Mitte der 1960er Jahre bildete sich der Jazz Rock, auch als Fusion bezeichnet mit der Raffinesse des Jazz, der rhythmischen Intensität des Funk und der Kraft des Rock aus. Im darauffolgenden Jahrzehnt wird diese Form des Rock sehr populär und ist in veränderter Form bis heute erfolgreich. Die Geschichte des Fusion Jazz begann 1962 in New York City, als sich die Gruppe Jeremy and the Satyrs um den Jazz-Flötisten Jeremy Steig formiert. Deren Bedeutung für den Stil ist jedoch schwer nachzuweisen, da Jeremy and the Satyrs erst 1968 ihre erste Vinyl rausbringen.

Blues Projekt begann ebenso als einer der ersten Bands Folk Rock, Blues Rock und Jazz miteinander zu verbinden. Des Weiteren sind das Quintett Free Spirits und Künstler wie John Handy, Jerry Hahn, Micheal White oder Mike Nock als wichtige Begründer des Fusion Jazz zu nennen. In Europa entstand eine ähnliche zum Teil unabhängige Jazz Rock-Bewegung, die aber kommerziell kaum Erfolge erzielte. The Graham Bond Organization ist da zu nennen, die das Mellotron, ein elektromechanisches Tasteninstrument einführten und deren Bassist auch melodische Funktionen übernahm.

Video: Herbie Hancock & The Headhunters – Sly

Zwei Mitglieder dieser Band – John McLaughlin und Jack Bruce – sollten wie ihr Landsmann Dave Holland später entscheidend zur Entwicklung des Jazz Rock in den USA beitragen. Die Anerkennung dieser musikalischen Strömung war aber erst nach Miles Davis´ Veröffentlichungen „In a Silent Way“ und „Bitches Brew“ möglich. War Jazz bislang von akustischen Instrumenten dominiert kamen nun auch E-Gitarre, E-Piano, E-Violine und Synthesizer hinzu. Das Schlagzeug wurde von seiner Rolle als ausschließlich taktgebendes Instrument befreit und avancierte zum vollwertigen Soloinstrument. Polyphonie bezeichnet die weitestgehende Gleichberechtigung aller Musiker und deren Instrumente. Auch wenn den Solisten ihre tragende Rolle nicht ganz aberkannt wurde, waren Bass und Schlagzeug nun mehr als reine Begleitinstrumente. Neu waren in jener Zeit auch Rockbands, die ihrer Besetzung Bläser hinzufügten.

Video: Cick Corea – Return To Forever

Einige Fusion Musiker konnten außergewöhnlich große kommerzielle Erfolge verzeichnen, so auch das Album „Head Hunters“ von Herbie Hanckock. Um 1975 entsteht mit Jazz Funk eine weitere Untergattung des Fusion-Stils. Die Musik war trotz komplizierter Metren und Taktwechsel tanzbar. Andere Bands, die ausschließlich den kommerziellen Erfolg durch die Musik suchten führten durch allzu starke Pop- und Diskoeinflüsse zur Verflachung des Niveaus des Fusion Jazz. Die Virtuosität der Musiker verkommt scheinbar zum Selbstzweck.

Video: Dave Douglas – Earmarks

Dave Douglas oder Medeski, Martin & Wood besinnen sich Ende der 1990er Jahre verstärkt auf die Wurzeln des Jazz Rock. Vor allem die Entwicklung des Jazz wurde rückblickend stark von der Fusion beeinflusst, welche vielen bis dato unbekannten Jazz-Musikern eine Bühne gab. Andersherum hielt mit den technisch nach Perfektion strebenden Künstlern ein hoher Grad an Professionalität Einzug in die Rockmusik. Weitere wichtige Gruppen des Jazz Rock sind Chick Coreas „Return To Forever“, John McLaughlins „Mahavishnu Orchestra“ und Joe Zawinuls „Weather Report“. Die eben genannten Musiker wirkten auch bei dem alles auslösendem Album „Bitches Brew“ von Miles Davis mit.