Mit ihrer Gründung Mitte der 90er-Jahre gelten Darkfall als eine der längstgedienten, noch aktiven Metalbands Österreichs. Trotz ihrer langen Karriere hat es bis zum Jahr 2013 gedauert, bis ihre erste Scheibe in Albumlänge erschien.

Zwei bewegte Jahrzehnte, zahlreiche Besetzungswechsel und ein langer Sound-Findungs-Prozess haben ihren Tribut gefordert. Erst in den vergangenen Jahren etablierte sich eine weitestgehend stabile Besetzung. Zeugnis dessen ist das 2017 erschienene zweite Studioalbum „At The End Of Times„. Ein Album, das für die Death Metal Band weniger Grund zum Verweilen und Rasten gibt, sondern viel mehr eine Quelle der Inspiration für weitere Werke darstellt. Die Pläne für 2018 zeichnen sich langsam ab, doch wieder stehen bandinterne Veränderungen an.

Music News: Im September erschien euer siebter Tonträger bzw. euer zweites Studioalbum „At The End Of Times“. Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Thomas Spiwak: Ja, nach langer und harter Arbeit wurde endlich unser zweites Full-Length-Album über Black Sunset/MDD Records weltweit veröffentlicht. Im Großen und Ganzen sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, wenngleich man schon kurz darauf wieder Ideen oder Vorsätze für das kommende Werk im Hinterkopf hat. „At The End Of Times“ war sicher wieder ein Schritt in die richtige Richtung, aber es gibt immer Luft nach oben, und es ist unser Anspruch, diese Luft noch dünner werden zu lassen. Die Reaktionen seitens der Presse und Fans sind größtenteils positiv, von daher können wir auch in dieser Hinsicht nicht alles falsch gemacht haben.

Music News: Würdet ihr im Nachhinein etwas anders machen?

Thomas Spiwak: Ich denke, dass man als Musiker mit etwas nötigem Abstand nie so ganz mit sich selbst oder seinen Werken zufrieden ist. Man ist zwar stolz darauf, dass man ein Kapitel in Form eines Albums zu Ende gebracht hat, aber man findet fast immer ein Haar in der Suppe und möchte beim nächsten Mal alles, vieles oder einiges wieder besser machen. Man möchte sich stets weiterentwickeln und Stagnation vermeiden. Für mich gilt der Anspruch, Gutes noch besser zu machen, auch wenn es manchmal passieren kann, durch dieses Streben etwas die Spontanität oder das sprichwörtliche Gefühl zu verlieren. Hier ist es wichtig die richtige Balance zu finden und nicht über das Ziel hinauszuschießen.

Music News: Für „At The End Of Times“ habt ihr zum dritten Mal mit Produzenten Peter Fritz vom Studio 66 in Gleisdorf zusammengearbeitet. Habt ihr in ihm den richtigen Mann für eure Gegenwart und Zukunft gefunden?

Thomas Spiwak: Auf den letzten drei Veröffentlichungen war Peter immer in irgendeiner Art und Weise beteiligt. Wenn es nach mir geht, soll dies auch so bleiben. Ich für meinen Teil würde auch weiterhin meine Gesangsspuren für ein etwaiges drittes Album bei ihm aufnehmen wollen, da das Tonstudio 66 für mich einfach die perfekten Bedingungen bietet. Ich denke, dass sich Peter auch über die Jahre hinweg sehr gut auf meine nicht unbedingt immer einfache Arbeitsweise eingestellt hat und wir ganz gut miteinander zurechtkommen.

Music News: Darkfall gibt es seit nunmehr 22 Jahren, in dieser Zeit habt ihr sieben Tonträger veröffentlicht. Gab es Zeiten, in denen ein Ende der Band im Raum stand?

Thomas Spiwak: Ja, nach nunmehr schon knapp 23 Jahren gab es doch einige Momente, in denen alles an der Kippe stand. Besonders die gröberen Besetzungswechsel in den Jahren 2004, 2006, 2009 und 2012 setzen der Band sehr zu und es war nicht leicht, aus diesen Zeiten wieder gestärkt hervorzugehen. Es dauerte leider wirklich bis 2012 bis Darkfall wieder eine stabile Mannschaft am Start hatte, welche zügig an neuem Material arbeiten und daraus resultierend eben die beiden Alben „Road To Redemption“ und „At The End Of Times“ auf den Markt bringen konnte. Trotz der Veröffentlichungsarmut waren wir live immer präsent, und konnten uns so über schwierige Phasen retten. Aber die Löcher in Form von fehlenden Alben schmerzen im Nachhinein doch sehr.

Music News: Wie bereits angesprochen, ihr habt mittlerweile sieben Platten veröffentlicht? Habt ihr ein Lieblingsalbum, oder ist ohnehin das letzte immer das beste?

Thomas Spiwak: Jede unserer Veröffentlichungen steht für einen wichtigen Meilenstein in unserer Karriere, von daher möchte ich nicht unbedingt von einem Lieblingsalbum oder einer Lieblingsveröffentlichung sprechen. Egal, ob wir über unsere ersten Demos oder unsere letzten Alben sprechen, jedes dieser Tondokumente ist Teil unserer Geschichte und brachte Darkfall dorthin, wo wir heute stehen. Ich bin auf jedes einzelne Werk stolz und denke, dass man anhand unserer Veröffentlichungen sowohl die Entwicklung als auch den roten Faden der Band sehr gut nachvollziehen kann. Sicher haben wir uns seit unserer Gründung 1995 stets weiterentwickelt, aber man kann auch gut erkennen, dass wir unseren Wurzeln immer treu geblieben sind und gewisse Elemente immer wiederzufinden sind.

Music News: Thomas, du bist das letzte verbliebene Gründungsmitglied von Darkfall. Gab es Besetzungswechsel, die du im Nachhinein bereust oder Bandkollegen, denen du nachtrauerst?

Thomas Spiwak: Darkfall entwickelte sich so, wie sich die Band entwickeln musste. Konstellationen innerhalb der Band zerbrachen, weil sie nicht mehr funktionierten bzw. manche dachten, dass sie bestimmten Ansprüchen nicht mehr gerecht wurden. Hier gab es sicher einige Fehlentscheidungen, welche die Band im Endeffekt weit zurückwerfen sollten. Aber dies ist alles Schnee von gestern. In der Gegenwart und Zukunft spielt die Musik, nicht in der Vergangenheit.

Music News: Nach einem Musikerverschleiß, größer als der Kader unserer Fußballnationalmannschaft, ist jetzt die ideale Besetzung für die Zukunft gefunden?

Thomas Spiwak: Menschen entwickeln sich weiter, Umstände ändern sich. Auch jetzt gerade findet wieder eine Neuausrichtung innerhalb der Band statt, welche uns in irgendeiner Art und Weise verändern wird. Wohin diese Reise geht, kann ich aus heutiger Sicht leider noch nicht beantworten. Aber die kommenden Wochen und Monate werden sowohl für mich und uns als Band sicher sehr spannend werden. Sobald hier alles geklärt ist, wird es ein Statement dazu geben.

Music News: Werden Entscheidungen bei Darkfall trotz der vielen Wechsel demokratisch getroffen, oder ist Darkfall eine Diktatur?

Thomas Spiwak: Viele dieser Wechsel passierten aufgrund diverser Gegebenheiten, auf welche ich nur wenig bis gar keinen Einfluss hatte. Wie gesagt, Menschen und Dinge verändern sich. Grundsätzlich ist Darkfall eine demokratisch geführte Band, wobei ich mir als letztes verbliebenes Gründungsmitglied doch manchmal ein gewisses Vetorecht herausnehme. Aber ich bin jetzt sicher kein irrer Diktator, der seine Bandkollegen im Proberaum ankettet und auf Wasser und Brot setzt, sollte es mal nicht nach meinem Kopf gehen. Ich habe bestimmte Vorstellungen über die Band Darkfall und stehe für diese Vorstellungen ein. So kann es schon mal zur einen oder anderen emotionaleren Diskussion kommen. Aber es gibt immer einen Dialog und einen daraus resultierenden Konsens hinter dem jedes einzelne Bandmitglied stehen können sollte.

Music News: Welche Songs laufen bei euch am Heiligen Abend?

Thomas Spiwak: Bei mir zu Hause eigentlich die gleichen Party- und Splatterhits wie auch das restliche Jahr. Zur Feier des Tages schafft es auch an Weihnachten eine Scheibe von Manowar in den Player. Jeden Tag etwas Manowar, das ist meine Tradition. Da ist auch Weihnachten keine Ausnahme. Den Abend selbst verbringe ich dann im Kreis meiner Familie. Da kann es dann schon sein, dass jetzt nicht unbedingt Deicide oder Obituary aus den Boxen dröhnt.

Music News: Wie sehen die Pläne für die absehbare Zukunft aus?

Thomas Spiwak: Grundsätzlich wollen wir live wieder mehr auf Qualität anstatt Quantität setzen und uns mehr auf das Wesentliche beschränken. Das Business wieder etwas mehr außen vor zu lassen und uns voll und ganz auf die Band an sich konzentrieren.

Music News: Zum Schluss: Gibt es irgendwelche guten Vorsätze für das neue Jahr?

Thomas Spiwak: Was die Band betrifft, wurde das meiste bereits gesagt. Vielleicht noch so viel, dass es an der Zeit ist aus den Fehlern der jüngeren Vergangenheit zu lernen und sich wieder neu zu positionieren. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Und natürlich wollen wir auf der Bühne wieder unser Bestes geben. Derzeit sind wir für das Feel The Noise Festival, Vienna Metal Meeting, Czech Death Fest, Aaargh Festival, Gothoom Open Air und Metal On The Hill bestätigt. Weitere Shows und Festivals sind in Planung, von daher werdet ihr uns auch 2018 nicht loswerden.

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