Showtime im Gerichtssaal, eine Berliner Rap-Premiere und absurde Musikpropaganda. Die letzten 7 Tage Deutschrap waren wie immer voll von absurden und interessanten Geschichten.

In all der Flut aus News und Gossip, die fast schon sturzbachartig auf den Raphörer herabprasselt, kann man inzwischen förmlich ertrinken. Und weil das Entertainmentpotential in den letzten Monaten so verdammt hoch erscheint, bin ich in Zukunft jeden Sonntag bemüht, die (un)wichtigsten, amüsantesten und prägnantesten Infos der Deutschrapszene zusammenzufassen, um sie hier komprimiert zu präsentieren. Immer mit einer persönlichen Note garniert, soll hier nie die Meinung der gesamten Redaktion vertreten werden. Vielmehr eine Art persönlicher Wochenrückblick, bissig, augenzwinkernd und nie gänzlich Ernst zu nehmen.

Live aus dem Gerichtssaal

Ob Gangsterimage oder wirtschaftlich fixierter Rechtsstreit, die vergangene Woche wurde auch geprägt von gerichtlichen Sit-Ins zweier Rapartists, bzw. deren Nachwehen. Nachdem ein Verfahren wegen Körperverletzung gegen Kollegah schon im März diesen Jahres, gegen die Zahlung einer nicht unbeträchtlichen Geldstrafe eingestellt wurde, hat sich Kolle erneut als Meister der Eigenpromotion erwiesen und die Verhandlung per Videozusammenschnitt (verbunden mit der Verleihung des Echo sowie des 1-Live-Krone Awards und diversen Autogrammstunden) ins Netz gestellt. Merke: Wenn man Kolle eines nicht vorwerfen kann, dann ist es ein Mangel an Geschäftstüchtigkeit. Der „Boss“ schüttelt scheinbar selbst aus den Hosen eines Obdachlosen noch ein paar symbolische Heller.

Bushido wiederrum, dürfte sich über die Entscheidung des Bundesgerichtshofes, betreffend des Plagiatsvorwurfs der Band Dark Sanctuary, freuen. Der BGH hat im Revisionsprozess zum einen die Einzelklagen der drei Bandmitglieder abgewiesen, sowie die anhängende Klage des eigentlichen Komponisten der Songs zurück an das Oberlandesgericht Hamburg verwiesen. Das OLG muss nun über die Rechtmäßigkeit der 2013 vom Landesgericht Hamburg festgesetzten Strafe in Höhe von 63.000 EUR entscheiden. Getreu dem Motto: „Hauptsache PR“, kann es Bushido sicherlich nur recht sein wenn sich das Drama noch ein wenig zieht.

Beef mit Sauce

Im Prinzip vergeht fast keine Woche, in der Fler und Farid Bang nicht aufeinanderprallen, wie zwei in Testosteron gebadete Widder. Es ist klar festzuhalten – diese Showeinlagen haben schon länger Ihren Unterhaltungswert eingebüßt. Nun steht wohl zu befürchten, dass der anstehenden Auftritt Farids in Berlin den Zwistigkeiten erneut Schub verleiht. Seit dem Eklat auf dem Selfmade Konzert 2009, bei dem damals Montana Max, als eigentlich an der Streitigkeit zwischen Selfmade und Aggro Unbeteiligter, verletzt wurde, gab es keine Auftritte der JBG-Jungs mehr in der Hauptstadt. Für Bang ist es sogar die absolute Berlinpremiere und es bleibt zu hoffen, dass inzwischen genügend englischer Rasen über diesen Kindergarten gewachsen ist, sodass hier die Musik und keine Bud Spencer und Terence Hill-artige Atmosphäre das Wochenende dominiert. Vielleicht sprechen sich die beiden auch einfach mal aus! Bei einem Proteinshake oder einem Teller Rohkost vielleicht? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

YT-Glamour und sonstige Unzulänglichkeiten

Wenn man ein wenig nach vorne blickt auf der Timeline, stolpert man unweigerlich über das am 08.April veröffentlichte Debütalbum des YT-„Stars“ LionT. Schon vor dem Release dieses (Mach)Werks, bekam der junge Mann kollektiv von der gesamten Rapszene die Hucke voll. Rein verbal versteht sich. Nachdem man nun in den zweifelhaften Genuss des Albums kommen konnte, wird selbst der passivste und freundlichste Hörer in den Chor aus Beschimpfungen und Unflätigkeiten einstimmen. Was der Youtuber da zusammengeschustert hat, ist nicht nur eine „rap“technische Katastrophe, sondern beweist gerade passend, dass die von Jan Böhmermann kürzlich formulierte Kritik an den Protagonisten des digitalen Mediums Youtube, absolut fundiert und berechtigt ist.

Hier wird Scheiße zu Gold und die Zuschauer bzw. Zuhörer kaufen das Resultat was das Zeug hält, auch wenn es zum Himmel stinkt. Damit ist Youtube keine Konkurrenz mehr für das eklig-klebrige Privatfernsehen. Nein, das Medium ist dabei sich in den schmierigen, verlängerten Arm von RTL, Pro 7 und Co. zu verwandeln. Chartposition – here we go! Auch abseits von Backpackertum und Realness, darf man da die Augenbrauen hochziehen und sich fragen, was wohl als nächstes kommt. Gronkh und Sarazar mit einem Streetmixtape? DNer geht für die AfD, als Kandidat für das Amt des Deutschen Bundeskanzlers an den Start? Ok, die Sache scheint nun nicht gänzlich abwegig. Zukunft, mir graut vor dir!

Round 1, FIGHT!

Beef over Germany, ein Handygameprojekt, schon für das letzte Quartal 2014 angekündigt, hat in den letzten Monaten durch permanenten Verschiebungen für einige Verwunderung gesorgt. Noch viel größer wurden in dieser Woche aber die Augen, sowie die Hitzewellen in den Kommentarspalten, als die ersten Käufer sich mit dem Produkt vergnügten. Viele Käufer haben etwas in der Art des Wu-Tang-Beat´em Ups erwartet. Ok, vielleicht nicht auf ähnlichem, technisch hohem Niveau, aber zumindest klang die Idee eines Prügelspiels mit den üblichen Verdächtigen des Deutschrapzirkus durchaus verlockend. Selbst wenn man sich nur daran erfreut hätte einem „verhassten“ Wack MC digital ein paar Tritte zu verpassen. Was am Ende aber auf den Bildschirmen landete, beschreibt man am besten kurz und treffend als „Trash“.

Animationen und Grafik lassen Street Fighter auf dem SNES gegen diese Softwarekatastrophe wie die allerneueste NVIDIA Grafikdemo aussehen, eine ungenaue Steuerung verursacht höchstens Krämpfe in den Fingern, aber keinen Adrenalinkick während des Matches und die gesamte Darstellung der Protagonisten erinnert mehr an Karikaturen, als an stylishe Comicversionen der Rapstars. Die Gamestores sind voll von solchen Spielen, die schnell wieder im Papierkorb landen, aber diese Games, meistens kostenlos, warten nicht mit einem unverschämten Preis von 6,99 EUR auf. Das ist nämlich eine Preiskategorie, die sich das Spiel mit Vollpreisumsetzungen bekannter Triple-A-Games teilt. Leider wirkt das Produkt in dieser Gesellschaft so deplatziert, wie ein bärtiger Renter in der Nonnenschule. Ob die als Werbeflächen „missbrauchten“ Protagonisten so begeistert vom Endprodukt sind, kann man nur vermuten, mich deucht jedoch, hier verbirgt sich noch viel Potential für Verwicklungen. Fatality!

(Un)Keusche Widerlichkeiten

Keine Verlinkung des Videos, aber zumindest eine durchaus verächtliche Erwähnung, erhält der, sich selbst zum Vorsänger des islamistischen Terrors erhobene, Rapper Deso Dogg. Der präsentierte sich dieser Tage nämlich in einem Rapvideo der Terrororganisation ISIS als Propagandamarionette der Glaubenskrieger. Musikalisch ist die Ansammlung von Drohungen definitiv keine Erwähnung wert, jedoch muss man sich wirklich fragen, welche Horde Tauben im Schädel des Exil-Berliners ihre Verdauungsstörungen ausgelebt haben, dass ein solch indoktrinierter Hanswurst, nur noch dominiert von Hassgefühlen, aus dem „Künstler“ werden konnte.

Wenn ein Musiker die Kunst als Transportmittel für Drohungen missbraucht und sich in Videos mit Hilfe von reellen Folter- und Mordaufnahmen in Szene setzt, dann ist schon lange das Ende der Fahnenstange erreicht. Deso hat es geschafft, selbst die erbärmlichen Anbiederungsversuche von Melanie Dittmer und Ihrer neu-rechten Kohorte an das Reggeagenre vor einigen Wochen, wie eine Meisterleistung aussehen zu lassen. Gratulation an den verwirrten Prediger, sowas muss man erst einmal schaffen.

Somit bleibt der Ausblick auf die kommende Woche und die Hoffnung das uns ein weiteres Video aus der Feder der ISIS-Rapcrew erspart bleibt, Inshallah…

Fotocredit: © Laion – Universal Music

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.