Schon in jungen Jahren untersuchte Max Hattler seinen Computer auf dessen Kreativpotenzial, heute ist er erfolgreicher Visual Artist. Wir haben ihn zum Interview geladen.

Mittlerweile hat es den audiovisuellen Künstler Max Hattler bis nach Hong Kong verschlagen, wo er regelmäßige Ausstellungen hat und neue Möglichkeiten auslotet, spannende Projekte voran treibt und sich inspirieren lässt. Trotz der geographischen Distanz, konnten wir mit Max Hattler ein Interview führen.

Das Interview mit Max Hattler

www.music-news.at: Wie definierst du deine Kunstform?

Max Hattler: Die Basis meines Schaffens ist Animation. Nicht als Zeichentrick-Genre, sondern als eine komplexe und konzentrierte Herangehensweise an das Formen von Zeitebene von Bild und Ton. Mein künstlerischer Ansatz hat sowohl Verbindungen zur Malerei als auch zur Musik. Meine Arbeiten manifestieren sich in Form von Kurzfilmen, Videoinstallationen und visuellen bzw. audiovisuellen Live-Performances.

www.music-news.at: Wann hast du mit dieser Kunstform angefangen?

Max Hattler: Das ist schwer zu beantworten. Mit visuellen Medien habe ich mich schon immer beschäftigt. Als ich elf Jahre alt war hatte ich eine erste ‚Ausstellung’ meiner ‚Malerei’ in einem Café in Ulm. Mit zwölf bekam ich meinen ersten Computer, den ich alsbald auf sein Kreativpotenzial zu untersuchen begann und mit 15 fing ich ernsthaft an, damit Musik zu machen. Während meines Bachelorstudiums beschäftigte ich mich dann mehr und mehr mit den Möglichkeiten von Animation und Bewegtbildgestaltung, was dann vorübergehend in einem Job in der digitalen Videobearbeitung mündete. Mein Masterstudium am Royal College of Art, das ich vor zehn Jahren abgeschlossen haben, hat meine Interessen fokussiert und diente als Initialzündung meines audiovisuellen künstlerischen Schaffens.

www.music-news.at: Was dient dir als Inspirationsquelle?

Max Hattler: Alles.

www.music-news.at: Was war bisher dein absoluter Höhepunkt, was deine Arbeiten betrifft?

Max Hattler: Wichtiger als absolute Höhepunkte sind die kleinen Etappensiege, die einen ermutigen dranzubleiben, weiterzumachen, den nächsten kleinen Schritt vor den anderen zu setzen. Aber was Höhepunkte angeht, so würde ich sagen, dass ich momentan wohl am stolzesten auf meinen Doktor bin, den ich letztes Jahr abgeschlossen habe und der mir die Möglichkeit gegeben hat, mein bisheriges künstlerisches Schaffen zu hinterfragen und zu kontextualisieren.

www.music-news.at: Worauf freust du dich bei der Präsentation deiner Arbeiten am meisten – beziehungsweise, worauf darf sich das Publikum freuen?

Max Hattler: Die Live-Performances sind immer improvisiert und bestehen aus einer Mischung aus Maschinen-Automatik und Handarbeit. Das Spannende für mich ist daran die Echtzeit-Komponente der Interaktion zwischen Ton- und Bildmensch, und der sehr realen Möglichkeit dass auch mal was schiefläuft. Und das Publikum kann da auch ein bisschen mitfiebern, glaube ich.

Max Hattler Installation in Zagreb

Max Hattler Installation in Zagreb

www.music-news.at: Was ist das Besondere für dich am CAMP Festival?

Max Hattler: Das Besondere am CAMP Festival ist die Offenheit der Teilnehmer an audio-visuellem Austausch. Meist sind Musiker und Tonkünstler am Bild interessiert, jedoch nicht wirklich in der Lage sich mit allen Konsequenzen voll auf einen wahren Dialog damit einzulassen. Weder Projektion als Tapete zum Konzert, noch Musik als Soundtrack zum Film, sondern eine wahre, gleichberechtigte Improvisation-Unterhaltung zwischen Ton und Bild. Das ist selten und in der Tat was ganz besonderes.

www.music-news.at: Wie politisch darf Kunst sein und warum?

Max Hattler: Kunst darf so politisch sein wie sie will. In gewisser Weise ist es sowieso unmöglich, unpolitische Kunst zu machen. Jede Aussage kann politisch gewertet werden, es kommt immer auf die Perspektive an, aus der sie interpretiert wird. Was für die einen apolitisch ist, ist für die andere stillschweigende Akzeptanz des Status quo. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen implizit und explizit politischem. In meinem eigenen Schaffen sind nur ein kleiner Teil der Arbeiten explizit politisch. In diesem Sinne sehe ich mich nicht als Politkünstler, und würde das auch nicht von anderen erwarten. Eine explizit politische Arbeit zu machen, kommt bei mir vor allem auf das Thema an, und wie sehr mir danach ist, meine Meinung darüber öffentlich kundzutun. Aber selbst dann versuche ich nicht polemisch zu werden, sondern dem Rezipienten Raum für Interpretation zu lassen. Kunst sollte weniger Gedanken vorschreiben oder Nachrichten übermitteln, sondern vielmehr Fragen stellen und Denkanstöße geben.

www.music-news.at: Was planst du derzeit für die Zukunft?

Max Hattler: Meine Videoarbeiten All Rot, –O| und The ManyFacesof Fernando Pessoa sind kurz davor, sich auf ihren Weg zu Festivals und Ausstellungen zu machen. Ganz neue Möglichkeiten tun sich gerade durch meinen Umzug Anfang 2015 nach Hongkong auf. Letzten Monat habe ich z. B. am Seoul Museum of Art ein audiovisuelles Konzert zusammen mit den K-Pop Elektrorockern Idiotape bestritten. Im März war eine meiner Arbeiten Teil einer wunderbaren Ausstellung in Hongkong. Ich arbeite daran, neue Möglichkeiten auszuloten, Allianzen zu schmieden und Inspirationsquellen anzuzapfen. In was für Richtungen sich das entwickeln wird, wird sich zeigen. Es ist und bleibt auf jeden Fall sehr spannend.

Über Max Hattler

Max Hattler bei der Arbeit - (c) Jonghyun Kim

Max Hattler bei der Arbeit – (c) Jonghyun Kim

Der deutsche Künstler Dr. Max Hattler beschäftigt sich in seinem Werk mit dem Raum zwischen Abstraktion und Figuration im bewegten Bild, wo Narrative von den Begrenzungen traditionellen Geschichtenerzählens entkoppelt wird. Sein Schaffensbereich umspannt abstrakte Animation, Videoinstallation und audiovisuelle Live-Performance. Inhaltlich befassen sich seine Arbeiten mit Mikrokosmen, Momentaufnahmen und Atmosphären: Nahaufnahmen als Reflektionsflächen für das größere Ganze; Ästhetik als Reflektionsfläche für Politik. Max Hattler studierte in London am Goldsmiths College (BA, 2001), am Royal College of Art (MA in Animation, 2005) und an der University of East London (Doctorate in Fine Art, 2014). Seine Filme wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem beim Cannes Lions Festival, Punto y Raya Festival, Videologia, Videofestival Bochum, London International Animation Festival, Darklight Festival und bereits mehrfach mit dem Visual Music Award. Hattlers Arbeiten wurden unter anderem bei Playgrounds Festival, Lumen Eclipse, Media Art Friesland, Fest Anca, Kurzfilmfestival Detmold, Fredrikstad Animation Festival und dem Branchage Jersey Film Festival in Retrospektiven und Einzelausstellungen, sowie in den Wettbewerben unzähliger Festivals präsentiert. Des Weiteren waren seine Filme Teil der Wanderausstellungen von EMAF, Videoformes, onedotzero, Resfest, MGFest, The Animation Show, L’Alternativa, Animac, AURORA, und den British Animation Awards. Max Hattler hat mit Musikern und Bands wie Basement Jaxx, Jovanotti, Pixelord, Idiotape, The Egg, JulienMier, Jemapur und seinem Vater Hellmut Hattler zusammengearbeitet. Er lebt in Hong Kong, wo er Visiting Assistant Professor an der School of Creative Media der City University of Hong Kong ist.

Titelbild: © Company F

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