Philipp Geist bespielte mit seinen Projektionen bereits eine brasilianische Favela und die Cristo Redentor Statue in Rio de Janeiro.

Der Berliner Visual Artist Philipp Geist, geboren 1976, arbeitet als Künstler mit Video/Lichtinstallation, Fotografie und Malerei. Er geht in seinen Projektionsarbeiten weg von herkömmlichen Leinwänden, stattdessen macht er den Raum selbst zu seiner Projektionsfläche. Sei es der Königspalast in Bangkok oder eine ganze Favela in Rio de Janeiro sowie die Christus Statue ebendort, die er zu atemberaubenden Lichtskulpturen formte, die den Zuseher unentwegt vor visuelle Herausforderungen stellen. Doch auch mit sogenannten Unorten arbeitet Geist voller Begeisterung – Gefängnisse, Funktionsbauten und Pförtnerhäuschen. Im Jahr 2007 war Geist als Künstler zum CAMP Festival in Stuttgart eingeladen. So ist auch das Interview mit Philipp Geist Teil unserer Reihe „Inside CAMP“.

Das Interview

www.music-news.at: Was dient dir als Inspiration?

Philipp Geist: Dinge aus der Umgebung, Natur, das Leben, kurzum alles bis viel. Mich faszinieren kleine Details, Schatten, Reflexionen…

www.music-news.at: Welche Programme und Technologien kommen bei deiner Arbeit zum Einsatz?

Philipp Geist:Ich verwende verschiedene digitale und analoge Technologien wie Beamer, Großbildprojektoren, sowie Bildbearbeitungs- und Schnittprogramme wie After Effects, FCP, Photoshop, MadMapper, Modul8 und ähnliches.

www.music-news.at: Wie kommst du zu dem Bild- und Filmmaterial, das du verwendest?

Philipp Geist:Ich fotografiere und filme ständig, ansonsten sammle ich im Kopf Eindrücke und zeichne und male mit dem Computer und mit meinen Projektionen.

www.music-news.at: Worin liegt der Reiz bzw. der Hintergedanke deine Visuals direkt auf Gebäude und Statuen zu projizieren?

Philipp Geist:Für mich ist der Dialog mit einem Ort und Gebäuden, Plätzen im öffentlichen Räumen extrem spannend. Man interagiert ja direkt mit dem gesamten Umfeld. Daher ist eine Auseinandersetzung mit dem Ort immer sehr wichtig.
Ich lasse mich auf den Ort ein, reagiere darauf und entwickle auf diese Weise meine ortsspezifische Arbeiten.
Seit nunmehr zehn Jahren realisiere VideoMapping Installationen und seit 1996 stelle ich Bilder, Videos und Installationen aus. Des Weiteren interessiert mich besonders die Möglichkeit begehbare Installationen für den Innen- und Außenraum zu entwickeln.

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Philipp Geists Projektion am Cristo Redentor in Rio de Janeiro 2014 – (c) Philipp Geist

www.music-news.at: Im Jahr 2014 hattest du eine Videoinstallation an der Cristo Redentor Statue und der Santa Marta Favela in Rio de Janeiro, wie kam es dazu? Was waren die Hintergründe? Und worum ging es dir bei der Projektion selbst?

Philipp Geist:Das Installationsprojekt am Cristo Redentor und die Projektion auf fast die komplette Favela Santa Marta in Rio war für mich ein zusammenhängendes Projekt. Es fand anlässlich des Deutsch-Brasilianischen Jahres statt. Ich habe Fotos, Wörter und Begriffe in der Favela von den Bewohnern eingesammelt und diese in meine Installation am Cristo integriert. Im zweiten Teil der Installation habe ich dann den Cristo auf die Favela projiziert.

www.music-news.at: Was war es für ein Gefühl die eigene Projektion auf einem so weltbekannten Wahrzeichen zu sehen?

Philipp Geist:Es war sicherlich ein ganz besonderes Projekt und eine einmalige Erfahrung an diesen magischen Ort eine künstlerische Installation umzusetzen. Ich durfte bereits an vielen ganz besonderen Orten künstlerische Installation umsetzen. Es ist sicherlich eine große Ehre diese Orte bespielen zu dürfen. Aber ich interessiere mich auf für sogenannte Unorte – Abrisshäuser, Funktionsbauten, Orte die aus der Zeit gefallen sind und keine Funktion mehr haben. Letztes Jahr konnte ich beispielsweise an dem ehemaligen Pförtnerhäuschen am Tempelhofer Flughafen eine Mini-Installation umsetzen oder in einem ehemaligen Gefängnis in Georgien. Diese Orte und die Hintergründe reizen mich genauso.

www.music-news.at: Worauf freust du dich bei der Präsentation deiner Arbeiten am meisten – beziehungsweise, worauf darf sich das Publikum freuen?

Philipp Geist:Der spannendste Aspekt ist das erste Übertragen der Installationsideen an dem jeweiligen Ort, dann beginnt die Installation zu „leben“ und ich kann mich voll und ganz mit dem Dialog und der Finalisierung der Installation widmen.

www.music-news.at: Wie wichtig ist dir die Meinung der Öffentlichkeit?

Philipp Geist:Für mich ist es in erster Linie wichtig, authentische Projekte und freie Installationen umzusetzen. Wenn es dann einem großen Publikum gefällt, super, aber man kann es eh nie jedem recht machen.

www.music-news.at: Was war bisher dein absoluter Höhepunkt, was deine Arbeiten betrifft?

Philipp Geist:Sicherlich sind da die Installation in Rio am Cristo, Bangkok am Königspalast, Rom am Palazzo delle Esposizioni, München Theatinerkirche, Berlin Potsdamer Platz, Frankfurt Goethe Universität und noch einige andere Orte und Projekte zu nennen.

www.music-news.at: Gibt es Grenzen bei deiner Kunstform?

Philipp Geist:Irgenwo ja, irgendow nein. Ich denke es ist eine sehr junge Kunstform und es gibt noch viel zu entdecken und viele neue Möglichkeiten. Ich bin gespannt.

www.music-news.at: Arbeitest du lieber alleine oder in Kollaboration mit anderen Künstlern?

Philipp Geist:Ich arbeite oftmals mit verschiedenen Musikern zusammen. Die letzte Kollaboration war mit Anne-Sophie Mutter in Berlin, aber auch mit zeitgenössichen Musikern wie Fabrizio Nocci arbeite ich regelmäßig zusammen. Diese audio-visuellen Projekte sind und waren immer sehr spannende Projekte für mich, auch hier geht es um den Dialog und die Spannung live und im Moment zu reagieren und Bilderwelten zu entwickeln.

www.music-news.at: Was ist das Besondere für dich am CAMP Festival?

Philipp Geist:Es ist ein wunderbares Festival und ich denke sehr gerne daran zurück, auch wenn es nun schon viele Jahre zurück liegt. Das Experiment steht bei dem Festival klar im Vordergrund und die dabei entstehenden Projekte und die Vibes des Festivals sind wirklich wunderbar.

Über Philipp Geist

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Philipp Geist 2014 by Fred Pacifico

Philipp Geist, geboren 1976, arbeitet weltweit als Künstler mit den Medien Video/Lichtinstallation, Fotografie und Malerei. Geists Projekte sind in erster Linie gekennzeichnet durch ihre Komplexität in der Integration von Raum, Ton und Bewegbild. Seine Video-Mapping-Installationen verzichten auf Leinwände und verwandeln verschiedenste Architekturen in bewegte, malerische Lichtskulpturen, die die Wahrnehmung der Betrachter von Zwei- und Dreidimensionalität herausfordern.
In seiner Karriere konnte Geist weltweit ein Reihe verschiedenster Projekte verwirklichen. Hier findet sich nur ein unvollständiger Auszug aus der Liste seiner Projekte:
Im Jahr 2014 entwickelte er anlässlich des Deutsch-Brasilianischen-Jahres in Rio de Janeiro eine zusammenhängende Videoinstallation an der weltbekannten Cristo Redentor Statue und projizierte großflächig auf die Favela Santa Marta. Im November 2014 setze er anlässlich der 25. Jahresfeier der Maueröffnung ein Lichtkunstinstallation an der Deutschen Botschaft und am Palais Lokkowitz in Prag um. Anfang September 2014 realisierte er in Dessau am Bauhaus Museum die großfächige Installation FARBE FASSADE FIGUR.
Am 16.Mai 2013 erhielt Geist den Deutschen Lichtdesign-Preis in der Kategorie Lichtkunst für seine Installation „Time Drifts“ anlässlich der Luminale 2012. Im Juli/ August 2013 entwickelte Geist über 40 Tage eine Installation auf dem Neuen Rathaus in Bayreuth anlässlich des 200-jährigen Richard Wagner Jubiläums. Im Oktober 2012 zeigte Geist im Rahmen des Festivals of Lights die Installation “Time Drifts – Words of Berlin” über 12 Tage lang am Potsdamer Platz, „Time Drifts“ zeigte er als Hauptprojekt der Luminale 2012 in Frankfurt an Campus der Goethe Universität, dem zukunftigen Kulturcampus. Ebenfalls wurde ‚Time Drifts‘ im April 2011 anlässlich der 125-Jahr-Feier in Vancouver als auch im Juni 2010 im Rahmen des internationalen Musik-Kunst-Festivals Mutek am Place des Arts in Montreal gezeigt.
Im Dezember 2009 bespielte Geist über einen Zeitraum von neun Tagen mit einer Video-Mapping-Installation den königlichen Thron in Bangkok anlässlich des 82. Geburtstags des thailändischen Königs Bhumibol. Die Installation wurde von 2,5 Millionen Besuchern vor Ort gesehen.
Im September 2007 bespielte er das zeitgenössische Kunstmuseum ‚Palazzo delle Esposizioni‘ im Zentrum von Rom mit der Video-Mapping-Installation ‚Time Lines‘. Im Februar 2006 eröffnete Geist im Kontext der Ausstellung ‚Melancholie, Genie und Wahnsinn‘ den Salon Noir in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Gemeinsam mit dem Symphonieorchester OBC Barcelona und der finnischen Soundformation Pan Sonic eröffnete Geist 2004 das Sonar Festival im Auditorium Barcelona.
Darüberhinaus zeigte Geist seine künstlerischen Arbeiten auf internationalen Ausstellungen und seine audio-visuellen Performances auf zahlreichen Festivals weltweit.

Fotos (c) Philipp Geist/VG Bildkunst Bonn

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