Die drei Bands Triptonus, Cobario und Styronauten bekennen sich zur Sängerlosigkeit. Ihren Instrumenten verleihen sie umso kräftigere Stimmen.

Egal ob Rock, Pop oder Hip-Hop – nicht selten definiert sich eine Band über ihren Sänger oder ihre Sängerin. Hat man einen charismatischen Frontmenschen mit an Bord, der idealerweise auch noch recht passabel singen kann, ist einem ein gewisses Maß an Erfolg meist schon gesichert. Es gibt allerdings auch Bands, die einen anderen Weg einschlagen. Die Akustik-Klassiker Cobario, die psychedelischen Rocker Triptonus und die experimentellen Soundkünstler Styronauten haben eines gemeinsam: Sie haben sich der rein instrumentalen Musik verschrieben. Ohne Text und Gesang und somit auch ohne das eine Bandmitglied im Rampenlicht verstehen sie es, den Zuhörer nur mit ihren Instrumenten in den Bann zu ziehen.

In der Not anders sein

Für keine der drei Bands war es eine bewusste Entscheidung, ein rein instrumentales Projekt zu starten. Bei Triptonus und den Styronauten spielte zwar die Tatsache, dass kein passender Sänger gefunden wurde, eine Rolle, letztendlich war es aber der Gefallen an der Idee, sich voll und ganz auf die Instrumente zu stützen, der sie von der Sängerlosigkeit überzeugte. „Mit der Zeit reifte die Musik auch soweit, dass ein Sänger nicht mehr nötig war“, erzählt Clemens Hackmack, Gitarrist von Triptonus. Zusätzlich sympathisierten die Styronauten mit der Vorstellung, keine 08/15 Band in der gewöhnlichen Besetzung zu sein.
Anderssein kann durchaus Vorteile mit sich bringen. „Uns gefiel von Anfang an der Gedanke, dass sich der Zuhörer seine eigene Geschichte zu jedem Lied ausmalen kann“, beschreibt der Gitarrist von Cobario, Jakob Lackner, einen positiven Aspekt reiner Instrumentalmusik. Thematische Grenzen überschreiten und ohne Worte und den damit verbundenen Assoziationen Menschen zu berühren, ist auch für die anderen beiden Bands ein wichtiger Teil ihres kreativen Schaffens. Dazu kommt, dass Musik ohne Text überall auf der Welt spielbar ist und einen äußerst meditativen Charakter annehmen kann. „Wir feuern unsere Noten einfach viel tiefer ins Unterbewusstsein und ins Triebhafte“, so Hackmack.
Cobario, Triptonus und die Styronauten sind sich aber auch der negativen Aspekte bewusst. „Zuhörer halten sich gerne an Worten und Frontmenschen fest“, nimmt Roland Renner, Bassist der Styronauten, zur Kenntnis. Deshalb muss das Fehlen eines solchen Bezugspunkts umso mehr durch konstante Abwechslung und Spannung ausgeglichen werden. Es gäbe eben doch nichts, das die Aufmerksamkeit mehr errege, als die menschliche Stimme, meint Hackmack. Einen weiteren Grund, warum Instrumentalmusik eher ein Nischengenre sei, sieht Georg Aichberger, Gitarrist bei Cobario, in der Tatsache, dass man ohne Text keine eindeutige Message verbreiten könne. Der ohne thematischen Schwerpunkt entstehende Freiheitsgrad ist also sowohl ein Plus- als auch ein Minuspunkt der textlosen Musik.

Wort-Ersatz

Während es bei Triptonus kaum so etwas wie ein fixes Thema gibt, greifen die Styronauten und Cobario zu den verschiedensten Mitteln, um Gefühle und Thematiken ohne Worte darzustellen. Unterschiedliche Tempi, Klangfarben und Instrumente werden verwendet, um verschiedenste Bilder im Kopf der Zuhörer hervorzurufen. Die Styronauten bedienen sich vor allem an dem großen Spektrum von Tasteninstrumenten, beschreibt Pianist Heinz Hoppaus: „Eine Orgel kann zum Beispiel Angst erzeugen, ein warmer Padsound [atmosphärischer Klang] Wohlbehagen und ein quietschender Synthlead kann die Lachmuskeln anregen.“
Cobario verlassen sich live nicht ganz auf ihre instrumentalen Facetten, sondern erzählen gerne Entstehungsgeschichten oder Anekdoten zu den einzelnen Songs, um die Zuhörer in eine gewisse Stimmung zu bringen. Auf ihren Aufnahmen sprechen aber nur ihre Instrumente. Die Rolle des Melodieträgers wird da bei meist von der Geige übernommen, während bei den anderen beiden Bands sowohl Gitarre, Bass, aber auch Tasteninstrumente führen können. Wenn es um die pure Atmosphäre geht, wird meistens gar kein Instrument in den Vordergrund gestellt.

Grüße aus Hollywood

Instrumentalmusik ist nicht nur offen für Interpretationen, sondern eignet sich auch besonders gut zur Untermalung von Filmen. Kompositionen von Cobario wurden beispielsweise bereits für ein kanadisches Filmprojekt und für die vierte „Brenner“-Verfilmung „Das ewige Leben“ mit Josef Hader verwendet. Ingo Hauer, Schlagzeuger der Styronauten, könnte sich ihre Musik besonders gut als Untermalung von Stummfilmen vorstellen. Triptonus erprobten ihre Filmtauglichkeit bereits bei einer LiveShow: „Bei einem Konzert lief ‚Fear and Loathing in Las Vegas‘ auf einer Leinwand im Hintergrund. Das passte ziemlich gut zusammen.“
Obwohl sie offen für Neuerungen sind, ist es für Cobario und die Styronauten so gut wie sicher, dass ihr Fundament auch weiterhin die Instrumentalmusik bleiben wird. Beide Gruppen erprobten bereits eine Zusammenarbeit mit Gesang, jedoch wurde dieser nur als Stilmittel eingesetzt. Clemens Hackmack von Triptonus spielte da schon öfter mit dem Gedanken an einen zusätzlichen Sänger. Er überlässt die Entscheidung aber der Musik: „Wenn in Zukunft ein Song nach Vocals verlangt, warum nicht?“ Bis dahin lassen alle drei weiterhin nur ihre Instrumente für sich sprechen.

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