Gedanken eines Fans!

HINWEIS: Dieser Text enthält lediglich Gedanken und Meinungen des Autors und stellt zum aktuellen Anlass eine reine Verarbeitungsmöglichkeit dar. Laut gedacht, niedergeschrieben, veröffentlicht.

Nicholas hat gestern verkündet, dass er sich von Jupiter Jones getrennt hat. Nachdem mir ein Redakteurskollege diese Neuigkeit erzählt hat, konnte ich das zunächst nicht glauben und hielt es für einen schlechten Scherz. Die ganze Sache wurde spätestens dann real, als eine Freundin, welche meine Leidenschaft zu dieser Band teilt, anrief und mich zuallererst fragte, „Faraz, sitzt du?!“

Ich war einfach unglaublich geschockt und fassungslos. Was?! Warum?! Wieso?! Das waren die ersten Fragen, die wie ein Karussell in meinem Kopf kreisten. Mir war durchaus bewusst, dass Nicholas an einer Angststörung leidet und ihm das vieles im Leben nicht einfach macht. Dennoch hat er immer Zuflucht und Verständnis in seiner Musik und in seinen Texten gefunden. Für ihn war die Band immer vergleichbar mit einer Safety Zone: Ein Ort völliger Losgelöstheit von all den Zwängen und Ängsten, die ihm permanent die Tage zur Hölle machten. Nicholas möchte für die Band einfach keine Belastung mehr darstellen. Das ist absolut verständlich.

Daher fühle ich mich fast schon schuldig und irgendwie auch heuchlerisch, wenn ich über diesen Schritt traurig bin. Diese Band und vor allem Nicholas‘ Texte waren für mich immer wie ein Kompass, der mich stets durch finstere Zeiten lotste – und sollte ich mal vor lauter himmelhochjauchzender Euphorie die Bodenhaftung verloren haben, so fand ich durch seine Texte immer meine Erdung wieder. Dieser Mensch schaffte es, mich immer da abzuholen wo ich gerade war. Und zwar mit Zeilen wie:

„Und was nützt uns uns’re Weisheit in ’ner ausgemachten Scheißzeit?
Und was nützt uns die Erkenntnis, dass das was Heimat war jetzt Fremde ist?
…Wenn wir trotzdem niemals lernen, was es heißt sich zu entfernen
ohne jemals ganz zu geh’n
Wenn’s das gäbe, wär das schön.“

(Und dann warten)

„Trag den Kopf in all den Wolken und die Füße im Beton.
Was ich bräucht‘ wär ein zuhause,sowas ähnliches wie Glück.
Es gibt für beides einen Ort „zurück.“
Wir leisten uns Geschichten,die nie weitergehen, weil wir in Ländern waren und uns alles endlos schien.
Wir wissen nicht wohin.
Wir gönnen uns ein Leben das zum Sterben ist.
Sterbenselend,sterbenstraurig,sterbensalbern ist.
Wohin?“

(Hundertausend Typen wach)

„Wir waren mal Hals über Kopf
und furchtlos und selten und gut
Ich frag mich oft ob wirs nur lassen
weil jeder das irgendwann tut
Ich würd dir so gern was versprechen
sowas wie „alles wird heil“
Wenn wir uns einfach schwören können:
wir fangen von vorne an
Für alles das was zählt
fangen wir von vorne an“

(Rennen+Stolpern)

Das waren alles Leitpfade meines Lebens. Darf ich traurig darüber sein, dass Nicholas jetzt mal auf sich selbst schaut? Darf ich überhaupt traurig darüber sein, dass er nicht mehr auf der Bühne stehen wird, weil seine Lebensumstände es ihm einfach unmöglich machen?

Ich kann es nicht ändern: Ich bin einfach tief traurig, wünsche Nicholas aber das ALLERBESTE, weil er es wirklich verdient hat!

DANKE FÜR ALLES WAS DU FÜR DEINE FANS UND VOR ALLEM FÜR MICH GETAN HAST! Deine Texte werden immer in meinem musikalischen Herzen bleiben und weiterhin in ausweglosen Situationen das Beste für mich tun: Mich beruhigen! DANKE VIELMALS.

Auf das Leben.
Faraz
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(KOPIE VON DER JUPITER JONES FACEBOOK PAGE)

Hallo Angst, Du Arschloch!!!

Da schreibt man 16 seiner 32 Lebensjahre Texte und immer dann, wenn es darauf ankommt, hat man keine Ahnung, was man schreiben soll. Ich mache es kurz und nehme den Knalleffekt voraus: Ich bin raus. Nicht länger mehr ein
Mitglied des Jupiter Jones-Kollektivs. Dafür gibt es Gründe. Traurige, aber plausible Gründe. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man ehrlich zu sich selbst und allen anderen sein sollte. Der Punkt, an dem ein „Ich kann nicht mehr“ die einzige Lösung und völlig legitim ist. So habe zuerst ich und dann wir gemeinsam entschieden, dass es ohne mich weitergehen muss.

Ich werde all das unglaublich vermissen. Das tue ich schon jetzt. Ich werde Euch vermissen, liebe Fans, Freunde, die Crew, die Straßenkämpfer, all die guten Momente, die mein Leben alles andere als alltäglich gemacht haben. Weil alltäglich nie eine Option war. Ich wünsche den Jungs alles Glück der Welt für alles, was jetzt noch kommen wird. Es waren 12 fantastische Jahre und selbst dann, wenn es mal so aussah, als würde es nicht weitergehen, haben wir die Sache gemeinsam gestemmt. Ich bedanke mich für die Loyalität, die Freundschaft, für die Geduld und für all die Momente, in denen ich aufgefangen wurde, wenn mir die Kraft zum Stemmen ausgegangen war. Die Jungs haben einen großartigen Job gemacht und den werden sie auch ohne mich machen. Wenn ich mir eins wünschen darf: Haltet ihnen die Treue, besucht die Konzerte, feiert was das Zeug hält und schreit ein „Auf das Leben“ für mich mit.

Durch den Ausfall sind Schäden entstanden. Wären sie nur finanzieller Natur, sie hätten irgendwie bezahlt werden können. Allerdings macht nichts müder und mürber als Ungewissheit und ständiges Straucheln. Rennen und Stolpern. Genau in diese Situation musste ich alle immer wieder bringen, da nie wirklich klar war, wie und wie lange ich belastbar sein konnte, was wiederum zur großen Belastung für alle Beteiligten wurde.

Ich laufe nun schon seit einigen Jahren mit einer vermaledeiten Angststörung durch die Weltgeschichte. Eine ekelige Angelegenheit, viel weiter verbreitet als so manch einer denkt und es muss mehr darüber gesprochen werden. Dringend. Aber das soll irgendwann an einer anderen Stelle geschehen.
Was wichtig ist: Ich war und bin damit nie allein und dafür bin ich unendlich dankbar. Was ich aber gerne verhindert hätte, ist die Tatsache, dass ich dadurch vielen Menschen in meinem Umfeld Kummer verursacht habe. Als mit Pauken und Trompeten die letzte Tournee in allerletzter Sekunde abgesagt werden musste, gab es eine Menge Genesungswünsche und „Kopf hoch und Arsch in den Sattel“ für mich. Das hat gut getan, dafür bedanke ich mich von Herzen, allerdings habe ich mit jedem dieser Wünsche
gespürt, wie wichtig es wäre, auch einen Blick hinter die Kulissen und auf alle Beteiligten zu werfen.
Ich kümmere mich nun um meine Genesung, um meine kleine Familie und natürlich auch weiter um die Musik. Ich kann ja sonst nix. Ich will auch sonst nix. Wir hören voneinander. Freunde, lasst Euch helfen, wenn ihr Hilfe braucht. Für Euch und Eure Lieben. Es ist nichts normaler, als nicht normal zu sein.

Mit einer Träne im Knopfloch,
Nicholas

Beitragsbild: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/29951677

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