Wo sind unsere Vorbilder hin und was zur Hölle ist nur mit Rap geschehen?

Hip Hop Hooray hoooo!

Wir alle kennen die Hymne von Naughty by Nature. Und schon schwenken die Hände von links nach rechts und der Kopf nickt automatisch mit. So lernten viele von uns Hip Hop kennen. Sound der deinen Kopf wie von Geisterhand zum Nicken animiert. Diese Zeiten, als Rap noch eine Message hatte, er einem Kraft gab im Alltag und einem die Laune hob, war man mal mies gelaunt. Rap mit Intellekt, Klasse und Stil, der sogar musikalisch kunstvoll war. Texte mit Humor und Witz, Charme und Respekt. Ich denke da an Musik von Advanced Chemistry, Cora E., RAG, Die Firma, Absolute Beginner, Freundeskreis und Curse. Das Motto der Kultur: Peace, Love and Unity war präsent, es war unser Motor in grauen Zeiten. Rap bei dem man geweint hat, weil er einen berührte, der einem zum Nachdenken anregte, der einen dazu anspornte ein besserer Mensch zu sein. Viele Anhänger der Kultur fragen sich: Was zur Hölle ist passiert?

Was ist geschehen mit der deutschen Rapszene?

Aus dem euphorischen Nicken wurde ein verbales Messer zücken. Aber gab es das nicht schon immer im Rap? Ja das tat es. Gangstarap a la NWA oder 2Pac, sprachen die Gedanken aus, die für viele tägliche Realität waren. Eazy E und 2live Crew rappten von sexuellen Phantasien. Ist das nicht genauso Realness? Ja ist es, es ist durchaus authentisch über das zu sprechen, was einen bewegt, allerdings nimmt es hier einen klaren Trend zur Gewaltverherrlichung, indem Rapper die nur aus Erfolgsgründen über Dinge rappen, die sie niemals tun würden z.B. Bushido, der bereits auch schon zugab, dass er ein sogenannter Imagerapper ist.

Nun ist es so, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sehr manipulierbar ist. Natürlich kann man sich auf die Kosten der schwachen Kids da draussen bereichern. Man nehme einen bösen Beat, und bösen Inhalt und rappt am besten noch Tripletime drüber und nicht zu vergessen, ganz viel böse Worte benutzen. Die Kids die sowieso schon labil sind und vielleicht ein Scheißleben haben, freuen sich wie Oskar, Ali oder Ivan: „Hey endlich jemand der mich versteht verdammt!“.

Aber was ist, wenn genau diese Kids anfangen kriminell zu werden, weil sie diesen Sound hören? „Endlich bin ich wer! Ich werde nur dann respektiert und bin nur dann ein Mann, wenn ich stark bin, hart bin, „bitches fick“, und bloß keine Emotionen zeigen, weil das ja „schwul“ ist. Und so kommen wir zur Homophobie im Hip Hop. Alles ist schwul, wenn du weinst, bist du schwul, du hast Intellekt und Stil: du bist schwul! Du versuchst dein Leben auf Reihe zu kriegen, verdammt bist du schwul! Wie Macklemore in „Same Love“ sagt: „If I was gay i think Hip Hop would hate me“, ein sehr trauriges aber auch sehr wahres Zitat.

Und das liegt nicht an Rappern mit z.B. Migrationshintergrund, die ein ganz anderes Bild haben von der Defition der Männlichkeit, sogar deutsche Rapper haben sich schon längst dem: Du bist ein Mann? „Du-bist-Hart-Kult“ angeschlossen. Bushido der best vermarktete Rapper Deutschlands bringt Lines wie:

Yeah, fick die Polizei, LKA, BKA
Meine Jungs verticken Elektronik so wie Media Markt
Jeden Tag im Fadenkreuz, ich zeig dir, wie der Hase läuft
Arabisch-deutsche Sippe und ich jage euch, ihr Partyboys

Hehlerei? Lifestyle. Schwule fertig machen, um aufgrund mangelnden Selbstbewusstseins sich als etwas Besseres darstellen? Ganz normal. Andere sinnlos blöd anmachen? Lebensnotwendig.

Und nicht nur Bushido, bei dem man meinen sollte mit 34 Jahren etwas mehr Niveau zu haben, ist es Gang und Gäbe ständig „Stress ohne Grund zu machen“, auch weitere Rapper (die ich niemals als MCs, Künstler oder gar Musiker nennen würde), wie z.B. Farid Bang, Xatar, Haftbefehl, und Olexesh vertreten das Bild: Hart ist der Mann. Und natürlich ist es authentisch, diese Menschen haben höchstwahrscheinlich kein gutes Leben gehabt, aber rechtfertigt das ihre höchstgefährliche Message? Angefangen hat alles um 2000 mit Aggro Berlin. Aggressiv, primitiv, asozial und völlig talentfreier Sound, der unser Land vergiftete mit seiner negativen Message.

Es gibt viele Musiker, die eine traumatische Kindheit und Jugend hatten und dennoch versuchten ihrem Sound geeignete Message zu verleihen und es z.B. aufzuarbeiten, dies kann natürlich auch sehr direkt und ohne Umschweife gelingen wie z.B. Eminem es tat.

Wir lieben Rap in all seinen Facetten. Und doch fragen sich viele von uns: Was ist passiert? Ich denke es ist die Zeit in der wir leben. Wir sind einem großen Druck ausgesetzt, wir müssen uns beweisen, bewähren in einer Welt ohne Gnade. Arbeit finden heutzutage ohne Abschluss: FAIL! Alles wird schwieriger, der Hang zur Kriminalität wächst an schon bei den Jüngsten. Z.B. habe ich mich mit einigen Kids aus sozialschwachen Gegenden unterhalten, die meisten Jungs wollten Rapper werden wenn sie groß sind und die Mädels Anwältin.
Bei der Frage nach dem Warum kam meist die Antwort: Die haben alles. Geld, Autos, Villen, Bitches, die gehen nur ab und zu auf ein Konzert und werden von allen gefeiert und chillen dann am Strand, hey Dee bringst du mir rappen bei?

Was wirklich cool ist?

Aber nochmal zurück zum Thema, Coolness und Härte widersprechen sich hier wohl ziemlich, allerdings wurde die Bedeutung von Coolness leider auch verschoben, Coolness hat heute eher was von Unnahbarkeit, von Pseudostärke. Cool ist es nicht mehr Skills zu haben und sie zu beherrschen. Cool ist nicht wer ein ruhiges Gemüt hat. Cool ist heutzutage etwas ganz anderes. Etwas beängstigendes kaltes lebloses. Eine Zeit in der man gar nicht mehr „cool“ sein möchte.

Fassen wir zusammen: Wir brauchen Vorbilder in der Musik, unabhängig vom Genre. Wir brauchen Eltern, die ihre Kinder in eine gute Richtung lenken. Und vor allem brauchen wir mehr Bewusstsein. Musiker sollten sich der Verantwortung bewusster machen, die sie ggü. Kids haben. Kinder und Jugendliche, gerade aus sozialschwachen Familien, die mit traumatischen Erfahrungen brauchen Vorbilder, die ihnen gut tun! Menschen, die ihnen sagen, dass es Hoffnung gibt, dass sie ihr Leben auf Reihe kriegen können, wenn sie nur daran arbeiten (

NAS: I know I can be what I wanna be- if I work hard at it – I´ll be where I wanna be!

Und Realness: Ja! Aber bitte mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein.

In dem Sinne liebe Kiddies, die Rap hören: Überlegt euch nur kurz, was es mit euren Gedanken, Gefühlen, eurem Charakter, eurem Leben macht. Und an die lieben Oldschooler: habt ein Auge auf diese Generation und gibt ihnen Gutes, egal in welcher Form, sie werden es euch danken!

EACH ONE TEACH ONE!

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