Wer in den 90er Jahren viel Hip-Hop hörte, der kam an Lyrics über Marihuana nicht vorbei, es sei denn, man konnte kein Englisch. Rapper wie Cypress Hill, Dr. Dre und Snoop hüllten zu dieser Zeit sich selbst, ihre Texte und auch ihre Musikvideos in weißen Rauch.

Die Gründe dafür, dass Cannabis in der Hip-Hop Kultur eine solch große Rolle spielt, sind vielfältig und manche liegen in Ereignissen, die sich vor beinahe 100 Jahren abspielten.

Sie führen zurück zur großen Zeit des Jazz, als sich die Szene einer „schwarzen Musik“ gebildet hatte, die gesellschaftlich mehr oder weniger geächtet und maximal zu Unterhaltungszwecken geduldet, im subkulturellen Untergrund heranwuchs.
Hier fand der Hanfkonsum regen Anklang und die Musiker und Künstler der Szene etablierten die Verbindung von Musik und Marihuana.

Ähnlich, wenn auch von anderem, eher religiösen Ansätzen durchdrungen, ist die Entwicklung in Jamaika verlaufen mit Rastafari und Reggae, und natürlich dem dazugehörenden Ganja.

Den beiden Musik Genres ist gemein, dass sie mit Protestcharakter meist von gesellschaftlich ausgegrenzten und benachteiligten Menschen bevorzugt gemacht und auch gehört wurden.
Diese Beweggründe und Motivation haben auch den von beiden Musikstilen beeinflussten Hip-Hop geschaffen und groß werden lassen. Dass also Marihuana sich auch im Hip-Hop durchsetzen würde, scheint beinahe schon vorprogrammiert gewesen zu sein.

Hip-Hop und Reggae besitzen auch die Gemeinsamkeit Cannabis in ihren Texten inhaltlich zu thematisieren, wobei Reggae mehr die Pflanze und ihre spirituelle Bedeutung im Fokus hat, während Hip-Hop eher Party, Lifestyle und Business damit assoziiert.

Dies ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, dass die Rap Szene den Vororten und Ghettos entstammt, wo der Handel mit illegalen Drogen eine der wenigen, optionalen Überlebensstrategien sein kann.
Durch die weite Verbreitung von Cannabis in der Bevölkerung, und den leichten Zugang in ausreichenden Mengen, ist Gras oft das erste, was einem jungen Dealer durch die Hände geht. Bekanntermaßen hatten viele Stars des Hip-Hop eine Vergangenheit als Dealer, über die sie später in ihren Lyrics noch berichten.

Und doch gab es schon immer Hip-Hop Artists, die sich mehr mit dem eigenen Konsum und der Wirkung auseinandersetzten in ihren Texten. Diese Rapper wirkten, wenn sie nicht bloße Kifferhymnen zelebrierten, reflektierter, man möchte fast sagen intelligenter, als ihre Zeitgenossen, die nur Money und Business abfeiern.

Die Inhalte von Künstlern, die nicht nur mit der Anzahl gerauchter Joints prahlen oder damit, wie verdammt gut ihr Material ist, sondern die Wirkungen beschreiben und ihre Gedanken dabei, oder die sich öffentlich für die Legalisierung stark machen, dies sind die Erben der Jazz- und Reggaekultur im Hip-Hop.
In ihnen steckt noch der Geist der Revolution, und die dem Hip-Hop schon immer eigene Gesellschaftskritik, die ihre geschriebenen, gesprochenen und gesungenen Zeilen zu wertvoll werden lassen, um sie mit sogenannter Slackness zu füllen, dem Inbegriff niveauloser Bedeutungslosigkeiten.
Aber natürlich ist für einen Musiker auch der wirtschaftliche Aspekt nicht zu vernachlässigen. Für Rapper war es zeitweise aus Gründen ihrer Glaubwürdigkeit schwierig Werbedeals abzuschließen ohne den Unmut von Fans zu riskieren. Mittlerweile sind Dank der weltweiten Entwicklungen im Umgang mit Cannabis auf diesem neuen Markt zahlreiche Möglichkeiten entstanden ein Produkt zu promoten, zu dem die Musiker einen tatsächlichen Bezug haben.

Wenn Snoop Dogg beispielsweise in einem Werbespot Nike bewirbt, geht jeder davon aus, dass er dies schlicht und einfach des Geldes wegen tut. Raucht Snoop aber in einem Spot seinen eigenen Strain, wird man annehmen, dass er das wirklich gerne tut. Auch wenn wir sein finanzielles Interesse dahinter nicht in Frage stellen, nehmen wir ihm an dieser Stelle eine gewisse Überzeugung für das Produkt ab.

Und auch für die Legalisierungsbewegung weltweit können diese Entwicklungen hilfreich sein, wenn Personen des öffentlichen Lebens das Cannabusiness betreiben und voran treiben. Dies generiert viel Medienpräsenz und dies wiederum gesellschaftliche Akzeptanz.

Würde das Thema Marihuana aus den Rap Texten verschwinden nach einer Legalisierung? Vermutlich würde es langfristig zumindest weniger vertreten sein, da dann die Kontroverse durch die Illegalität fehlt und damit die Provokation, die zu dem Genre gehört. Aber vollständig wäre Cannabis nicht aus der Hip-Hop Kultur wegzudenken, denn Snoop und Gras, bzw. Hip-Hop und Hanf, gehen einfach Hand in Hand.

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