Was machen die Jungs jetzt, zehn Jahre nach „Durch den Monsun“?

Begeben wir uns doch mal kurz in eine fiktive Zeitmaschine, und lassen uns ein paar Jährchen in die Vergangenheit transportieren. Genauer gesagt, ins Jahr 2005. Mal davon abgesehen, dass Deutschland in diesem Jahr „Papst“ wurde, die ganze Welt Angst vor der Vogelgrippe hatte und sich das Traumpaar Jennifer Aniston und Brad Pitt trennte, war es auch das Jahr der Veröffentlichung der Debütsingle „Durch den Monsun“ der Magdeburger Band Tokio Hotel. Damals ahnte noch niemand, was dieses Lied, und das darauffolgende Album „Schrei“, in Europa und auf der ganzen Welt auslösen würden. Aber fangen wir doch einfach ganz von vorne an.

Der teuflische Anfang

Die Band startete eigentlich als Duo der eineiigen Zwillinge Bill und Tom Kaulitz. Damals sahen sie sich noch nicht ganz so ähnlich, waren die Kleidungsstile und Frisuren der zwei Brüder doch sehr unterschiedlich, fast schon gegensätzlich. Als das Quartett mit Georg und Gustav (ich verwechsle die zwei ja immer) komplett war, wurde es „Devilish“ getauft und es gab mehrere Auftritte in und um Magdeburg. Fun Fact: Die Mitglieder waren bei der Gründung alle zwischen 15 und 18 Jahre alt und der Bandname ist angeblich auf Toms „teuflischen“ Gitarrensound zurückzuführen. Ab 2005 war die Truppe dann als „Tokio Hotel“ unterwegs, wurde von Universal Music entdeckt und der Rest… ist Geschichte.

Durchbruch mit Schattenseiten

Die Debütsingle „Durch den Monsun“ mit zugehörigem Video war der eigentliche Durchbruch der Band. Ob ihr wollt oder nicht, ihr könnt ziemlich sicher die eine oder andere Zeile des Songs immer noch auswendig. Das darauf folgende Album „Schrei“ erreichte in Österreich und Deutschland Platz 1 der Charts und der Erfolg von Tokio Hotel war nicht mehr aufzuhalten. Kreischende Mengen, ausverkaufte Konzerthallen und ein Hype, der seinesgleichen sucht, folgten. Man sah Tokio Hotel überall – vor allem auf Bravo-Covers und Postern, aber auch in diversen Sendungen und natürlich im Internet. Man entkam ihnen nicht, und entweder man liebte, oder man hasste sie.

Auch einige Awards konnten die Jungs abräumen, unter vielen anderen einen Bambi, einige Echos (bester Newcomer und zweimal für das beste Video („Der Letzte Tag“ und „Spring Nicht“)), MTV Europe Music Awards als Inter Act und Headliner und den Nickelodeon Kid’s Choice Award als beste Band.

Zwei Jahre, viele Konzerte und unzählige mit ihrer Musik eroberte Herzen später legten Tokio Hotel ein zweites Album nach, es trägt den Namen „Zimmer 483“. Darauf enthalten sind Hits wie „Übers Ende der Welt“ und „An deiner Seite (Ich bin da)“.

Beim dritten Album war der größte Teil des Hypes um die vier Jungs dann eigentlich schon wieder am Abflachen – „Humanoid“ wurde 2009 in einer englischen und einer deutschen Version veröffentlicht und war mit einer Kostüm- und Bühnentechnisch aufwendigen Europatour gekoppelt.

Der Erfolg bringt natürlich immer auch negative Seiten mit sich, besonders die mediale Aufmerksamkeit, das ständige Im-Rampenlicht-Stehen und diverse Stalking-Meldungen werden auf Dauer zur Qual. Vor allem das Aussehen von Sänger Bill wurde immer wieder kritisiert, seine extravaganten Outfits und Frisuren waren in der Öffentlichkeit oft Gesprächsthema. Deshalb entschieden sich die Zwillinge Bill und Tom nach Los Angeles zu ziehen, um dort die Anonymität der Großstadt zu genießen.

Neue Projekte und neuer Look

tokio_hotel_2

Der neue, erwachsene Look von Tokio Hotel

Es wurde sehr ruhig um Tokio Hotel. Zwischenzeitlich tauchten die Zwillinge 2012 in der Deutschland Sucht Den Superstar Jury auf, sonst hörte man nicht viel. Im Jahr danach häuften sich die Gerüchte und Hinweise darauf, dass es in der Zukunft eventuell neues Material von Tokio Hotel geben würde.

Am 3. Oktober 2014, nach drei vorab veröffentlichten Singles, erblickte „Kings Of Suburbia“ das Licht der Welt. Ich habe mir das Album mal während dem Schreiben dieses Artikels zu Gemüte geführt, und wollte mich nicht von den Kritiken beeinflussen lassen. Was als erstes auffällt: Alle Songtitel und Texte sind auf Englisch. Vor allem der Song „Girl Got A Gun“ blieb mir sofort im Ohr hängen, allerdings hat die Musik nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Stil der Band zu tun. Tokio Hotel haben sich verändert, ob zum Guten oder zum Schlechten, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Bemerkenswert ist, dass in den zehn Jahren Bandgeschichte kein einziger Mitglieder-Wechsel passierte und die vier Jungs immer noch in derselben Konstellation zusammen Musik machen. Optisch hat sich allerdings doch einiges verändert: Die Zwillinge wurden sich über die Jahre Stil-technisch immer ähnlicher und man konnte jedem einzelnen Bandmitglied irgendwie ein bisschen beim Erwachsenwerden zusehen.

Das Video zum oben erwähnten Song „Girl Got A Gun“ findet ihr hier, meiner Meinung nach ist es ziemlich verstörend und seltsam:

Momentan befinden sich Tokio Hotel mitten in der „Feel It All World Tour“. Der erste Teil in Europa ist schon abgeschlossen, im Juli geht’s dann in den USA weiter unter dem Titel „Part 2: The Club Experience“.

Wir sind gespannt, wie es mit Tokio Hotel weitergeht, die Band zeigt sich auf jeden Fall motiviert, weiter Musik zu machen und Shows abzuliefern.

Fotocredits: Universal Music

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.