„Where is the drama“ heißt eine neue Spotify-App, die die Höhepunkte unserer Lieblingssongs für uns findet. Wir haben’s ausprobiert.

Ein „kleines Spaß-Projekt“, so bezeichnet Paul Lamere sein Spotify-Plugin, das für User den ‚dramatischsten‘ Moment eines Songs herausfindet. Ich habe „Where is the Drama“ ausprobiert und mir einen meiner Lieblingssongs, der zweifelsohne genügend Drama beinhalten sollte, mit der App angehört – „Heart-Shaped Box“ von Nirvana. Das Resultat: Wenig überraschend identifiziert die App das ‚Drama‘ kurz vor dem Refrain. Zugegeben, das war nicht schwer, denn zu messen, wann Kurt Cobain’s „Hey, wait“ am lautesten und intensivsten ist, scheint keine große Herausforderung zu sein. So leicht will ich es der App aber nicht machen. Deshalb füttere ich sie mit einem möglichst undramatischen, nichtssagendem Song – und entscheide mich für „Dreh den Swag auf“ von Money Boy. Amüsiert stelle ich fest, das Drama findet laut Spotify-App seinen Höhepunkt bei Minute 1:20, das heißt bei der bewegenden Zeile „Schaue kurz in den Spiegel sag what up“. So dramatisch es sein mag, in den Spiegel zu schauen und „what up“ zu sagen – ich frage mich schmunzelnd, was genau der Nutzen dieser App sein soll.

Ist Musik messbar?

Was ich mich bei allem Respekt vor Menschen, die viel Zeit und Energie aufwenden um komplexe Algorithmen zu unserem Entertainment zu entwickeln, frage, ist: wozu das Ganze? Wir leben in einer Gesellschaft, in der es für praktisch alles eine App gibt und in der wir eigentlich so gut wie nichts mehr selbst machen müssen. Zweifelsohne ist es praktisch und den Alltag erleichternd, wenn uns diverse Programme Arbeit abnehmen. Aber was Musik betrifft, finde ich den Gedanken gruselig, dass sogar ‚dramatische Musikmomente‘, die ja – glaube ich – letztlich im Auge der Hörenden liegen, vermessen und für uns ‚aufbereitet‘ werden. Mein Fazit: Ich kann oft nicht benennen, warum ich diesen oder jenen Moment in einem Song besonders berührend finde. Aber genau darin liegt meiner Meinung nach das Undefinierbare, Faszinierende an der Musik – die Subjektivität der Wahrnehmung und die eigene Fantasie, die durch einen schönen/lustigen/traurigen Song inspiriert wird. Trotzdem: probiert es ruhig mal aus, macht definitiv Spaß.

Foto: Spotify

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