Jimmy Page hat mit Led Zeppelin Meilensteine in der Rockgeschichte gesetzt. Der mittlerweile 72-Jährige hält bis heute offensichtlich nichts von einer Rocker-Pension.

„Led Zeppelin was an affair of the heart. Each of the members was important to the sum total of what we were. I like to think that if it had been me that wasn’t there, the others would have made the same decision.“ -Jimmy Page, 2014.

Es ist der 7. Juli 1980. Der Ausnahmegitarrist Jimmy Page steht mit Robert Plant (Gesang), John Paul Jones (Bass, Keyboard) und John Bonham (Schlagzeug) auf der Bühne der Berliner Eissporthalle. Zu diesem Zeitpunkt ist noch niemandem klar, dass es sich dabei um den letzten Auftritt von Led Zeppelin handeln wird. Im September des selben Jahres wird Schlagzeuger John Bonham tot im Bett aufgefunden, er ist an seinem Erbrochenen erstickt. Die übrigen Bandmitglieder gaben daraufhin die Auflösung von Led Zeppelin bekannt, da diese Band ohne John Bonham nicht weiterspielen will. Bis auf einen Auftritt, bei dem sein Sohn Jason Bonham mit den ursprünglichen Mitgliedern auf der Bühne stehen wird, bedeutete dies tatsächlich das endgültige Aus von Led Zeppelin.

Der weitere Weg einer Legende

Bevor Jimmy Page mit Led Zeppelin zu einer wahren Gitarristen-Legende wurde, war der Engländer als gefragter Studiomusiker tätig und spielte unter anderem mit Eric Clapton und Jeff Beck bei The Yardbirds. Was haben nun aber die vergangenen 35 Jahre für Jimmy Page, der vom Rolling Stone auf Platz 3 der „100 besten Gitarristen aller Zeiten“ gewählt wurde, bereitgehalten? Nach der Auflösung von Led Zeppelin schloss er sich zuerst mit Chris Squire und Alan White von Yes zur Supergroup XYZ (steht für Ex Yes Zeppelin) zusammen. Auch Robert Plant wollte sich ihnen anschließen, da er der Meinung war, sie würden einen starken Sänger brauchen. Allerdings war er mit dem bis dahin entstandenen Material nicht zufrieden und zog sich wieder zurück, woraufhin das Projekt auseinanderfiel.

The Firm & The Honeydrippers

Im Jahr 1984 erfolgte die nächste Bandgründung, bei der sich Page unter anderem mit dem ehemaligen Free-Sänger Paul Rodgers zu The Firm zusammenschloss. Die Supergroup tourte erfolgreich, die Verkäufe der beiden Platten liefen allerdings enttäuschend. Darum kam bereits nach zwei Jahren das Aus. Außerdem wirkte Page bei Robert Plants Projekt The Honeydrippers mit, bei dem auch Jeff Beck an Bord war. Überraschend war dabei die Musikrichtung, die Blues, Rock’n’Roll und Doo Wop verband und somit an die Zeit vor Led Zeppelin anknüpfte. Das erste und gleichzeitig letzte Album „Volume One“ enthält dabei etwa ein Remake des Songs „Sea of Love“.

Ein wenig rühmliches Kapitel schlugen die verbliebenen drei Led-Zeppelin-Mitglieder 1985 auf, als sie mit Phil Collins am Schlagzeug bei Live Aid als „Plant, Page and Jones“ auftraten. Die Band hatte kaum Zeit zum Proben und Robert Plant litt wegen Überbelastung an stimmlichen Problemen. Die Bandmitglieder waren auch Jahre später noch so unzufrieden mit dem Auftritt, dass sie 2004 das Einverständnis zur Veröffentlichung der Videoaufnahmen auf dem DVD-Set „Live Aid“ verweigerten und stattdessen aus eigener Tasche spendeten. Im Jahr 1988 erschien schließlich Jimmy Pages einziges Solo-Album namens „Outrider“, das eine starke Blues-Prägung aufweist.

Page in den 90ern

Schließlich gibt es doch noch eine länger andauernde Zusammenarbeit zwischen Robert Plant und Jimmy Page. Die beiden spielen 1994 für MTV Unplugged zusammen mit einem marokkanischen Orchester einige Led-Zeppelin-Nummern ein, die unter dem Titel Jimmy Page & Robert Plant – No Quarter erschien. Das Duo arbeiteten daraufhin weiter zusammen und spielt 1995/96 insgesamt 115 Konzerte weltweit. Im Jahr darauf erscheint das Album „Walking Into Clarksdale“, das sich allerdings nicht sonderlich erfolgreich verkauft. Dennoch erfolgt 1998 eine weitere Welttournee, danach gehen Page und Plant allerdings wieder getrennte Wege. Im selben Jahr spielt Page die Gitarrenparts des Songs „Come With Me“ von Puff Daddy ein, der die Melodie und die Riffs vom Led-Zeppelin-Song „Kashmir“ verwendet. Der Song war Teil des Filmsoundtracks zu Roland Emmerichs „Godzilla“ von Roland Emmerich produziert.

1999 und 2000 spielt Jimmy Page mit der amerikanischen Rockband „The Black Crowes“ zusammen einige Konzerte, bei denen Songs von Led Zeppelin und den Yardbirds performt werden. Dazu erschien das Album „Live at the Greek“, aufgenommen im Greek Theater in Los Angeles. Die laufende US-Tournee sowie die geplante Europatournee müssen allerdings wegen Jimmy Pages Rückenproblemen abgesagt werden.

2007: Eine Sensation

Jimmy Page 2010 – charismatisch wie immer

Nachdem Page und Plant 2001 beim Montreux Jazz Festival zusammen auf der Bühne standen, bahnt sich 2007 ein wahrlich großer Coup an: Zu Ehren des verstorbenen Atlantic-Records-Gründers und Led-Zeppelin-Mitentdeckers Ahmet Ertegün spielt Led Zeppelin live in der Londoner O2-Arena. Am Schlagzeug nimmt dabei Jason Bonham, der Sohn des verstorbenen John Bonham, Platz. Er trat bereits beim 40-Jahre-Jubiläum von Atlantic Records 1988 einmal mit Page, Plant und Jones auf und wirkte auf Jimmy Pages Soloalbum „Outrider“ mit. Das Live-Comeback von Led Zeppelin 2007 kann sich über enormes Publikumsinteresse freuen, insgesamt lassen sich mehr als 20 Millionen Menschen online registrieren, um an Tickets für den Auftritt zu kommen. Die etwa 200.000 Eintrittskarten für das Event, bei dem unter anderem auch Foreigner und Paolo Nutini auf der Bühne stehen, werden schließlich unter den Registrierten verlost, wobei ein Ticket 125 Pfund kostet.

Keine weitere Zusammenarbeit

Jimmy Page erklärt daraufhin seine Bereitschaft für eine Welttournee mit Led Zeppelin, Robert Plant nimmt von diesem Vorhaben allerdings Abstand. So begibt sich die restliche Besetzung auf die Suche nach einem geeigneten Ersatzsänger. Dabei kommen Gerüchten zufolge Rockgrößen wie Dave Grohl, Chris Cornell (Soundgarden), Steven Tyler (Aerosmith) und Myles Kennedy (Alter Bridge) in die engere Auswahl. Mit den Foo Fighters standen Page und John Paul Jones sogar zusammen bei einem ihrer Konzerte im Wembley Stadium auf der Bühne. Dennoch schien kein Kandidat passend zu sein und so gibt das Bandmanagement bekannt, dass es keinen weiteren Zusammenschluss von Led Zeppelin geben werde.

Jimmy Page bis heute

2008 arbeitete Jimmy Page für die Dokumentation „It Might Get Loud“ mit Jack White und The Edge (U2) zusammen. Der Film widmet sich der Geschichte der E-Gitarre im Hinblick auf die Stile der der drei Gitarristen. Dabei spielen die drei Ausnahmemusiker zusammen unter anderem die White-Stripes-Hymne „Seven Nation Army“.

Außerdem wagte sich Page an das Großprojekt, die Led-Zeppelin-Alben zu remastern und jeweils mit einem Begleitalbum zu ergänzen, das bisher unveröffentlichte Songversionen enthält. Um sicherzustellen, dass es sich dabei auch wirklich um unveröffentlichte Tapes handelt, durchforstete er sogar die Bootleg-Welt. In einem Interview im letzten Jahr gab Page bekannt, dass er außerdem neues Material habe und dieses veröffentlichen will. Auf die Frage, ob er also Tourpläne hat, antwortete er: „Die Formulierung wäre: Das ist meine Absicht. Warten wir mal ab, was im Verlauf des nächsten Jahres passieren wird.“ Der mittlerweile 72-jährige Gitarrengott, der 2005 von der Queen zum Officer des Order of the British Empire ernannt wurde, hat also immer noch nicht genug von der Bühne.

Photocredit: Michael Ochs Archives, Ross Halfin

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