Antonis Anissegos lässt sein Publikum in eine neue Welt aus faszinierenden Klängen eintauchen – man verliert sich in Schwerelosigkeit

Antonis Anissegos ist nicht nur ein zeitgenössischer Komponist und Jazz-Pianist, sondern auch ein Sound Künstler. Seine Performances sind energievoll, fesselnd und trotz des Faktors Experimentalmusik rhythmisch und musikalisch. Seine energiegeladenen Werke haben für das Publikum eine fast hypnotisierende Wirkung, was ein Teil unserer Redaktion beim CAMP Festival 2009 am eigenen Leib erfahren durfte. Man kann Antonis Anissegos‘ Musik nicht nur als Experimental Kunst ansehen, sondern gänzlich als Neue Musik, die ihres Gleichen sucht.

Das Interview

www.music-news.at: Wie war es für dich auf dem CAMP Festival? Was ist dir in Erinnerung geblieben?

Antonis Anissegos: Obwohl seitdem knapp 6 Jahre vergangen sind, habe ich sehr lebendige Erinnerungen vom CAMP 09. Wir waren 5 Videokünstler und 5 Elektronische Musiker aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichem Hintergrund. Ich fand die Arbeit von jedem einzelnen sehr interessant und mit einigen sind wir noch heute in Kontakt. Die Räumlichkeiten waren fantastisch, wir konnten uns eine Woche lang künstlerisch austoben und jederzeit gab es etwas voneinander zu lernen.

www.music-news.at: Was ist die allgemeine Aussage deiner Arbeiten? Oder sind diese vom jeweiligen Projekt abhängig?

Antonis Anissegos: Das könnte ich beim besten Willen sprachlich nicht artikulieren. Wann immer ich für eine Arbeit einen Text schreiben soll, erwähne ich eher die Inspiration, den Grundgedanken, der das Ganze im Gang gesetzt hat und verrate nicht mehr als das. Ich glaube dass die eigentliche Aussage einer Arbeit nicht beschrieben werden kann, sondern nur in der Arbeit selbst zu finden ist.

www.music-news.at: Liegt dir eher die Live Performance oder produzierst du lieber im voraus und warum?

Antonis Anissegos: Beides. Das eine befruchtet das andere.

www.music-news.at: Welche Programme und Technologien kommen bei deiner Arbeit zum Einsatz?

Antonis Anissegos: Ich verwende im Vorfeld verschiedene Programme und analoge Geräte. Da ich kein echter Programmierer bin, versuche ich eigene Wege zu finden, die manchmal umständlich, aber ungewöhnlich sind. Zum Steuern verwende ich dann „Ableton Live“.

www.music-news.at: Wo ist die Grenze zwischen Kunst und Provokation?

Antonis Anissegos: Provokation als Selbstzweck und generell als Thema finde ich nicht so interessant. Dagegen kann Provokation als Mittel dienen, um eine Aussage zu stärken. Dann erst ist Provokation gut gemeint und kann etwas Positives bewirken. Da es ein relativ einfaches Mittel ist, kann es zu häufigem Missbrauch kommen.

www.music-news.at: Wie reagieren Menschen auf deine Arbeiten?

Antonis Anissegos: Ganz unterschiedlich. Wenn eine Performance besonders intensiv ist, sind die Reaktionen dementsprechend.

www.music-news.at: Was planst du derzeit für die Zukunft?

Antonis Anissegos: Etwas was ich noch nicht gemacht habe, ist es mit Beats zu arbeiten. Ich würde es aber gerne anders machen, nicht so maschinell. Ich glaube dass es noch viel zu entdecken gibt in diesem Gebiet.

© Nyssos V

© Nyssos V

Über Antonis Anissegos

Antonis Anissegos lebt als Komponist, Pianist (Interpret von historischer bis zeitgenössischer Musik), Improvisator und elektronischer Musiker (alias unu) seit 1998 in Berlin. Konzerte in Europa, Asien und Amerika. 1991 erhielt er das Klavierdiplom vom Staatlichen Konservatorium Thessaloniki. Im Anschluss studierte er in Budapest, Wien, Köln (Kompositionsdiplom 1997) und von 1998 bis 2001 als Meisterschüler von Walter Zimmermann, an der UdK Berlin. Mitglied verschiedener Projekten, wie Ensemble European Music Project, Ensemble Junge Musik, das Geschwistertrio IAMA, die Gruppen Lynx, Grix, KAYA (mit der Butoh-tänzerin Yuko Kaseki), ΣΩΜΑ, ddaA, Card Castle, best before unu und oneone. Zusammenarbeit mit der Videokünstlerin Erika Matsunami (OIO, 2005-2009), der Tanzgruppe adLibdances (2007-2011) und dem Theater Thikwa. Seit Sommer 2006 unterrichtet er Improvisation im Music Village in Griechenland. Aufführungen von Solo-, Kammermusik-, Orchester- und Bühnenwerken ua. von: Ensemble Modern, Ensemble Piandaemonium, Ensemble Mosaik, Ensemble Cornucopia, Ensemble DissonArt, Staatliches Orchester von Thessaloniki, Farbenorchester in Athen, Junge Philharmonie Thüringen. Darüber hinaus gibt es über 40 CD-Veröffentlichungen.

Web: enstase.com

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