Wiener Musiker setzen ein Zeichen für ein Miteinander mit jugendlichen Asylwerbern in Wien Erdberg. Jugendzentrum come2gether veranstaltet AsylRock.

Im Jugendzentrum Come2gether in 1030 Wien werden seit dem 7. August Musiknachmittage mit Asylwerbern aus dem Flüchtlingscamp Wien Erdberg abgehalten. Music-news.at berichtete. Mitinitiator Peter Paul Aufreiter, selbst Musiker in Wien, ist zufrieden, wie sich der Initiative angenommen wurde und wie sich die Musiknachmittage inzwischen entwickelt haben: „Wir wollten nicht immer nur über die negativen Reaktionen der Österreicher auf den derzeitigen Ansturm von Asylwerbern in den Medien lesen, und mussten einfach mit AsylRock aktiv ein positives Zeichen setzen.“

Das Jugendzentrum Come2gether wurde beauftragt für die großteils jugendlichen Asylwerber des Camps Erdberg ein Freizeitprogramm zu gestalten. Es sollten aber neben Deutschkursen, die bereits intensiv laufen, auch kulturelle Angebote geben. So entstand bereits über den Sommer ein Trommelworkshop, der begeistert angenommen wurde. Peter Paul Aufreiter trat gemeinsam mit seinen Mitstreitern von sich aus an das Jugendzentrum heran mit dem Ziel einen Rock-Workshop für die Jugendlichen organisieren. Die Initiative AsylRock wurde von come2gether sofort unterstützt. Über Facebook und andere Netzwerke wurden Musiker aus ganz Wien gesucht, die Interesse haben, an diesem Workshop für die Jugendlichen teilzunehmen. Für jede Session wurden zwei GitarristInnen, ein(e) BassistIn und ein(e) SchlagzeugerIn gesucht. Außerdem wurden zwei bis vier Leute gesucht, die sich mit den Teilnehmern beschäftigen, die gerade kein Instrument zur Hand haben; einfach gemütlich abhängen, quatschen (die meisten sprechen Englisch) und Spaß haben.

AsylRock- Workshop in Wien Erdberg

Am 31. Juli fand das Koordinierungstreffen der Musiker im Jugendzentrum in Erdberg statt, es hatten sich bereits über 10 Musiker spontan bereit erklärt an dem Workshop teilzunehmen. Das Jugendzentrum besitzt einen wunderbaren Veranstaltungsraum mit Bühne und mehr als ausreichender Technik. Alle Musiker waren beeindruckt und freuten sich schon auf die erste Session in der kommenden Woche.

Die Premiere

Dann war der große Tag der Premiere da. Niemand wusste genau was passieren würde. Die Musiker trafen sich schon um 14:00 Uhr, um alles für die Ankunft der Jugendlichen vorzubereiten. Die einzelenen Instrumente wurden im Raum aufgeteilt. Bass-Equipment kam in die eine, die Gitarren und Amps in die andere Ecke. Das Schlagzeug wartete auf der Bühne spielbereit. Dann marschierten die TeilnehmerInnen ein. Nach einer kurzen Begrüßung kam es zu einer Vorstellungsrunde auf Deutsch und auf Englisch. Die Jugendlichen wurden aufgefordert sich in die Bereiche des jeweiligen Instruments zu begeben, das sie am meisten interessierte. Die Musiker hatten sich als Ziel gesetzt mit „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana zu beginnen.

Die AsylRock – Teilnehmer zeigten sich sehr interessiert und versuchten gleich erste Schritte auf den, für sie zumeist ungewohnten Instrumenten, zu machen. Es entwickelte sich augenblicklich ein akustisches Wirrwar von Klängen aus den zwei Gitarren-, drei Bassamps, dem Schlagzeug und einigen Perkussionsinstrumenten. Dies störte die Jungmusiker aber nicht sonderlich. Sie freuten sich endlich ein wenig Ablenkung zu erfahren. Da nicht für alle Teilnehmer gleichzeitig Instrumente zum Üben zur Verfügung standen, spielten einige Freiwillige auch Gesellschaftsspiele mit den Jugendlichen und unterhielten sie, bis wieder ein Instrument frei war. Es wurden einige Anläufe genommen, dass alle gemeinsam das Thema von „Smells like Teen Spirit“ spielen. Mehr oder weniger gelang dies auch. So gingen die zwei Stunden rasant zu Ende und es war wieder Zeit Abschied zu nehmen. Zum Schluss wurden die Musiker gebeten, wenigstens einmal selbst den Nirvana-Song zu performen. Diesen Gefallen taten die Musiker den Teilnehmern auch gerne.

Als die Jugendlichen das Gebäude verlasen hatten ging es ans Einpacken und die Frage, wie die ganze Veranstaltung wohl angekommen sei und wie viele Teilnehmer am nächsten Freitag erscheinen werden….

The Show must go on

Der nächste Freitag war etwas spärlicher besucht, da der Musiknachmittag mit einem Fußballspiel konkurrieren musste. Durch das Überangebot an MusikerInnen konnten die Teilnehmer auch einzeln gut betreut werden. Auch beim dritten Termin waren mehr MusikerInnen als Teilnehmer anwesend. Doch die anwesenden Asylwerber wollten gar nicht mehr aufhören, auch als die zwei Stunden schon vorüber waren. Es trat die Bitte auf, die Instrumente zum Üben über die Woche mitnehmen zu können. Dies freute die Musiker ganz besonders, da bei einigen Teilnehmern der Funke zum „aktiv Musiker“ übergesprungen ist. Von Come2gether wurde in Aussicht gestellt, dass auch im September der Workshop AsylRock weiter geführt werden soll.

Asylwerber rocken mit Wiener Musikern.

Die nächsten Termine:
Freitag, 28. August
Freitag, 04. September
Jeweils von 14:30 – 16:30 Uhr

Adresse:
Jugenzentrum Come2gether
Baumgasse 75
1030 Wien
U-Bahn Station Schlachthausgasse

Fotos: Joseph Lukas Vonblon

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.