Ihr neues Album steht in den Startlöchern und die Jungs von Wanda sind jetzt angeblich frauenfeindlich. Ja dürfen’s denn das?

Wandas erstes Album „Amore“ hat vor Kurzem Platin-Status erreicht und die erste Single-Auskoppelung des zweiten ist mittlerweile erschienen. Und da rollt auch schon ein Skandal, oder vielleicht besser gesagt ein Skandälchen, an. Man hat es ja schon länger vermutet, aber nun kann man es nicht mehr leugnen: Wanda sind frauenfeindlich. Die Belege dafür: Im Video zu „Bussi Baby“ spielt eine gewisse Ronja von Rönne mit, die in der Welt einen Artikel mit dem Titel „Warum mich der Feminismus anekelt“ für Diskussionen sorgte und ihren Bekanntheitsgrad damit ordentlich steigern konnte. Ihre Tätigkeit in dem Video beschränkt sich grob gesagt darauf, in einem Bett herumzusitzen. Dazu singt Marco Michael Wanda etwas, das sich folgendermaßen auslegen lässt: Ein Dealer verlangt von einer Frau ein Bussi als Bezahlung, wenn sie sich ihr Koks nicht leisten kann. Und dann kommt da noch die nächste Single mit dem Titel „Nimm sie, wenn du’s brauchst“. Darin geht es um einen zugegebenermaßen nicht sehr feinen Kerl, der eine naive Frau ausnützt: „Nimm sie, wenn du glaubst, dass du’s brauchst, steck sie ein wie 20 Cent. Sie kennt niemand in Wien und dass sie deine Worte glaubt, das ergibt sich ohnehin.“

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Marco Michael, echt jetzt?

Auf mögliche frauenfeindliche Tendenzen in der Band angesprochen, ist der Frontmann Marco Michael bemüht um Klarstellung. Gäbe es in der Band solche Tendenzen, würde er die entsprechende Person rausschmeißen. In „Nimm sie, wenn du’s brauchst“ würde es auch eher darum gehen, einem anderen Typen seine Frauenfeindlichkeit aufzuzeigen. Ist das glaubhaft? Ja, ich finde schon. Denn was in dieser Debatte weitestgehend übersehen wird, ist die Tatsache, dass Songtexte nicht zwingendermaßen autobiographische Ereignisse oder persönliche Meinungen der Künstler wiedergeben müssen. Falco war trotz „Jeanny“ kein Sexualstraftäter, Sting war trotz „Every Breath You Take“ kein Stalker und ich wage es zu bezweifeln, dass 50 Cent ein echter Zuhälter ist. Man darf und soll in Songtexten kontroverse Themen aufgreifen und man darf und soll auch provozieren. Das nennt sich dann nämlich Kunst. Man darf und soll daraus allerdings nicht direkt auf die Biografie des Künstlers schließen. Man stelle sich nur vor, was man dann etwa einem Krimiautor alles vorwerfen könnte. Somit darf Wanda auch darüber singen, dass man seine eigene Cousine heiß finden kann oder dass es Dealer gibt, die sich nicht nur mit Geld bezahlen lassen. Nur warum machte man ihnen Ersteres nie zum Vorwurf und Zweiteres schon? Vielleicht spielt hier die gängige journalistische Praxis des „Zweites-Album-Vernichtens“ eine gewisse Rolle. Der Charme von Wandas Proletenpoesie begeisterte beim ersten Album alle, aber jetzt plötzlich geht das irgendwie gar nicht mehr.

Sexistisch, antifeministisch, misogyn?

Interessant wird im weiteren Verlauf dieser Debatte auch sein, welche Begrifflichkeiten wie verwendet werden. Denn bis jetzt werden Begriffe wie Sexismus, Antifeminismus und Misogynie ohne weitere Reflexion einfach fröhlich in einen Topf geworfen, dann wird einmal kräftig umgerührt und fertig ist der Wanda-ist-aber-böse-Eintopf. Und was ist jetzt mit dem Auftritt der Frau von Rönne im Video? Ist das vielleicht einfach wenig Aufwand für viel Aufmerksamkeit? Schon möglich. Ein stichhaltiges Argument für die Frauenfeindlichkeit der Band wird man durch eine im Bett sitzende Frau alleine halt auch nicht finden, egal was diese Frau im Vorfeld schon so von sich gegeben hat. Eines ist jedenfalls klar: Am Ende des Tages können sich die Jungs von Wanda zufrieden zurücklehnen und das ein oder andere alkoholische Kaltgetränk genießen, während die Welle, die ihr zweites Album „Bussi“ vor seinem Erscheinen schon schlägt, immer größer wird. Und auf so einer Welle lässt es sich marketingtechnisch bekanntlich bestens surfen.

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