Wie ein Mexikaner Waffen in Musikinstrumente verwandelt …

Pedro Reyes macht Kunst aus Waffen, Musik um etwas genauer zu sein. Orchestrale Musik um es noch etwas spezifischer zu beschreiben. In seinem Projekt „Disarm“ zeigt er, wie er aus etwas „Gefährlichem“ wie einer Handfeuerwaffe oder einem Maschinengewehr die interessantesten Klänge hervorzaubert.

Pedro Reyes sieht sich selbst als einen „Skulptor“ und visueller Künstler. Seine Arbeiten haben immer eine „Teilnahme-Komponente„. Er möchte mit seiner Arbeit etwas bewirken und zu einer positiven psychologischen und sozialen Verbesserung in ein paar der gewalttätigsten Städte der Welt beitragen.  Mit seiner musikalischen Skulptur in „Disarm“ trifft er hierbei den Nagel auf den Kopf und zeigt, dass eine Veränderung zum Positiven mit der Hilfe kreativer Impulse in seiner Vorstellung durchaus möglich ist.

A shovel for a gun

2007 wurden in einer der Stadt Culiacan Unmengen von Waffen bei einer von Pedros Aktionen, namens „A shovel for a gun“ – „Eine Schaufel für eine Waffe“ eingetauscht. Die Aktion sollte ein Zeichen von Frieden und Zusammenarbeit im Kontrast zu den vielen Gewalttaten in der Stadt setzen. Über 1500 Waffen wurden eingeschmolzen und zu Schaufeln verarbeitet. Die Waffen wurden freiwillig eingetauscht, für ein besseres Leben.

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Pistolen

Bye, bye Mafia – Hallo Konzerthaus!

Kurz nach dem Projekt erzählte ihm ein Freund, der bei der Verbrechensbekämpfung tätig ist, dass bald eine große Menge an Waffen, die kriminellen Organisationen bei Razzien abgenommen worden waren, zerstört werden sollten. Pedro nutzte diese Chance und verwandelte die bereits von der Armee zerlegten Schießeisen in Gitarren, Geigen, Bässe, Flöten, Saxophone und Xylofone. Mit diesen Instrumenten veranstaltete er zusammen mit einigen Musikern eine Art „Jam Session“ unter dem Namen „Imagine“ im Jahr 2012. Danach wurde die Idee geboren, die Instrumente zu automatisieren und zu einer permanenten Installation zu machen.

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Cocolab

Cocolab – Prozessentwicklung für Klangerzeuger aus Waffen

In Zusammenarbeit mit „Cocolab„, einer Agentur aus Mexico City, welche die Technik hinter der Automatisierung entwickelten, schuf Pedro schlussendlich seine „Disarm„-Skulptur.

„Das Schwierigste und gleichzeitig Schönste an der Arbeit war, den Toncharakter der einzelnen Waffen zu entdecken“, erinnert sich Alejandro Machorro von Cocolab. Zusammen mit der Software der Künstler, in diesem Fall Ableton Live, waren wir imstande etwas völlig Neues zu kreieren!

„Disarm“

Als erstes wurde die Tonkapazität der Instrumente ausgereizt und alle Töne aufgenommen und katalogisiert. Dann wurden gleichzeitig mit der Musik auch die Instrumente gebaut, was wiederum Einfluss auf das Aussehen und die individuelle Funktionalität der Instrumente hatte. Dies verleiht Ihnen einen zusätzlichen spannenden Charakter und macht sie in gewisser Hinsicht einmalig. Alle waren sich einig, dass es keinen Sinn machte, die Musik zu hören, ohne die Instrumente zu sehen und so wurde „Disarm“ schlussendlich zu einer Konzertinstallation mit zahlreichen Besuchern. Die bereits achte Generation von Instrumenten, die definitiv von einem anderen Planeten stammen, versetzten vor allem auch Kinder ins Staunen und man ist sich einige, dass es eine sehr positive und lehrreiche Erfahrung für Sie darstellt, wenn Ihnen bewusst ist, dass Waffen nicht nur zum Töten da sind.

„Diese Waffen hätten dein oder mein Leben nehmen können. Natürlich sind Sie besser als Musikinstrumente“ – ist Pedro’s Leitspruch, wenn es darum geht den Sinn hinter seinem Projekt zu beschreiben.

“Das hier ist auch ein Aufruf dazu, Gewalt nicht nur dort zu bekämpfen wo Waffen angewandt werden, sondern bereits dort, wo Sie hergestellt werden. Man muss unterscheiden zwischen sichtbarer und unsichtbarer Gewalt. Die gewaltige Zahl von 80 000 Todesfällen durch Waffengewalt in Mexiko in den letzten 6 Jahren führt zu einem großen Markt für den Tod und das Leid, für den es keine kulturelle Ablehnung gibt. Waffen werden weiterhin als „sexy“ verherrlicht, sowohl in Hollywood als auch in Videospielen. Es gibt wahrscheinlich eine Menge Schauspieler, die eine rauchende Rolle ablehnen, niemals aber die Rolle eines schießwütigen Actionhelden“.

Vielleicht sollte Pedro dazu aufrufen Nuklearwaffen gegen Musik einzutauschen ganz nach dem Motto „Drop Beats not Bombs“

www.pedroreyes.net

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