Von Umbesetzungen, Trennungen und erfolgreichen Neuanfängen…

Mitte der 90er Jahre feierten die Sneaker Pimps aus Hartlepool in England international große Erfolge. Mit Hits wie „Six Underground“ oder „Spin Spin Sugar“ gehörte die Band zu den wichtigsten Trip-Hop-Acts und passte mit ihrem melancholischen Sound ideal ins düstere Bild der „Generation X“. Doch lange hielten es die Bandmitglieder Kelli Dayton, Chris Corner und Liam Howe nicht miteinander aus. Nach dem Erfolg des Debütalbums mit dem verheissungsvollen Namen „Becoming X“ trennte man sich – nicht gerade in Freundschaft – von der ambitionierten Leadsängerin Dayton und ließ Gitarrist und Songwriter Chris Corner ans Mikro. Außerdem machten die Sneaker Pimps die Tour- und Studiomusiker David Westlake und Joe Wilson zu festen Mitgliedern der Gruppe. Das Album „Splinter“ wurde 1999 veröffentlicht und erreichte nicht ganz den Kultstatus den „Becoming X“ zuvor hatte verzeichnen können. Erste Spannungen machten sich in der neuen Formation bemerkbar, die nach der Veröffentlichung des dritten und letzten offiziellen Albums der Trip-Hopper „Bloodsport“ ihren Höhepunkt erreichten. Schließlich läutete die Band eine Pause mit „unbestimmter Länge“ ein – an diesem Status hat sich bis heute nichts geändert.

Von Trennungen und beeindruckenden Neuanfängen

Wie ist es den ehemaligen Sneaker Pimps in der Zwischenzeit ergangen? Kelli Dayton, die die Sneaker Pimps bereits 1998 hatte verlassen müssen, ist weiterhin als Solosängerin aktiv und hat dabei unter anderem mit Bootsy Collins und Linkin Park zusammengearbeitet. Bislang hat sie sieben Soloalben veröffentlicht und ist auch als Songwriterin für andere Künstler aktiv. Auch Liam Howe hat die Musik noch lange nicht an den Nagel gehängt – der ehemalige Synthie-Spieler der Sneaker Pimps ist mittlerweile ein weltweit erfolgreicher Produzent, der sich besonders durch seine Arbeit für Marina and the Diamonds, Lana Del Ray und FkA Twigs einen Namen gemacht hat. David Westlake, frührer Leadsänger der Kombo „The Servants“, spielt immernoch als Studio- und Live-Musiker für diverse Bands und hat dabei auch mit Popgrößen wie Natalie Imbruglia zusammengearbeitet. Mittlerweile ist er zudem als Anwalt tätig. Kollege Joe Wilson ist weiterhin als Musiker und Musikproduzent tätig, und ist in der Zwischenzeit sogar Professor des Leeds College of Music geworden.

Von „Becoming X zu IAMX“

Für die größte Überraschung sorgte wohl der ehemalige Leadsänger und Gitarrist der Band, Chris Corner. Der ehrgeizige Musiker verließ die Heimat und zog in bester „Bowie-Manier“ ins bunte Künstlertreiben Berlins, um sich musikalisch neu zu (er)finden. Das Ergebnis war sein bis heute weiterhin aktives Projekt „IAMX“, das die Indie-Szene bis heute hochjubeln lässt. Corner inszeniert sich hier als düsterer Elektro-Art-Pop-Prinz, der in seinen Texten sein Innerstes nach außen kehrt und für imposante Bühnenshows sorgt. Auch wenn Corner die Berliner Phase hinter sich gelassen hat und mittlerweile – nach überstandenem Burn-out – in Los Angeles sesshaft geworden ist, konnte es sich Ex-Kollege Liam Howe nicht nehmen lassen, IAMX beim fünften Album „The Unified Field“ als Produzent zur Seite zu stehen.

Fotocredits: © Radeq Brousil

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