Im Rückblick diesmal: Zeichnerische Werke in gedruckter Form, Logomissbrauch der absurden Sorte und Neuveröffentlichungen die teilweise keine mehr sind.

Nachdem der Rückblick am Maiwochenende ins Wasser bzw. den Gerstensaft gefallen ist, kehren wir wieder zum normalen Rhythmus zurück. Die letzten beiden Wochen waren dabei relativ ruhig. Das Wichtigste und Amüsanteste findet ihr dann in den folgenden Zeilen – von möglicher Markenrechtsverletzung, über viele interessante Veröffentlichungen bis zu Zeichnungen in Buchformat. Lest und seht…

Inspirationen für die rechte Ecke?

Ziemlich schräg diese rechts-konservativen Parteien. Da hat sich nun schon die NPD, ihres Zeichens Verfechter urdeutscher Tugenden, fröhlich bei Fler bedient, was man ja auch noch zusammenbringen konnte. Der harte Teutone hat ja in etlichen Textzeilen, die Angel mal kurz ins Fahrwasser rechtspopulistischer Parteien gehalten. Das aber die, in dieser Woche offiziell in den Fokus und ins Visier der deutschen Behörden geratene, rechtsextreme „Terrororganisation“ OSS (Oldschool-Society) sich für ihr Leitmotto („Eine Kugel reicht nicht!“) und gleich noch für das ganze Logo, bei Massiv bedient, das ist an Absurdität kaum zu überbieten. Da machen diese ganzen Leute mit einem Kampf gegen vermeintliche islamistische Strukturen Welle, schreiben sich die Errettung des Abendlandes, vor genau dieser Bedrohung auf die Fahnen, um sich dann bei einem Rapper mit palästinensischen Wurzeln zu bedienen? O.k. eigentlich hat es System. Alles, was martialisch genug erscheint, kann man irgendwie für die eigenen Zwecke missbrauchen, das haben Extremisten, gerade die rechte Sorte, schon immer so gemacht. Aber in diesem Falle wirkt das absolut absurd. Hoffentlich geht Massiv auch gerichtlich dagegen vor, egal was man von seiner Musik nun halten will. Einmal strafrechtliche Erziehungsschelle bitte! Wobei solch eine Klage, wohl noch das geringste Problem des Ku-Klux-Klan für Arme sein dürfte.

Massiv Facebookposting

Releases, Releases und noch mehr Veröffentlichungen

Die Releaseliste für die kommenden Monate ist enorm, genauso wie die letzten beiden Wochen einiges bereithielten. Genetikk haben am 08. April ihr Album auf den Markt geworfen. Wenn man den momentanen Reviews glauben darf (auch von uns wird noch eine folgen), dann ist die Platte ziemlich ordentlich geraten, wenn auch z.B. die Juice ein paar kritische Worte, wie „zu verkopft“ findet. Ebenso hat Lance Butters sein neues Werk „Blaow“ dieser Tage unters Volk gebracht. Ob er von seinem reinen Maskeimage etwas abgewichen ist und mehr Substanz anbringt, darüber kann man dann in ein paar Tagen urteilen. Bis auf eine Review bei HVV ist momentan noch nichts im Netz zu finden, diese Kritik lässt aber ein recht gutes Album vermuten.

Am 15. Mai folgt dann auch „endlich“ das neue Werk von Bass Sultan Hengzt. Allein schon die Homophobie Debatte im Vorfeld hat ja für einigen Wirbel gesorgt. Fragt sich jetzt, ob das Hengzt Käufer kostet, nämlich die ehemalige Zielkäufergruppe, in Form von ultraharten Typen mit Pitbull an der Leine, oder ob er vielleicht sogar eine komplett neue Käuferschicht für sich erobert hat. Nach den poppigen Ausflügen ist zu befürchten, dass Hengzt sich hier vielleicht ein wenig zu weit in seichtes Fahrwasser begeben haben könnte. Dass er die Szene mal ordentlich auf das omnipräsente Problem der eigenen, mehr oder minder unterschwelligen, Schwulenfeindlichkeit aufmerksam gemacht hat, dafür verdient er schon einen Daumen nach oben. So butthurt wie der Großteil der Leute reagierte, war dieser Tabubruch wohl lange überfällig. Vote für mehr küssende Männer auf Plattencovers. Einfach weil man es kann!

Außerdem gibt es dann noch ein Schmankerl für alle Bassboxxx-Freunde. Isar droppt nämlich sein zweites Album „Streifzug“. Seit dem Debüt „Berliner Bär“ im Jahr 2007 gab es fast kein Lebenszeichen von dem Berliner Rapper. Nicht nur aus nostalgischen Gründen, nämlich wegen potentieller Features von alten Bassboxxx Helden, dürfte ein Kauf sicherlich sinnvoll sein. „Berliner Bär“ war damals eine sehr runde, kompromisslose, Streetrap Platte und ist immer noch ein echter Geheimtipp. Dass die alte Bande, seit der Mach One & Orgi Kollabo, mal wieder auf einem Track zu hören sein wird klingt definitiv verlockend. Etwaige Harmonie dürfte zwar nicht von Dauer sein, wenn man sich das Laut.de Interview mit Isar durchliest, sind sich einige der Jungs wohl doch immer noch (spinne)feind, aber für solche Eskapaden reicht es dann. Immerhin! Keep it coming…

PS.: Finde ich es nur alleine so schräg, im weiteren Bekanntenkreis tatsächlich schon über Leute zu stolpern, die das Isar-Album bereits „ihr Eigen“ nennen? Gab es hierzu irgendeine Leak Geschichte? Irgendwie wurde diesbezüglich ja nichts publik gemacht. Aber die Wege des (Dark)nets sind ja bekanntlich unergründlich und bei nachträglicher Recherche wurde dann offenbar, dass schon Ende März auf diversen Seiten ein Leak zu finden war. Wir Normalsterblichen warten dann eben. Jetzt mal ernsthaft, kauft das Ding Leute, wo soll das denn noch hinführen? Gerade bei einem Künstler wie Isar ist so was wirklich daneben. Ich wüsste nicht, dass er in seinem Geldspeicher täglich in Goldmünzen taucht, höchstens in Katzengold. Etwas mehr Support bitte!

Ansonsten gab es natürlich das neue Album von Weekend, mit hohem Chartseinstieg, ebenso wie Xatars Platte „Baba aller Babas“. Genannt seien die beiden Alben deshalb in einem Atemzug, weil sie wirklich zwei Seiten der Medaille darstellen. Weekend, komplett ohne düstere Atmosphäre und überhaupt mit Schwiegersohnattitüde, während Xatar, kaum in Freiheit, direkt eines klar machen will – wer hier nämlich der Baba ist. Ja, momentan wird man von allen Seiten mit sämtlichen Facetten des Rap zugeworfen. Schöne Zeiten für Rapheads, egal wie man es mag.

Karikaturen in Buchformat

Vor ein paar Wochen haben wir schon mal über den Zeichenkünstler Graphizzle Novizzle berichtet. Der Gute hat dieser Tage seine erste Sammlung in Buchform auf seiner Page präsentiert. Das Teil trägt den Namen „Das erste Jahr“. Neunzig Comics und Zeichnungen für den wirklich kleinen Preis von knapp fünf Euro, gerne auch signiert. Ein Vorwort von Falk Schacht klingt dann auch noch recht interessant. Jetzt wo Graphizzle die Aufmerksamkeit der Rapszene hat, scheint auch die beste Zeit, um alles etwas professioneller anzugehen. Die Website ist entsprechend schick gestaltet, FB-Klicks gehen nach oben und die Selbstvermarktung inkl. Merchandise ist wohl nur der nächste logische Schritt. Dass dabei die tagesaktuellen Strips nicht auf der Strecke bleiben, hat der Zeichner mit dem letzten Fler Comic gezeigt. Wie bedeutsam Schuhe für Mr. Maskulin sind wissen wir jetzt auf jeden Fall. Schön auch die neuen Texte unter den Bildern. Sie machen die Geschichten schon irgendwie einzigartig und geben auch denen, die nicht 24/7 mit dem Kopf im Rapgossip stecken, einen Überblick wie die Comics zu interpretieren sind. Weitermachen!

Fler Sneaker Graphizzle

Abteilung „Beef“

Da kommt jetzt also ein „Youtube“ Rapper wie Gio und macht einen Disstrack über einen „Youtubestar“ wie LionT, Nachtigall ick hör dir trappsen! Das Ding ist zwar recht souverän gerappt und die Kritik in Richtung der schamlosen Instrumentalisierung jugendlicher Youtubefans ist angebracht, aber das die Jungs und Mädels diese Kuh melken, bis der Euter schlaff ist, wissen wir jetzt alle. Trotz persönlicher Abneigung gegen dieses Showgebaren, bleibe ich hier mal ganz neutral, denn die beißende Ironie wer hier gerade wem, wegen was, ans Bein zu pinkeln versucht, die treibt mich dann ins gedankliche Niemandsland. Das besagte Video kann man sich auf jeden Fall hier anschauen. Sind wir mal gespannt, ob da wirklich eine Antwort kommt. Product-Placement incoming!

Der Xatar vs. Farid-Beef weitet sich derweilen aus wie ein Tripper im Swingerklub. Farid bekommt Unterstützung von KC Rebell, der sich ungern „Shisha-Rapper“ nennen lässt. Xatar wiederum bekommt Support aus der quasi unwahrscheinlichsten Ecke, nämlich von Fler. Man hat hier das Gefühl, dass Fler und Farid sich wirklich tief und innig ineinander verliebt haben, so sehr landen sie doch immer wieder im sinnbildlichen gemeinsamen Bett. Die Eigendynamik dieser Beefereien ist wirklich beachtlich und folgt dem Motto: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!“

Wer hier morgen mit wem und wann und überhaupt, kann man inzwischen unmöglich vorhersagen. Fast wie bei einem Gangbang mit 10 blinden Teilnehmern. Vielleicht endet das Ganze zumindest in ein paar schönen Disstracks oder Lines. Ansonsten dürfen sich die Jungs gerne wieder auf die Musik konzentrieren. Darum ging es doch, oder? Ok, falscher Film!

Photocredits: FB Page von Xatar
und Graphizzle Novizzle

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