Der Schweizer Künstler Zimoun bewegt sich in seinen Arbeiten zwischen Installation, Skulptur, Sound und Architektur. Seine visuellen Kompositionen verändern die Räume, die sie umgeben.

Zimouns Kunst hat jegliches Potential, um seinen Beobachter in den Wahnsinn zu treiben. Gleichzeitig ziehen die Werke einen in ihren Bann und vermögen es beinahe tranceähnliche Zustände hervorzurufen. Sei es ein Feld voller aneinanderstoßender Kartons oder ein Raum voller kleiner Holzstäbe, die asynchron auf und ab wippen. Es ist bemerkenswert, welche verstörende, manchmal irritierende Faszination Zimoun mit der Hilfe kleiner Motoren, die ein Mosaik aus bewegten Alltäglichkeiten erzeugen, oder aus einer Reihe Ventilatoren, die in Kombination mit einem schlichten aber großen Tuch die Gewaltigkeit der Natur manifestieren.

Über den Künstler

Zimoun - 198 motors, wires and boxes (2012)

Zimoun – 198 prepared dc-motors, wire isolated, cardboard boxes 30x30x8cm (2012)

Zimoun wurde 1977 in Bern geboren, wo er bis heute arbeitet und lebt. Schon in seiner Jugend beschäftigte sich der Künstler ausgiebig mit Fotografie, Malerei und Musik. Besondere Faszination übte der Minimalismus in der Kunst auf ihn aus. Diese Faszination wirkt sich auch sichtlich auf sein heutiges Schaffen aus, in dem er sich vorzugsweise an alltäglichen, teils der Industrie entstammenden Materialien arbeitet. In ganz außergewöhnlicher Form verwendet Zimoun Ventilatoren, kleine Gleichstrommotoren, Kartons, Kabel oder Druckluft, um die vor ihm liegenden Räume in etwas Außergewöhnliches zu verwandeln. Dabei klingen die Titel seiner Werke mehr nach einer Einkaufsliste, als nach dem bedeutungsschweren Namen hoher Kunst. Gibt Zimoun in den Titeln doch nicht mehr an als die genaue Auflistung der verwendeten Materialien.
Leerraum, ein 2003 gemeinsam mit Marc Beekhuis gegründetes Label, dient als Anlaufstelle für Künstler, Musiker, Architekten und Designer, die so wie Zimoun in den reduktiven Bereichen der Kunst arbeiten.
Zimouns Werke wurden weltweit in Einzel- wie auch in Gruppenausstellungen vorgestellt. Zu den Preisen und Auszeichnungen, die Zimoun bislang erhielt, gehören unter anderem eine Anerkennung beim Swiss Youth Foto Award im Jahr 2000, das New York Stipendium des Amts für Kultur des Kantons Bern im Jahr 2007, eine Honorary Mention des Prix Ars Electronica, der Sitemapping/Mediaprojects Award des Bundesamts für Kultur uvm.

Auf Fotos oder einer Videoaufnahme wirken diese Installationen und Werke sehr eindrucksvoll und faszinierend, doch wahrhaftig in einem dieser Zimoun’schen Räume zu stehen vermag wohl zu einer Herausforderung für alle Sinne zu werden.

Das Interview mit Zimoun

www.music-news.at: Wie definierst du deine Kunstform?

Zimoun: Ich definiere Sie durch das Realisieren und Materialisieren der Ideen. Dabei kommen meist verschiedene Aspekte unterschiedlicher Formen, von Installation, über Skulptur, und Komposition, Sound und Architektur zusammen.

Zimoun

Zimoun – 186 prepared dc-motor, cotton balls and carcboard boxes 60x60x60cm (2013)

www.music-news.at: Was dient dir als Inspirationsquelle?

Zimoun: Schlussendlich ist es die mich umgebende Welt, welche mich inspiriert. Es gibt in diesem Sinne nicht eine bestimmte Inspirationsquelle, sondern vielmehr eine Fülle von Dingen unterschiedlichster Art. Der Bereich ist dabei sehr weit, beispielsweise von Natur, Material, Klang, Architektur, Wahrnehmung, Raum, Resonanzeigenschaften bis zu verschiedenen Wissenschaften, Forschung, Experimente, Systeme und Organismen, Verhalten. Hin zu gesellschaftlichen Aspekten wie Individualität, Masse, Absurditäten, Versuche, aber auch Kunst, Philosophie oder Theorien. Oder Experten jeglicher Art.

www.music-news.at: Was ist die allgemeine Aussage deiner Arbeiten? Oder sind diese vom jeweiligen Projekt abhängig?

Zimoun: Ich versuche nicht eine bestimmte allgemeine Aussage zu machen, sondern eher Situationen zu schaffen, welche Verknüpfungen und Gedanken in verschiedenste Richtungen zulassen oder gar aktivieren. Ich versuche Werke zu schaffen, die mich zum Denken anregen, zum Reflektieren, aber mich Dinge auch entdecken lassen. Werke oder Situationen die mich „aktivieren“ immer wieder unterschiedlichste Verknüpfungen und Wahrnehmungen herzustellen.

Zimoun

Zimoun – 186 prepared dc-motor, cotton balls and carcboard boxes 60x60x60cm (2013)

www.music-news.at: Gibt es Grenzen bei deiner Kunstform?

Zimoun: Ich bin nicht sicher ob es grundsätzlich Grenzen gibt – außer in unseren Köpfen natürlich. Kann es in der Kunst überhaupt Grenzen geben? Was definiert schlussendlich Grenzen? Zugegeben, die Vorstellung, dass es keine Grenzen gibt kann einem schon etwas an die Grenze bringen. (lacht) Naja, wie dem auch sei, für mich persönlich scheint zumindest die Vorstellung, dass es vermutlich keine Grenzen gibt, ein interessanter Ansatz, um Dinge zu betrachten. Und auch was inspirierendes, zum Beispiel wenn in der Quantenphysik das gleiche Teilchen zum selben Zeitpunk an zwei Orten ist. Da wird doch eine (noch) Grenze irgendwie überschritten.

www.music-news.at: Worauf freust du dich bei der Präsentation deiner Arbeiten am meisten?

Zimoun: Da viele meiner Arbeiten in größeren Dimensionen sind und mit dem jeweiligen Raum arbeiten, können nur einzelne Elemente davon im Vorfeld im Atelier getestet und aufgebaut werden, nie aber die kompletten Systeme und Installationen. So ist die komplette Realisation vor Ort und das erstmalige Betreten der Arbeit immer ein besonderer Moment für mich.

www.music-news.at:Wie reagieren Menschen auf deine Arbeiten?

Zimoun: Sehr individuell und unterschiedlich. Es gab schon mal eine Person die unter Panik eine Installation verlassen musste bis hin zu einem höchst interessanten Hirnforscher, welcher mir, von der gezeigten Arbeit total inspiriert, komplexe Vorgänge im Hirn erklärte. Die einzelne, individuelle Person und Persönlichkeit spielt hier die zentrale Rolle, was mit der Arbeit, beziehungsweise in dem Zwischenraum zwischen der Arbeit und der betrachtenden Person, genau passiert.

www.music-news.at: Was ist das Besondere für dich am CAMP Festival?

Zimoun: Es ist länger her, schon 10 Jahre, als ich am Camp Festival dabei war. In besonderer Erinnerung habe ich das eindrückliche Gebäude und die Atmosphäre unter den Beteiligten, sowie die Transformation all der Räume in sehr kurzem Zeitraum.

www.music-news.at: Wenn du nicht Künstler geworden wärst, welchen Beruf würdest du dann vermutlich ausüben?

Zimoun: Schwierig zu sagen… dann wäre ich eigentlich ja jemand anderes… Aber wenn ich mir doch sehr ähnlich wäre, und doch nicht der, welcher ich zurzeit bin, könnte ich mir vorstellen zum Beispiel im Bereich der Forschung zu arbeiten. Mir gefällt die Idee sich lange in einen kleinen, bestimmten Bereich zu vertiefen und immer tiefer zu dringen, zu experimentieren. Wahrnehmungsforschung finde ich höchst interessant, aber auch Insekten, oder der Kosmos, Physik, Quantenmechanik… Aber auch Leuchtturmwärter oder Hirte sind irgendwie romantische Vorstellungen.

Fotos: (c) Zimoun

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