (die dann ohnehin entweder non-existent sind oder einfach mal nach Absprache an Freunde verlost werden) oder durch eine bezahlte Fassade aus tausenden „angeblich totaal echten“ Likes und Followern. Wer wird sich schon durch die 15000 Follower durcharbeiten um zu sehen wer davon echt und wer unecht ist?  Die so ergatterten echten Likes und Shares behält man sich natürlich gerne ein, schadet ja keinem. Die user spielen dabei brav mit, wenn Sie sehen dass das ja schon hunderttausend andere Personen liken, drückt man schnell mal, auch wenn man sich nicht sicher dabei ist, den Like-Button um noch schnell auf den fahrenden „Trend-Zug“ aufzuspringen. Man möchte ja die eigenen Farben gerne mit denen anderer schmücken um sich selbst aufzuwerten oder zumindest die eigene Persona im Internet. Eine ganz besondere Ausnahme stellen hier Politiker dar, die ebenfalls Ihre Likes von verschiedenen Anbietern aufbessern, was zu hitzigen Debatten um den Missbrauch führt.

Der Like-Boom und die Musikindustrie

In der Musikindustrie wird, zumindest nach Außen hin, das Kaufen von Likes verdammt. Jedoch nutzen auch große Firmen und Bands oftmals den kompetitiven Vorteil einer bezahlten Fanbase-Vergrößerung aus und sprinten so den ehrlichen und talentierten Künstlern im Wettlauf um den Bekanntheitsgrad davon. Hier besteht jedoch das Risiko, dass sich Facebook an einen neuen Algorithmus setzt und diese Fake-User löschen lässt. Dies kann in manchen Fällen zu signifikanten Abfällen führen und ist dann im Nachhinein schwer schädigend für das Image. Ein neues Problem ist, dass Fake-Accounts ähnliche Seiten wie die für die Sie generiert wurden liken um kredabler zu wirken und nicht so schnell von den Facebook-Algorithmen entdeckt werden. Das führt bei einigen Bands wie zB. „Red Seas Fire“ zwar umsonst zu einem Anstieg der Userzahlen, jedoch ist die Downside, dass der Eindruck erweckt wird, dass diese Bands ebenfalls ihre Likes mit finanziellen Mitteln aufbessern. Das kreiiert ein Erklärungs-/Distanzierungsproblem für eine Band oder einen einzelnen Interpreten. Hierfür ist eine Problemlösung noch ausständig. Für Künstler mit einem Facebook-Auftritt ist es somit wichtig, die Aktivität auf Ihren Seiten zu verfolgen und genau zu sehen, wer denn da Ihre Musik wirklich mag und wer nicht und schlussendlich sofort Facebook zu kontaktieren wenn sich etwas Suspektes auftut.

Gekaufte Promotion im Test

Als Produzent, Dj und Besitzer eines eignen Labels landen mittlerweile regelmäßig Mails in meinem Mailaccount und den jeweiligen Inboxen auf Soundcloud usw. die mir suggerieren, dass der Absender eine Möglichkeit gefunden hat, meine Plays und Fans zu steigern für ganz wenig Geld. Als Einleitung oder Betreff hierfür wird oft der Satz “ Your Music is Awesome“ verwendet. So gut ich meine eigene Musik und die meiner Künstler finde, ein solches Kompliment dient natürlich oft nur als Vorwand um den Empfänger wohlgesinnt zu stimmen und seine Aufmerksamkeit auf den Inhalt des Angebots zu lenken. Wessen Ego wird nicht gespeist, wenn man hört dass die eigene Arbeit gut ankommt bzw „awesome“ ist. Der Inhalt der Nachrichten geht von „Deine Musik muss öfter gehört werden. Ich habe eine tolle Möglichkeit deine Likes und Plays zu erhöhen!“ bis „Ich habe eine Kontaktdatenbank von xtausend Blogs, Journalisten und Distributern, die dich vielleicht interessieren könnte“.

Um mir die Wirkung einer Werbeeinschaltung bei Facebook anzusehen und ob es sich lohnt Facebook zu bezahlen, um das richtige Publikum zu erreichen, was ja eigentlich der offizielle Weg ist, habe Ich für 4 Tage und jeweils 4 Euro pro Tag einen der ersten Posts über die Facebook Seite bewerben lassen. Hierbei wird einem sogar suggereiert, wie viele User man pro Woche dazugewinnen wird. Dass hier Geld der entscheidende Faktor für mehr User ist, ist die logische Schlussfolgerung, die Facebook aus der Dummheit seiner User zu ziehen scheint.

Das Ganze führte zu nichts anderem als den gleichen non-existenten Usern, die gerade mal jede 2.Woche ihr Profilbild ändern und ansonsten keine Aktivität zeigen. Ungefähr 10 Likes konnte ich also für 16 Euro bekommen, die jedoch gar keine echten Personen sondern  so genannte Zombie-Accounts darstellten. Nun zahlt man nämlich dem Portal selbst Geld für das Anwerben von Usern, die entweder von Facebook selbst oder einem Unterhändler generiert werden. Nun hat man zwar einen Increase im eigenen Following , jedoch sind die Zugewinne nicht mit einem einzelnen echten , interessierten Fan vergleichbar.

BuyAccountsNow

Meistens beginnt eine dieser so genannten „Following-Farms“ mit dem Erstellen hunderter wenn nicht tausender randomisierter  Hotmail Accounts (12h45yk8fm@hotmail.com). Die auf diesem Weg generierten, Zombie-Accounts mit einem Botmaster werden dann über eine App wie zB die bereits bekannte  „Codename:Like“ von zahlenden Usern utilisiert um Ihren Fame mit heißer Luft aufzublasen. Eine der Firmen die auf diesem Wege Geld machen ist BuyAccountsNow, registriert in Islamabad in Pakistan. Sie bezeichnen sich selbst als „the lagest account creator out there“ und bieten Pakete zur Fanbase Steigerung für eine große Liste an Plattformen wie Twitter, Youtube, Facebook, Pinterest oder Gmail an. Die Homepage selbst zeigt sich als sehr dubios. Man kann keine Angebote einsehen sondern nur direkt Konakt aufnehmen per Formular. Legal scheint man sich mit dem Satz „We are not the direct source of account creation, and act only as resellers“ abzusichern, der überall auf der Seite aufscheint. Als Konaktadresse ist nur eine Email und bei der Adresse nur die Stadt New York angegeben. Weiters als Einleitung nur „Lets get in touch“ und ein Lorem Ipsum Text-Platzhalter. Unter „How it Works“ ist nur ein „coming soon“ zu lesen.

Es gibt jedoch auch Methoden einzusehen, wer Likes angekauft hat und wer nicht. Wenn große Seiten signifikante Drops in Ihren Likes haben wie z.B ein paar hundert bis ein paar tausend, ist es sehr wahrscheinlich, dass hier Facebook am Werk war und inaktive User gelöscht hat. Die eigens generierten wird Facebook hierbei aber tunlichst nicht anrühren, da Sie ja eine große Geldquelle darstellen. Die Konkurrenz schaltet man also als Monopol in der Social Media Welt aus.

Andere Seiten wiederrum versuchen auf legalem Weg Geld aus ihren Premium Usern zu ziehen. So wird zum Beispiel auf manchen Sound-Portalen angeboten, den eigenen Track für Geld hervorzuheben oder auf der Homeseite des Portals featuren zu lassen. Und das Obwohl man bereits jährlich zwischen 30 und über hundert Euro im Jahr bezahlt (was sich bei einem System, das einem nur als Premium User etwas bringt schon auf ein nettes Sümmchen läppert).

Schlussendlich kann man sich noch ein Enterprise Paket einer Social-Media Statistics Seite leisten, dass einem dann den Überblick über die selbst hervorgerufenen Increases für ein paar hundert Euro im Monat auswertet. Das sind dann wunderbare Präsentationsmaterialien wenn es um die Aquirierung von Partnern geht. Gefälschte Zahlen waren und sind in der Industrie nun mal Gang und Gebe.

Das Daten-Monopol Google

Seit Jahren schon wird Google mit der Frage bombardiert, warum denn nicht die gespeicherten Personendaten für die Industrie freigeben werden können, damit Firmen die echten, 100 Prozent passenden Kundenstämme weltweit finden können, was natürlich das unumstritten beste Zielpublikum wäre. Da Google die Rechte an allen Daten bis auf mehrere duzend Jahre besitzt, ist wohl anzunehmen, dass wenn Sie die Daten verkaufen, Sie zur absolut größten Wirtschaftsmacht heranwachsen könnten, was wiederrum auch kein so schöner Gedanke ist, abgesehen davon, dass hierbei noch so einige Gesetze, die in die Privatrechte von Einzelpersonen eingreifen würden zu Ungunsten der Bevölkerung umgeschrieben werden müssten. Derzeit stellt Google immer mehr Analytik Tools für Firmen zur Verfügung, damit diese Ihnen die große Menge an Daten gleich selbst genau auswerten und Ihnen einen Richtwert angeben, was diese für Firmen wert sein könnten.

Der Trend der gekauften Social-Media Fanbase ist ein aufwärtiger und wird sich wohl nicht so schnell bremsen lassen. Einzige Möglichkeit dagegen vorzugehen ist es, die falschen Zahlen aufzudecken, wo man Sie findet. Vielleicht wird es ja in näherer Zukunft eine Blacklist für derartige Betrügereien geben. Bis dahin müssen wir wohl sehr gut darauf achten, was wir da gerade mit dem Daumen nach oben, dem zwitschernden Vögelchen oder dem orangen Herz u.a. bedenken.

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