Die Zeiten sind günstig für Veränderungen im Umgang mit einer längst in der Mitte der Gesellschaft angekommenen Pflanze, dem Cannabis. Dafür hat die Regierung in Deutschland mit dem Cannabis als Medizin Gesetz eine solide Grundlage geschaffen. Dies war ein Schritt, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Hanf zu verändern. Weg von der Droge hin zur hilfreichen Arznei. Die Etablierung von Cannabidiol-haltigen Produkten auf dem Gesundheits- und Wellness-Markt hat diese Anerkennung von Cannabis als heilsame Pflanze noch enorm gesteigert. Durch diese Entwicklung schaffte es CBD, und in seinem Windschatten Cannabis an sich, sein Jahrzehnte lang anrüchig gehaltenes Image zumindest teilweise loszuwerden. Denn nun kommen die Anwender von Produkten, die Bestandteile von Hanf enthalten, aus allen Schichten und Altersgruppen der Gesellschaft.

Auch CBD ist interessant für Pop- und Subkultur

Trotz der neuen allgemeinen Anerkennung, die Cannabis also genießt, hat es offensichtlich nicht an Coolness verloren. So bemühen sich zahlreiche prominente Gesichter aus dem Showgeschäft um Kooperationen mit Samenbanken. Oder die Samenbanken reißen sich um sie, um Strains mit an die Künstlernamen angelehnten Bezeichnungen auf dem Markt zu platzieren. Marvin Game, Herzog, Greeen oder King Keil, alle haben in der Vergangenheit bereits ihre eigene Gras-Sorte herausgebracht. Mit kleinen Unterschieden, versteht sich. Der Herzog Strain, Herz OG, ist, im Gegensatz zu den Hanfsorten der meisten deutschen Rap-Kollegen, kein CBD-Strain, sondern ein wirklich potentes Gras. Also ist es in Deutschland nicht in Form von Blüten verfügbar. Bei den US-Rappern gehört der eigene THC-Strain bald schon zum Standard. Snoop Dogg,  Wiz Khalifa, Berner, Kurupt, jeder hat seine Grassorte. Und auch Musiker aus anderen Genres wie Willie Nelson oder die Marleys sind mit ihren Marken in den Dispensarys vertreten. Die CBD-Blüten der deutschen Rapper sind online bestellbar. Manche sind (oder waren) auch in CBD-Shops wie der Hanfbar zu beziehen. Aktuell bestehen zahlreiche juristische Konflikte im Bezug auf die CBD-Hanfknospen. Die sind als Droge eigentlich untauglich, dennoch haben sie den Unmut mehrerer Staatsanwaltschaften auf sich gezogen.

Akzeptanz von Cannabis ist eine frage der Präsentation

Wie verhält es sich nun mit dem Image von Cannabis? Und wie mit dem Bild, welches Rapper mit ihren CBD-Blüten oder THC-Strains in der Öffentlichkeit abgeben? Es gibt einige Stimmen, die sagen, dies sei einer Legalisierung von Cannabis nicht förderlich, da es das Drogen-Klischee von Hanf verkörpere. Eine Eindruck, der vor allem den Menschen, die weder mit der Rap-Szene noch mit Cannabis etwas anfangen können, eher negativ auffällt. Allerdings könnte man diese Leute wohl auch anderweitig nicht von einer liberalen Cannabispolitik zu überzeugen. Außerdem bringt das Bewerben eines von einem Rapper vermarkteten CBD-Strains immerhin grundsätzlich etwas Reichweite, wodurch manche die Pflanze überhaupt erst wahrnehmen. Ob die Präsenz dieser Cannabis-Produkte in den Augen eines Cannabis-Aktivisten als kontraproduktiv betrachtet werden soll, muss auf die Personen und ihr Produkt bezogen differenziert werden. Wenn Marvin Game in einem Spot seinen Obstsalat bewirbt, und dabei die Blüte in die Tee-Tasse gibt, zeichnet dies sicher ein anderes Bild, als wenn die Blüte in dem Spot geraucht werden würde.

Legalisierungs-Kampf oder Markt-Strategie

Die Frage ist also letztendlich, was der Künstler will und mit welcher Strategie er dies verfolgt. Ein überzeugter Kiffer, dem ein legaler Markt für CBD-Blüten nicht liberal genug ist, kann natürlich einen THC-Strain mit einer holländischen Samenbank herausbringen, und so zu seiner Überzeugung stehen. Wenn ein Rapper einen CBD-Strain veröffentlicht, hat er natürlich eher die Chance, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, die bisher nichts mit Cannabis zu tun haben. Und natürlich wird er sein legales Produkt besser absetzen können. Es bleibt vorläufig eben einfacher, mit Omi eine Tasse Obstsalat zu trinken, als mit ihr das mit bestellten Samen illegal selbst-angebaute Herz OG zu konsumieren.

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