Mit seiner neuen Single Aerial Love entfernt sich Daniel Johns völlig vom Silverchair-Sound, bewegt sich stattdessen in Richtung Pop und R’n’B.

Es bedurfte einiger Zeit des Grübelns, um soweit zu kommen diesen Artikel zu schreiben. Einige Zeit des Nachdenkens über Sinn und Unsinn. Denn der Schritt von Silverchairs Frogstomp zu Daniel Johns Solo-Single Aerial Love ist ein großer für ein Musiker und ein wohl schwer verständlicher für dessen Fans.

Vom Grunge zum Pop in unter 20 Jahren

Im Jahr 1995 avancierten Silverchair – wenn auch ein wenig verspätet – zu Australiens Beitrag zum Grunge. Mit Songs wie „Pure Massacre“ und „Tomorrow“ ließen die drei Schüler ihren jugendlichen Aggressionen freien Lauf. Ihre Hörer dankten es ihnen. So wie es in Teenie-Jahren eben läuft, entwickelten sich Silverchair sehr schnell weiter, kontrollierten zunehmend die rohe Aggression in ihrer Musik und ließen immer mehr experimentellere Elemente einfließen. Der Prozess gipfelte im 2007er Young Modern, das einem sehr poppigen Artrock näher kam, denn dem rohen Sound der frühen Alben. Young Modern sollte der Schlussstein in der musikalischen Entwicklung der Band sein, 2011 löste sich Silverchair endgültig auf.
Jetzt, vier Jahre später, kehrt Daniel Johns mit Aerial Love zurück auf den Musikmarkt. Und das Ergebnis erinnert in keinster Weise mehr an frühere Zeiten. Wüsste man nicht, dass es Johns ist, man würde wohl nicht darauf kommen.

Aber hört doch selbst…

Auf Aerial Love soll in näherer Zukunft ein komplettes Soloalbum folgen.

Darf er das?

Doch es stellt sich die Frage: Darf ein Rockmusiker dem Rock den Rücken kehren und plötzlich die R’n’B-Charts in seinen Fokus nehmen? Darf ein ehemals bejubelter, junger Rockmusiker so flach* und beliebig* klingen? Hat er denn keine Verantwortung seinen Fans gegenüber, die ihn so lange unterstützt haben und ihm seine Karriere erst ermöglicht haben?

Ja, er darf das und niemand sollte ihn in die Verantwortung ziehen, die Musik zu machen für die wir ihn immer geliebt haben. Schließlich ist er am Ende des Tages ein Musiker, ein Künstler, kein Entertainer.
Auch wenn ich von „Aerial Love“ kaum die ersten zwei Minuten ertrage…

* … Gemeint ist in keinster Weise das Genre R’n’B im Allgemeinen. „Flach und beliebig“ bezieht sich hier lediglich auf diese Spezielle Ausgeburt im Bereich dieser Stilrichtung.

Fotocredit: Daniel Johns

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