Hüsker Dü waren wegbereitend, legendär und zu dritt. Was wurde aus Bob Mould, Grant Hart und Greg Norton?

Sie waren nie die erfolgreichste Band ihrer Zeit – in Wirklichkeit ist ihr kommerzieller Erfolg äußerst überschaubar – doch ihr Einfluss auf andere Musiker ist kaum zu überschätzen. Nirvana Bassist Krist Novoselic fasst die Bedeutung dieser Band in bedeutungsschwere Worte: „Niravana’s Stil war nichts Neues, Hüsker Dü machten das vor uns.“

Hüsker Dü machten das schon vorher

Hüsker Dü Logo

Das Hüsker Dü Logo – Der Kreis symbolisiert die Band, die Querstreifen die drei Individuen und der kreuzende Streifen ihre gemeinsame Kreativität

1979 fanden Bob Mould, Grant Hart, Greg Norton und Charlie Pine in St. Paul, Minnesota zusammen. Charlie Pine, der, in der anfänglich Buddy and the Returnables genannten Band, Keyboard spielte, wurde bereits nach kurzer Zeit aus der Band geschmissen, da Mould, Hart und Norton wenig vom Bandsound mit Keyboard überzeugt waren.
Von nun an nannten sich die drei Hüsker Dü. Der Name entstammt dem Dänischen – „Husker Du?“ bedeutet in der Sprache „Erinnerst du dich?“ – und wurde um die typischen Heavy Metal Umlaute ergänzt. Auf diese Weise wollte man sich von den klassischen Hardcore Punk Bands dieser Zeit abgrenzen. Zwar mochten alle drei Mitglieder diese Musik, waren sogar große Ramones Fans, doch hatten sie auch einen Hang zum Classic Rock, von dem sich die damalige Punkszene entschieden abgrenzte. So erklärt sich auch der musikalische Stil und Wandel Hüsker Düs.
Anfangs war man noch bemüht so schnell wie möglich zu spielen. Das änderte sich auf den späteren Alben, so schaffte man die Verbindung zwischen Hardcore Punk und Alternative Rock und bereitete den Weg für viele erfolgreiche Bands der 1990er Jahre.
Michael Azerrad bezeichnet Hüsker Dü in seinem Buch „Our Band Could Be Your Life“ als den “key link“ zwischen Hardcore Punk und dem später kommerziell äußerst erfolgreichen College Rock. Schließlich brachten Hüsker Dü zum einen viel Melodie in den Hardcore Punk und gleichzeitig gelten sie als erste Band dieser Szene, die einen Vertrag bei einem Major-Label unterschrieb.
Auf Grund der unüberbrückbaren persönlichen und kreativen Spannungen zwischen den beiden Hauptsongwritern Mould und Hart, sowie dem Selbstmord ihres Managers David Savoy lösten sich Hüsker Dü 1988 auf. Nach ihrer Trennung erschien 1994 ein letzter Tonträger der Band – das Album war eine Compilation aus alten Liveaufnahmen – von dem Bob Mould später behauptete, ihn nie angehört zu haben.

The Living End

Doch auf die Frage, was denn nun aus Hüsker Dü wurde, zu entgegnen, dass sie sich 1988 aufgelöst haben, wäre zwar grundsätzlich nicht falsch, würde jedoch wesentliche Aspekte in der Entwicklung der drei Musiker außenvorlassen. Alle drei leben heute ihr Leben nach Hüsker Dü, das in keinem Fall jedoch ein Leben abseits der Musik ist.
Doch bei all den Musikprojekten der folgenden 27 Jahren, zu einer Hüsker Dü Reunion kam es nie. Was dem am nächsten kam war ein Ereignis im Jahr 2004, als Grant Hart für zwei Hüsker Dü Nummern zu Bob Mould auf die Bühne kam. Mould betonte jedoch danach, dass dieser einmalige Abend keine falsche Hoffnung schüren solle.

Bob Mould

Bob Mould

Bob Mould

Nach der endgültigen Trennung von Hüsker Dü sollte für Bob Mould schon bald die erste Phase seiner Solokarriere beginnen. Schon 1989 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum. Auf „Workbook“ entfernte sich Mould, der mittlerweile dem Trinken abgeschworen hatte, eklatant von dem Sound Hüsker Dü’s. So standen plötzlich Akustikgitarren, cleane E-Gitarren und eine vielfältigere Instrumentierung im Vordergrund. Insgesamt klangen die Songs auf „Workbook“ ruhiger, gesetzter und hatten einen deutlichen Folkeinschlag. Im Jahr darauf folgte das zweite Soloalbum, „Black Sheets of Rain„. Hier kehrten die stark verzerrten Gitarren zurück in Moulds Repertoire. Insgesamt kam das Album seinem Schaffen bei Hüsker Dü wieder näher.
Doch zumindest vorübergehend sollte Moulds Solopfad ein Ende finden. Denn 1992 gründete er gemeinsam mit David Barbe (Bass) und Malcolm Travis (Schlagzeug) die Alternative Rock Band Sugar. Mit dieser Formation veröffentlichte Mould zwei Studioalben. Sugars Sound klang insgesamt breitentauglicher und positiver als der Hüsker Düs.
Doch auch Sugar sollte keinen dauerhaften Bestand haben. Schon 1996 wandte sich Mould wieder seiner Solokarriere zu. In den folgenden Jahren erschienen neun Soloalben von Bob Mould, zuletzt das Album „Beauty & Ruin„, der Nachfolger zum großartigen „Silver Age“ aus dem Jahr 2012, das mit Sicherheit einen Höhepunkt ins Moulds Karriere darstellt. Ein weiteres Hpghlight der jüngeren Zeit war die Zusammenarbeit mit den Foo Fighters für den Song „Dear Rosemary„. Darauf ist Moulds Gesang im Refrain zu hören, er gibt dem Song den speziellen Punch, der ihn so eindrucksvoll macht.
Neben seiner Tätigkeit als Solokünstler, ist Mould seit vielen Jahren als Live-DJ tätig. Gemeinsam mit Richard Morel tritt er unter dem Namen Blowoff auf. Dieser Kollaboration entsprang 2006 das Album „Blowoff“.

Grant Hart

Grant Hart

Grant Hart

Grant Hart tat es Bob Mould gleich, er veröffentlichte schon kurze Zeit nach dem Ende von Hüsker Dü seine erst Soloplatte. Auf die EP „2541“ folgte 1989 das Album „Intolerance„. Harts Musik klang nun sowohl poppiger als auch experimenteller, als die Musik die man zuvor von ihm gewohnt war. So eröffnet der Song „All Of My Senses“ das Album mit der musikalischen Interpretation des Schlachtens eines Mastschweines.
Doch auch für Hart war diese Zeit nur die erste Phase seiner Solokarriere. Schon Ende 1989 gründete er mit Michael Crego (Schlagzeug) und Tom Merkl (Bass) die Band Nova Mob, Hart selbst übernahm den Part als Gitarrist. Im Jahr 1991 erschien ihr Debütalbum „The Last Days of Pompeii„, eine Rock Oper in Anlehnung an den Progressive Rock der 70er-Jahre.
Nach mehreren Line Up-Wechseln und einem weiteren Studioalbum, löste sich die Band 1994 wieder auf. Grant Hart trieb daraufhin seine Solokarriere voran und veröffentlichte das Livealbum „Ecce Homo„. Auf dem Album, das am Abend des Nova Mob Splits bei einem Solo-Akustikkonzert Harts aufgenommen wurde, sind sowohl Harts Solonummern, als auch Nummern von Nova Mob und Hüsker Dü zu hören.
Das erste Soloalbum nach Nova Mob sollte 1999 folgen, doch nach „Good News For Modern Man“ wurde es still um Hart. Erst 2009 erschien sein nächster Tonträger „Hot Wax„, auf dem er dem Zuhörer einen rohen Siebzigerjahre-Sound präsentiert. Stellenweise erinnert das Album an The Doors. Seit „Hot Wax“ folgten das Compilation-Album „Oeuvrevue“ und 2013 das Studioalbum „The Argument„.

Greg Norton

The Gang Font

The Gang Font – Greg Norton (links oben)

Greg Norton zeigte sich in den Jahren nach Hüsker Dü weniger engagiert im Musikgeschäft. Zwar gründete er kurz nach dem Zerfall Hüsker Düs die Band Grey Area, die auch lokale Bekanntheit erfuhr, doch schon 1991 löste sich die Band wieder auf, ohne je ein Album veröffentlicht zu haben. Anschließend verließ Greg Norton das Musikgeschäft vorerst ganz.
2003 eröffnete er als Koch, gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Sarah, das Restaurant The Norton’s Restaurant in Minnesota, welches mehrfach ausgezeichnet wurde.
Im Jahr 2006 schließlich kehrte Norton nach 15 Jahren zurück zur Musik. Mit der Formation Gang Font feat. Interloper veröffentlichte er im folgenden Jahr deren Debütalbum, das den Namen der Band trägt.

Fotocredit: Hüsker Dü/Bob Mould/Grant Hart – Shawn Brackbill/The Font Gang

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.