Schmetterlinge im Bauch kennt man ja, aber ein Orchester hat wohl noch niemand im Magen gehabt. Hierfür hat ein tschechischer Künstler ein kleines Soundsystem designed, das allerdings einige Gefahren birgt.

Derzeit gehen einige Experimente von verhältnismäßig draufgängerischen Futureheads in Richtung Bionik und Erweiterung der körperlichen Sinne und Erfahrungen durch Technologie. Ganz groß im Kommen sind hier implantierte Funkgeräte oder Magnete, mit denen dann auch Magnetfelder wahrgenommen werden können. Quasi ein durch Technik errungener sechster Sinn.

Auch im Audiobereich grenzen hier manche Experimente an schieren Wahnsinn. So wie die Audiopille von Jan Poope, der mit bürgerlichen namen Jan Strmiska heißt. Der Conceptional-Artist aus Tschechien merkte beim herumexperimentieren mit einer zugelassenen italienischen Magensonde namens Sirio, die niederfrequente Ultraschalltöne ausstrahlt, um den Heilungsprozess bei inneren Verletzungen oder nach OPs zu beschleunigen. Dies ist in Ärztekreisen bereits anerkannt und wird daher zugänglich für Künstler wie Jan. Er merkte, dass Patienten pfeifende Töne in Ihrem Kopf wahrnahmen. Dabei kam ihm die Idee, ein kleines Soundsystem, oder wie er es korrekterweise nennt, „ein experimentelles Kunst-Gerät“, für den Magen zu bauen.

Die Audiopille – Party im eigenen Körper

Audiopill/Indiegogo

Jans Erfindung, die Audiopille, ist ein kleiner Bass in einer Mikrokapsel, der von einer externen Ultraschallquelle gespeist wird. Das ist ungefähr wie bei der Untersuchung einer Schwangeren, um die Gesundheit und Lage des Babys zu überprüfen. Diese muss rund 30 Sekunden bevor man sich die ersten Töne reinzieht geschluckt werden. Es dauert dann etwa eine Stunde bis die Pille sich ihren Weg in den gastro-intestinalen Trakt gebahnt hat, wo sie, zum Leid des Nutzers, große Schmerzen verursacht, laut Angabe von Jan. Das ist die Downside der Erfahrung, laut Jan ist es das aber allemal wert. Selbstverständlich rät er, so wie die von ihm konsultierten Ärzte, absolut davon ab diese Pille zu schlucken, da hier ernste lebensgefährliche Risiken, wie innere Verletzungen oder Darmverschlüsse bestehen, jedoch kann man einen Prototypen für ungefähr 150€ erwerben.

„Man fühlt sich, als ob man in der Mitte einer Konzerthalle steht, mit einem kraftvollen Audio-System im eigenen Körper. Oder wie wenn man inmitten einer Fabrikshalle voller Maschinen steht und einen Schlagbohrer in den Magen bekommt. Der einzige Unterschied zu normaler Soundwahrnehmung ist, dass es um einen herum komplett still ist und man die Töne bzw. Musik in perfekter Intimität und nur von Innen wahrnehmen kann.“, beschreibt Jan seine Erfahrungen mit seiner Erfindung.

Im medizinischen Bereich macht diese Erfindung sicherlich großen Sinn, für die Audiopille jedoch muss wohl jeder selbst entscheiden, ob man sich diese antun möchte. Es ist mit Sicherheit eine interessante „innerkörperliche“ Erfahrung.

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