Das etwas andere Festival – eine Reise durch Zeit, Raum, Ton und Bild

Es klopft und dröhnt – Es flimmert und blinkt – Es ist künstlerische Leidenschaft, die fesselt und sich in sich selbst neu erfindet. Beim CAMP Festival treffen internationale Künstler aus den Sparten Klang, Musik, Video, Installation, Projektion und Neue Medien in einem Raum aufeinander. Die Nutzung von Synergien zwischen Bild, Ton und Musik entführen den Besucher in eine neue Welt, die einen nicht nur ins Staunen versetzt, sondern auch einen Impuls in einem selbst auslöst und die eigene kreative, wilde Seite weckt.
Das CAMP Festival ist ein Festival der Einzigartigkeit, des Erfindens und Entdeckens, der Konvergenz und Diskussion, in dem verschiedene Künstler-Egos nicht nur aufeinandertreffen, sondern durch einen kreativen Zusammenschluss viele Performances kreieren. Die beiden Initiatoren Thomas Maos und Fried Dähn, die auch bei jedem CAMP Festival selbst in die Rolle des entwickelnden Künstlers schlüpfen, erzählen uns im Interview von den Besonderheiten dieses Festivals, das zugleich auch vielen Künstlern eine Plattform für Diskussion und Neuentdeckung bietet.

Das Interview

www.music-news.at: Was war der Auslöser für das erste CAMP Festival 1999?
Thomas: Wir wollten ein Festival mit einem anderen Format ins Leben rufen – von Künstlern für Künstler, bei dem es nicht um das Abrocken eines einstudierten Programmes geht, sondern um den gegenseitigen Austausch, gemeinsames Arbeiten, Grenzen ausloten, experimentieren und improvisieren und fern vom Alltag eine Woche lang zusammen ohne Stress und mit viel Spaß Kunst und Musik machen, gemeinsame Projekte entwickeln und mit einer ergebnisoffenen Haltung auf die Bühne gehen.

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CAMP Festival – Impressionen

www.music-news.at: Wie hat sich das CAMP Festival seitdem entwickelt?
Fried: Bislang gab es 13 Festivals, davon vier im Ausland. Höhepunkt war sicherlich die Teilnahme an der Kunstbiennale in Venedig 2013, aber auch die Camps in Zagreb, in Cluj in Rumänien oder in Montemor-o-Novo in Portugal waren ganz besonders eindrückliche Erlebnisse.
Nachdem wir 2007 von der Bundeskulturstiftung gefördert wurden, sowie mehrfach vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, kann man schon sagen, wir sind mittlerweile ein zwar immer noch eher kleines, aber renommiertes Festival.

www.music-news.at: Wie ist der Name „CAMP“ entstanden?
Thomas: CAMP ist die Abkürzung von Collaborative Arts and Music Pool. Aber das Wort steht natürlich auch für das Zusammenleben und gemeinsame Aktivitäten an einem außergewöhnlichen Ort und für eine begrenzte Zeit. Es hat etwas von Forschungsreise, von Abgeschiedenheit und Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe. CAMP meint aber auch ein internationales Netzwerk von Künstlern, welches tatsächlich durch unser mittlerweile 15-jähriges Festival entstanden ist. Viele ehemalige CAMP Künstler arbeiten über das Festival hinaus in Projekten zusammen. Das ist fantastisch.

„Die CAMP Künstler verfügen über eine bestimmte Sprengkraft und manche Projekte fallen durchaus extrem aus, müssen es aber nicht.“Fried Dähn

www.music-news.at: Erklärt doch bitte in ein paar Worten das Konzept des CAMP Festivals.
Fried: Beim Camp-Festival treffen sich Künstler aus den Bereichen Musik mit Schwerpunkt experimentelle, elektronische und neue Musik und Bild mit den Schwerpunkten Video, Projektion und Lichtkunst, bis hin zu Performance. In Projektgruppen, die sich in der Regel aus drei bis sechs Künstlern zusammensetzen, werden in einer begrenzten Zeit in einem definierten Raum im Kollektiv audiovisuelle Konzepte entwickelt und so weit wie möglich realisiert. Zwischenpräsentationen bilden hierbei einen wichtigen Faktor. Die im selben oder in angrenzenden Räumen arbeitenden anderen Gruppen bilden hier ein aktives und durchaus auch kritisches Korrektiv, immer mit dem Ziel, der präsentierenden Gruppe Hinweise und Ratschläge zu geben, wie das Projekt stimmiger und besser zu realisieren sei. Somit wechseln die Teilnehmer von der Rolle der Ausübenden und Performenden in die Rolle der Zuschauer, Kritiker, der Dramaturgen oder der Regisseure.

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CAMP Festival – Impressionen

www.music-news.at: Anhand welcher Kriterien wurden die bisherigen Locations für das CAMP Festival ausgewählt?
Thomas: Ganz unterschiedlich: zur Biennale Venedig, Montemor-o-Novo in Portugal, ins ZKM Karlsruhe oder in den Württembergischen Kunstverein Stuttgart wurden wir eingeladen. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart ermöglichte unsere Projekte in Kroatien und Rumänien. Dafür haben wir allerdings ein Jahr lang in Cluj und Zagreb ein Netzwerk aufgebaut. Wir wollten auf keinen Fall dort ohne Einbindung lokaler Organisatoren oder Künstler ein Festival aufziehen. Es geht beim CAMP auf allen Ebenen – von der Organisation bis zur Kunst – um Kooperation und Austausch.
Wir sind dorthin geflogen und haben gemeinsam mit Kontejner in Zagreb und der Fabrice Pensule in Cluj das Festival organisiert. Die Locations, in denen wir uns dann eine Woche lang aufhalten und arbeiten, müssen etwas Magisches haben, wie etwa das Kloster in Montmor-O-Novo in Portugal. In Cluj waren wir dann tatsächlich in einer alten, ehemaligen, ansatzweise renovierten jüdischen Synagoge – die uns bei der ersten Begehung sofort in ihren Bann gezogen hat.

Trailer des CAMP Festival der Kunstbiennale 2013 in Venedig
mit Maria Fernandez, Claudia Robles-Angel, Rodolfo Lillo, Thomas Maos, Fried Dähn
Kamera und Editing: Benedikt Hugendubel | Kurator: Jörg Scheller

 
www.music-news.at: Wie werden die Künstler für das CAMP ausgewählt?
Fried: Da wir beide schon geraume Zeit in dieser Szene tätig sind, haben wir natürlich schon eine ganze Menge guter Kontakte. Und diese generieren durch Empfehlungen meist weitere. Aber wir recherchieren auch ganz bewusst und wählen diese dann aus, schreiben sie an und laden sie ein.

„Schaut und hört her, soweit sind wir jetzt mit unserer Idee gekommen“
Thomas Maos

www.music-news.at: Welche Grenzen gibt es in der Zusammenarbeit zwischen den Künstlern im Rahmen des CAMPs?
Thomas: Die Künstler, die wir einladen, freuen sich immer sehr, dabei zu sein.
Da ist eine Mischung aus Neugierde und natürlich auch eine Art „gespannt sein“. Schließlich weiß man ja nicht wie es in der Woche für einen laufen wird. Jeder Künstler bewegt sich in dem Spannungsfeld zwischen eigenem künstlerischem Ansatz und der Arbeit im Kollektiv. Das kann super funktionieren, sich gegenseitig bereichern aber auch mal nach hinten losgehen. Das Spannende ist, was sich eine Gruppe von Künstlern in einer Woche ausdenkt und zur Aufführung bringt. Das hat eine Eigendynamik – das ist wie ein Sog – wir sagen dazu gerne „CAMP Spirit“: alle sind voll konzentriert dabei und oft fügen sich am Ende der Woche die unglaublichsten Dinge zusammen. Die zeitliche Begrenzung von einer Woche sagt für uns lediglich aus : „Schaut und hört her, soweit sind wir jetzt mit unserer Idee gekommen“.

www.music-news.at: Für welche Zielgruppe ist das CAMP Festival ausgelegt – oder geht es primär um die Zusammenarbeit zwischen den Künstlern?
Fried: Ohne Öffentlichkeit geht es natürlich nicht. Die öffentlichen Perfomances am Ende der Arbeitsphase sind für die Künstler ein ganz wichtiger und auch sehr motivierender Bestandteil des Festivals. Die Zielgruppe sind zunächst mal alle, die sich für audiovisuelle Performances, Live-Visuals und experimentelle elektronische Musik interessieren. Dazu kommen noch alle diejenigen, die wirklich mal etwas ganz Neues und Einmaliges erleben wollen bzw. bei dessen Entstehung dabei sein wollen. Da wir aber auch Workshops und Lectures anbieten, gehören sowohl Studenten wie ein allgemein interessiertes und neugieriges Kunstpublikum zu unserer Zielgruppe.

www.music-news.at: Wie reagieren die Besucher auf die teils gewagten Performances?
Thomas: Gewagt ist relativ. Ich möchte es mit den Worten des Spanischen Klangkünstlers Alfredo Montero sagen: „it is no art if it does not disturb“. Oder wie Fried es in einem Interview mal sagte: die CAMP Künstler verfügen über eine bestimmte Sprengkraft und manche Projekte fallen durchaus extrem aus, müssen es aber nicht.
Die CAMP Performances werden oft sehr unterschiedlich bewertet. Der Kunsthistoriker Jörg Scheller hat sich mehr für unsere Probesituation, als für die Aufführungen interessiert. Unser bewusstes Einkalkulieren eines Scheiterns macht für ihn die Stärke unseres Festivals aus. Tatsächlich gibt es beim CAMP unfertige wie in sich sehr runde Performances. Beide haben ihre Berechtigung – es kommt eben auf die Erwartungshaltung und Interessen des jeweiligen Rezipienten an.

„it is no art if it does not disturb“
Alfredo Montero

www.music-news.at: Wie sieht die Zukunft des CAMP Festivals aus?
Fried: Wir sind kurz vor der Fertigung eines kleinen Kataloges, der in hochwertiger Form die Geschichte und die Hintergründe des Festivals dokumentiert. Im April gibt es ein kleines CAMP im Rahmen der Frühjahrstagung des Instituts für Neue Musik in Darmstadt, im September diesen Jahres dann werden wir wieder ein CAMP im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart veranstalten.

Fazit & ein Ausblick auf mehr

Einige Künstler, die bereits das CAMP Festival besucht haben, werden wir in den kommenden Wochen und Monaten ausführlich vorstellen. Wir dürfen uns auf jeden Fall auf gewaltige, mitreißende Performances im September 2015 freuen, denn jedes CAMP Festival ist im Vergleich zum herkömmlichen Festivalangeboten einzigartig und anders inszeniert. Für jeden Kunst- und Musikfan ist dieses Spektakel auf jedenfall zu empfehlen.

Vorstellung der beiden Initiatoren

Thomas MaosThomas Maos, Gitarrist, Komponist, Gründer und künstlerischer Leiter des CAMP Festivals arbeitet vorwiegend in interdisziplinären Projekten an Theatern, mit Tänzern und Projektionskünstlern. Der mehrfach ausgezeichnete Musiker hat zahlreiche CDs zwischen Postrock, Pop, Elektronik und experimenteller Volksmusik veröffentlicht. Seine Arbeiten bewegen sich in dem Spannungsfeld von freier Improvisation und Komposition, tonaler und atonaler Musik.
www.elektrogitarre.de | www.zenapolae.com

Fried Dähn Fried Dähn war von 1990 bis 1993 Cellist im Ensemble Modern in Frankfurt und war von 2004 bis 2012 als Professor für Audiogestaltung und Sound Arts an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Hall tätig. Dähn ist Gründer und künstlerischer Leiter des CAMP Festival, einem internationalen Festival für Visual Music. Er komponiert und ist in unterschiedlichen künstlerischen Projekten neben Klassik auch in Jazz, Rock und experimenteller und elektronischer Musik tätig.
Aktueller Tonträger: AURA (Wayout Records 2014) www.friedstyle.com

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