2015 wird ein wildes Jahr für das Star Wars Franchise. Pünktlich zum inoffiziellen Star Wars-Feiertag beschäftigen wir uns näher mit der Musik der Saga.

Kaum ein Kino-Soundtrack hat sich so konsequent einen Platz, nicht nur in der Popkultur, sondern in fast allen Bereichen des Entertainments erarbeitet, wie die musikalische Untermalung zu George Lucas Sternenepos „Star Wars“. Was für den Komponisten John Williams der finale Durchbruch war und für Lucas ein Glücksgriff, bedeutet für ganze Generationen von Kinogängern nicht nur ein Schwelgen in Erinnerungen, sondern noch viel mehr.

Die Erschaffung einer Welt

„Ein Weltraum-Abenteuerfilm“, dies war das grundlegende Konzept, das George Lucas bereits 1974 in einer groben Skizze vorschwebte. Es dauert noch weitere drei Jahre, bis sich aus dieser Idee ein konkretes Projekt herausbildete. Ein cineastisches Werk, das heute untrennbar mit vielen Facetten des alltäglichen Lebens verbunden ist, mehr als vielleicht jedes andere filmische Kunswerk. Vielfältig sollte alles sein und so ließ sich Lucas, auf der Suche nach Ideen, nicht nur von moderner Science-Fiction inspirieren, nein, ebenso flossen Mythen und Sagen, Impressionen aus Filmen anderer Regisseure und Motive aus Märchen, in sein Konzept mit ein. Eine vollständige Liste aller Einflüsse, die man hier erstellen könnte, würde jeden Rahmen sprengen.

Die Geschichte, die George Lucas vermitteln wollte, war klar geprägt von einer gewissen Opernhaftigkeit, einem Kampf „Gut gegen Böse“, also einer wirklich traditionellen Thematik. Dem futuristischen Look des (ersten) Filmes sollte dabei, in starkem Kontrast, ein klassisches Musikkonzept gegenüberstehen. Lucas hatte hierzu bereits tief im Fundus klassischer Musik nach Ansätzen gesucht und unterbreitete dem Komponisten John Williams, der ihm nach dessen erfolgreicher Zusammenarbeit mit seinem Freund Steven Spielberg (bei den Dreharbeiten zu „Der weiße Hai“), von eben jenem empfohlen wurde, eine Auswahl an klassischen Stücken. Auf dieser Basis schuf Williams die, sich an traditionellen Leitmotiven orientierende Filmmusik, um eben diesen gewünschten Gegenpol zu bilden.

„So vieles von, dem was wir tun, ist vergänglich und schnell vergessen, auch durch uns selbst. Deshalb ist es umso befriedigender, wenn etwas das man geschaffen hat, in der Erinnerung der Menschen verbleibt.“

Dieser leitmotivartige Aufbau der einzelnen Stücke, fokussiert auf die wichtigsten Charaktere, orientierte sich klar an den Werken Richard Wagners. Auf diese Art hat es Williams geschafft, Film und Musik perfekt miteinander zu verknüpfen. Man assoziiert mit vielen Melodieläufen, gewisse Szenen und vor allem die darin auftretenden Figuren, eine vollständige Synthese von Handlung, Szenerie und Musik entsteht. Diese perfekte Fusion, verbunden mit dem kommerziellen Erfolg des Films, hatte massive Auswirkungen auf folgende Filmprojekte, nicht nur im Bereich der Science-Fiction. Orchestrale Soundtracks wurden, ganz im Gegensatz zum damaligen, nach vorne gewandten Zeitgeist, wichtig und prägend. Williams sagte später einmal: „So vieles von, dem was wir tun, ist vergänglich und schnell vergessen, auch durch uns selbst. Deshalb ist es umso befriedigender, wenn etwas das man geschaffen hat, in der Erinnerung der Menschen verbleibt.“. Mit seiner Arbeit zu Star Wars, hat er genau dies erreicht.

Gänsehautmomente

Wenn man die gesamte Star-Wars Saga, neue wie auch alte Filme, betrachtet, so sticht eine Handvoll Themen stark heraus. Zum einen wäre da die berühmte „Rebel Fanfare“. Diese einprägsame Melodie, des öfteren fälschlicherweise als das eigentliche Titelthema angesehen, untermalt den einleitenden Text. Fast schon ikonisch ist der Intro-Aufbau der Filme hier, bewegt sich doch der Lauftext, deutlich inspiriert von „Flash Gordon“, von unten nach oben, in einem steilen Winkel, ganz so als verschwände die Schrift langsam in den titelgebenden Sternen. Zuerst episch, dann immer verträumter, passt sich die Musik perfekt an den dahingleitenden Text an, der die Vorgeschichte, sowie die Rahmenhandlung, der Filme wiedergibt. Immer kulminiert diese Einleitung in einer langen Kameraeinstellung des leeren Raumes, eines gigantischen Raumschiffes oder einer Schlachtenszene. Diese prägnante Melodie wurde von Williams als Leitmotiv des jungen Helden Luke Skywalker geschaffen.

Wo sich Skywalkers Thema auf einen der Protagonisten konzentriert, so schuf William im chronologisch zweiten Teil der Trilogie, mit „Imperial March“ das Leitmotiv für die dem jungen Helden entgegenstehende, Macht des Bösen. Die wuchtige, gar martialische, Einzugsmelodie des dunklen Lords Vader, erschafft eine militärische Atmosphäre, passend zu der Szenerie, in der die Truppen des Imperiums den Weg des Antagonisten flankieren. Episch wie fast alle Stücke, steigert sich die Melodie bis zum Finale und vermittelt eine Absolutheit – Verzweifelung im Angesicht der militärischen Übermacht, der die Helden gegenüberstehen.

Nicht fehlen darf in dieser „Best-Of-Liste“ natürlich „Duel of the Fates“. So umstritten wie die Qualität der „neuen“ Star Wars Filme in Fankreisen auch ist, so kontinuierlich hat sich Williams, im Laufe der Jahre, als Komponist gesteigert und enttäuschte somit auch nicht in „Episode I – The Phantom Menace“. Das heldenhafte, tragisch endende, finale Aufeinandertreffen der beiden Jedi Obi-Wan und Qui´Gon mit dem Sith Darth Maul, untermalte Williams mit einem, durch einen Chor dominierten, Meisterwerk. Wenn auch, wie anfangs erwähnt, die Meinungen über den Film als Ganzes stark variieren, gar kontrovers sind, so etablierte sich dieses Musikstück schnell als eines der bekanntesten Themen aus dem Star Wars Universum. Unvergessen bleibt das heldenhafte Opfer des gealterten Jedi und der verzweifelte Kampf seines Schülers, vor allem durch genau diese musikalische Untermalung.

Den letzten Platz unter den bekanntesten vier Musikstücken nimmt eine Skurrilität ein, nämlich einer der wenigen Stilbrüche des musikalischen Star Wars-Konzeptes, der „Cantina Band-Song“. Für die fast schon westernartige Atmosphäre der Cantina des Mos Eisley Raumhafens auf Tatooine, den die Helden Skywalker und Obi-Wan, auf der Suche nach einem Transportmittel ansteuern, entschied sich Williams für eine jazzartige Komposition. Ganz orientiert an seinem Faible für 50er Jahre Jazz, schaffte er es hier einen Ohrwurm zu kreieren, der nicht nur etliche Male gecovert, nachgespielt und als Inspirationsgrundlage diente. Nein er war auch Bestandteil etlicher Persiflagen und ironischer Betrachtungen des Mythos Star Wars.

Nach- und Auswirkungen

Unter anderem die perfekte Fusion aus Bild und Musik war es, die der, eigentlich zum Popcornkino zählenden, Filmreihe zu einem unglaublichen Bekanntheitsgrad verholfen hat. Heute sind Figuren und Musik aus der Popkultur quasi nicht mehr wegzudenken und untrennbar mit dieser verbunden. Etliche Künstler haben sich von der Musik und den Filmen inspirieren lassen. Ein aktuelles Beispiel für ein wunderbares Medley diverser Star Wars Stücke, ist die „Cello Wars“ Collage der „Piano Guys“. Eine Truppe Musiker, die sich u.a. auf die Neuinterpretation klassischer, zeitgenössischer und moderner Musikstücke spezialisiert hat. Die Vielfalt von Williams Werken wird in der vierminütigen Videokomposition perfekt veranschaulicht.

Auch in der elektronischen Musikszene wurden die Leitmotive, oder auch einfach nur diverse Versatzstücke, etliche Male verwendet und gesampelt. Die „Fanfare“ ist unzählige Male in diversen Technotracks zu hören. Aber auch komplette Neubearbeitungen sind keine Seltenheit, wie z.B. die Version der „Cantina-Band“ von Bastian Van Shield und Spencer & Hill. Über die musikalische Qualität lässt sich hier sicherlich streiten, ist der Remix doch ein Beispiel für übersimplifizierte, elektronische Musik. Jedoch zeigt sich hier erneut die Reichweite der Filmmusik.

Für etliche Projekte außerhalb der eigentlichen Filmreihe diente Williams Epos ebenfalls als Dreh und Ankerpunkt. So zahlreich wie die Computerspiele um und im Star Wars Universums bis heute sind, so zahlreich sind auch die Variationen und Interpretationen der ursprünglichen Themen. Vor allem genannt sei hier Mark Griskey, der für die Videospiele „Force Unleashed 1 und 2“, sowie „Knights of the Old Republic 2“, den Soundtrack gestaltete und die Spiele damit auf eine ähnliche Weise unvergesslich machte, wie John Williams es schon in den Filmen gelang.

Was rückbetrachtend bleibt, ist also das Ré­su­mé, dass Lucas grandiose Filmreihe, wohl kaum so erfolgreich gewesen wäre, hätte ihm mit John Williams nicht ein Komponist zur Seite gestanden, der ihm mehr als nur ein musikalisches Grundgerüst lieferte. Williams half dabei, aus den einzelnen Szenen und Charakteren ein Gesamtwerk zu bilden, das in seiner Wirkung bis heute anhält. Mit der für den Winter dieses Jahres angekündigten Fortsetzung der Saga ist wohl auch, betreffend dieses Nachhalls, kein Ende in Sicht. Die Fans unter uns freuen sich und sicherlich werden auch einige neue Gesichter dazustoßen, in den Kreis der Star Wars Liebhaber…may the force be with us.

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