Ihr neues Album mal ganz anders.

Lady Gaga hat es geschafft, einen total radikalen Imagewechsel zu meistern. Wer hätte der verrückten „Gaga“-Frau mit ihren schrägen Kostümen und bahnbrecherischen Pophits zugetraut, von einem Tag auf den nächsten zur glamourösen Jazzikone zu switchen? Niemand. Außer… Vielleicht ihr neuer Jazzpartner, kein geringerer, als der 60 Jahre ältere Jazzsänger und Entertainer Tony Bennett! Der Achtundachtzigjährige ist ein Meister auf seinem Terrain, das weiß nun sogar Gaga. „Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder Popmusik machen werde.“ ist ihr aktuelles Statement. „Tony hat mir den Kopf verdreht.“ Ob das ihren weltweiten Fans passt? Oder schafft sie es, ihnen eine Massenhysterie für ihr neues Genre zu entlocken? Es wird sich zeigen. Positiv ist, dass das Album „Cheek to Cheek“ bereits seit Wochen von der Modekampagne „H&M“  in ihren Filialen rauf und runtergespielt wird. Gemeinsam mit ihrem Tony Bennett posiert Gaga auf zahlreichen  „H&M“ Werbeplakaten vieler Städte, es erklingt immer wieder: „Hello, here’s Lady Gaga and I will present you my new album  „Cheek to Cheek“… hope you enjoy it!“

Hört man, ohne die Interpretin des Duetts zu kennen, in einen der Songs rein, errät man niemals, wer hinter der ausdrucksstarken, glockenhellen – tatsächlich virtuosen Stimme steckt. Es ist eine seltsame, auch rührende Verbindung, welche sich zwischen Tony Bennett und der Popdiva aufgebaut hat. Er scheint ihr vollkommen den Kopf verdreht zu haben, gesteht sie immer wieder mit leicht naiven Komplimenten. Er scheint für sie zu einer Art väterlicher und musikalischer Leitfigur geworden zu sein. Warum auch nicht, er scheint bei ihr in musikalischer Hinsicht viel in Bewegung gesetzt zu haben.

Was ist nun das Besondere an „Cheek to Cheek“?

„Heaven… I’m in heaven…“  Das Album beinhaltet elf Jazzsongs, alte Klassiker und Standarts – im Duett, aber auch solo. Zu den Single-Auskopplungen gehören Songs wie „Anything goes“, durchaus als neues „Gaga“-Motto zu betrachten, „Lush Life“ und „Sophisticated Lady“. Alles Titel, die Bände sprechen.  Ein besonders gelungener Ohrwurm: die freie Neuinterpretation von Albumtitel „Cheek to Cheek“. Vieles mit swingendem Touch, sehr entspannter Haltung, lustigen Gesprächsfetzen und Einblendungen der beiden Interpreten. Tony Bennett ist wie immer ein meisterhafter Herr seines Elements. Macht eben seinen Job. Und Lady Gaga – ist sie gut? Sie ist in jedem Fall beeindruckend,  wandlungsfähig und trifft die Töne – auch wenn sie manchmal mit den höheren zu kämpfen hat, was einen leicht gequälten Eindruck vermittelt. Aber das nur nebenbei. Wer sagt auch, dass Jazz einfach sei?

Wer kennt Tony?

Der  1926 geborene US-Amerikaner ist Sänger, weltbekannt, aber auch Künstler, was vielleicht viele überraschen wird. Beinahe jeden Tag wird das Aquarell bedient. Viele der Werke wurden vielfach ausgestellt. Vor allem aber zur Musik: Sein Song „I Left My Heart in San Francisco“ machte ihn weltberühmt, aber es begann bereits in den 50er Jahren, als er bei Columbia Records einen Plattenvertrag erhielt und schon bald in ganz Amerika populär war. Es folgten Charts-Sprünge und große Zusammenarbeiten mit Künstlern wie Count Basie. Als er allerdings in den 60er Jahren aufgefordert wurde, seinen Musikstil zeitgenössischer zu gestalten, schwand der Erfolg. Schon bald war er jedoch wieder da, in den 80ern – und mit ihm auch Bennetts Jazz. Auch in den letzten Jahren war er trotz Alters weiterhin fleißig und hinreißend dazu: Zusammenarbeit mit aktuellen Musikikonen wie Céline Dion, Billy Joel und auch älteren wie Paul McCartney sind für ihn top aktuell.

„Cheek to Cheek“ hat den beiden Interpreten bereits eine Nominierung für den Grammy-Award eingebracht, in Kategorien „Bestes Gesangsalbum“ und „Traditioneller Pop“.

Für Tony Bennett ist so ein Grammy nichts Neues, wer weiß, vielleicht für Lady Gaga bald auch nicht mehr.

fotocredits: atrl

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