Es begann wie die klassische Liebesgeschichte: Junge trifft Mädchen, sie verabreden sich und verlieben sich.

Doch dann wird es ungewöhnlich: Der Junge und das Mädchen beschließen für einige Monate das Land zu verlassen, um gemeinsam Musik zu machen. Sie verschreiben sich dem Acoustic Pop und ziehen als Straßenmusikanten durch Europa. Zwei Jahre später sind sie wieder in Wien mit Gig-Angeboten, einem Plattenvertrag, während ihre Songs im Radio gespielt werden. Ein Traum? Vielleicht. Mira & Adam leben ihn gerade. Werden sie aufwachen?

PARADOX: Ihr habt euch 2014 auf der Straße getroffen und seid nun privat und auf der Bühne ein Paar. Euer Leben hat sich in den letzten zwei Jahren rasant geändert, oder?

Adam: Es hat sich schon etwas getan, wir sind für vier Monate nach Hamburg gezogen, haben uns dort eingesperrt und nur Musik gemacht.

Mira: In Hamburg haben wir auch die ersten Gehversuche mit Audioproduktion und Videoproduktion gemacht. Von dort sind wir weiter nach Irland und nach London gezogen, wir haben überall Straßenmusik gemacht, verrückte Abende erlebt. In Hamburg haben wir „Summer“ geschrieben, am 16. September wurde diese Single released und wir hatten vorab die Zusage von Radio Wien, dass der Song in die Rotation aufgenommen wird. Dafür haben wir Anfang September noch schnell ein Label gegründet.

PARADOX: Wie seid ihr so schnell an diese vielen Kontakte in der Szene gekommen?

Adam: Mira lernt sehr schnell jemanden kennen. Aber erst jetzt in Wien hat es so richtig funktioniert, in Hamburg waren wir auch oft frustriert.

PARADOX: Mira, du hast schon vorher Musik gemacht und eine Single veröffentlicht, wie ist es nun als Duo?

Mira: Mit 16 Jahren habe ich die Schule abgebrochen und wollte nur Musik machen. Ich habe dann bei Sony Music meinen ersten Plattenvertrag bekommen. Es hat aber nie ganz gepasst. Die letzte Solosingle habe ich 2013 herausgebracht. Als ich Adam kennengelernt habe, war es wie das verlorene Puzzlestück, das gefehlt hat – so kitschig es klingt.

PARADOX: Adam, du bist kein ausgebildeter Gitarrist, oder?

Adam: Nein, ich habe mir das Gitarrespielen vor zwei Jahren selber beigebracht, aber unsere Musik ist technisch nicht sehr schwer zu spielen, es gibt keine besonders ausgetüftelten Riffs. Es ist einfache Akkordbegleitung. Ich war damals Werber auf der Mariahilfer Straße und da hat man viel Zeit. Dann als Straßenmusikant wollte ich nicht spielen, ohne es zu können. Da hat mich der Ehrgeiz gepackt. Ich habe stundenlang geübt, bis die Finger geblutet haben.

Mira: Und jetzt haben wir beim Nova Rock gespielt.

PARADOX: Adam, hättest du gedacht, dass du parallel zu deiner Modelkarriere auch noch als Musiker durchstartest? Wie geht es dir dabei?

Mira: Ja, das Gleiche hat deine Mama gestern gesagt.

Adam: Ich mache derzeit den Zivildienst, das mit den Kampagnen ist leider etwas eingeschlafen. Ich werde aber nach dem Zivildienst schauen, dass ich auch bei derselben Leiharbeitsfirma wie Mira arbeiten werde, damit ich sozialversichert bin.

Mira: So viel bekommen wir nicht mit der Musik, dass es sich mit dem Selbstversichern ausgeht. SVA-Versichern ist so teuer. Da müssen wir noch Gas geben mit Konzerten. Wir arbeiten zwei Tage in der Woche und den Rest der Woche brauchen wir für die Musik. Das geht sich derzeit sehr gut aus.

Adam: Davon leben würde sich nur ausgehen, wenn wir in jeder freien Minute Straßenmusik machen würden, dann vielleicht, aber so müssen wir noch Nebenjobs annehmen.

PARADOX: Oder Kommerz-Cover?

Mira: Also Hochzeiten wollen wir nicht bespielen. Wir werden für unsere eigenen Musik durchaus mit Gage gebucht, daher wollen wir keine Coverjobs annehmen.

PARADOX: Was sind die Vor- und Nachteile, wenn man Privates und die Karriere vermischt?

Mira: Für mich ist es nur positiv, es ist absolut erfüllend. Es ist sehr schön, wenn der Partner die Interessen teilt. Man kann immer an dem gemeinsamen Projekt arbeiten und man hat tieferes Vertrauen, es entspannt mich. Es verbindet, wenn man etwas gemeinsam aufbaut. Ich wäre auch zu eifersüchtig, wenn er auf der Bühne mit anderen Frauen wäre.

Adam: Das sehe ich auch so, es ist ein zeitliches Problem. Wenn man zusammen wohnt, ist es einfacher. Außerdem glaube ich, dass Freundschaften zwischen Mann und Frau nicht funktionieren.

Mira: Mein Magen knurrt. Habe heute noch nicht gekocht, bin eine schlechte Hausfrau.

Adam: So wie es ist, ist es auch gut für die Beziehung, wir wüssten nicht was wir sonst machen würden.

Mira: Was macht man sonst so in Beziehungen? Ich weiß das ja gar nicht.

PARADOX: Hättet ihr euch gedacht, dass ihr so schnell bekannt werdet? Ihr wart auf dem Nova Rock Festival dieses Jahr, geht das nicht alles zu schnell? Oder ist das so geplant?

Mira: Wir haben darauf gewartet. Es hat sich jetzt alles ergeben. Meine Schwester ist an den Backvocals dazugekommen. Ein Freund spielt Cajon. Wir haben ein Programm für unser erstes Konzert im Spektakel vorbereitet und dann sind die Aufträge langsam nach und nach gekommen. Im August haben wir vor 500 Leuten im Schloss Neugebäude gespielt und darauf ist die Anfrage von Radio Wien gekommen, dass sie unseren neuesten Song spielen wollen. Wir haben ein Musikvideo gedreht, und das passt zufällig auf den Song „Summer“. Es ist so lustig, wenn das alles ineinander greift. Es war unabsichtlich gut getimed.

Adam: Derzeit geht’s wieder bergauf. Es ist uns auch schon schlechter gegangen, zum Beispiel in Hamburg ist es ja nicht so gut gelaufen. Wir haben dann die Wohnung verloren, wir dachten, keiner will uns und jetzt gehen auf einmal die Türen auf.

Mira: Nun können wir sagen, wir können eineinhalb Stunden spielen. Jeder Auftritt bringt extrem viel an Erfahrung. Am Anfang hatten wir die Texte auf der Bühne mit, weil ich noch nicht alle achtzehn Songs auswendig kannte. Jetzt geht es alles ohne viel nachzudenken. Es kommt immer mehr Dynamik rein. Dass wir davon leben können, dauert sicher noch einige Zeit, aber es ist sicher ein Ziel.

PARADOX: Wie entstehen die Songs?

Adam: Drei, vier Lieder entstehen oft gleichzeitig, mit ähnlichem Inhalt und ähnlichen Akkorden.

Mira: Wir arbeiten viel zusammen, ich singe eine Melodie und er sucht Akkorde dazu, oder ich spiele das Lied am Klavier und sage ihm die Akkorde. Ich fühle sehr viel mit, wenn Adam etwas schreibt und wir sind da sehr verbunden. Wir machen alles gemeinsam, aber es ist immer anders. Meist ist es sehr kitschig, wenn wir zusammensitzen bei Kerzenschein und einem Glas Wein und dann entstehen die Songs. Aber wir schreiben auch getrennt an unseren Ideen und spielen uns dann die Songs gegenseitig vor.

PARADOX: Ihr macht sehr ansprechende Videos und bietet auch anderen Bands an, Videos zu konzipieren und zu realisieren. Wie geht es euch damit?

Mira: Wir hatten zwei, drei Projekte. In Hamburg haben wir ein Video für eine Freundin gedreht, wir sind ja nicht besonders professionell, aber wir hatten da schon Aufträge. Eine Band hat sich dann leider getrennt.

Adam: Anfang August 2015 habe ich die Bezahlung für einen Modeljob bekommen und damit haben wir die Ausrüstung für die Videoproduktion gekauft.

Mira: Wir wollen aber auch nicht professionellen Firmen die Aufträge wegnehmen, daher machen wir die Videos meist nicht auf Honorarbasis, sondern wir helfen ein leistbares Promovideo zu produzieren und die Band hilft uns dafür bei etwas anderem.

PARADOX: Was habt ihr für 2017 vor?

Mira: Erstmals Videos zu den bestehenden Songs produzieren. Wir sind im Gespräch mit einer deutschen Plattenfirma, die haben uns mündlich zugesagt, mit uns zu arbeiten, und wenn das klappt, dann können wir unsere musikalischen Vorstellungen so richtig verwirklichen.

PARADOX: Wollt ihr euch stilistisch verändern?

Mira: Nein, wir wollen das Akustische beibehalten, aber mehr mit elektronischen Elementen arbeiten. Wir wissen es noch nicht genau, aber wir haben viele Ideen, vielleicht auch mit einem DJ. Wir sind im Herbst wieder nach Amsterdam gefahren, um Straßenmusik zu machen. Es ist uns sehr wichtig, die Straßenmusik beizubehalten.

Adam: Wir haben viele Ziele, die vielleicht nicht realisierbar sind, aber wir versprechen lieber mehr als zu wenig.

Mira: Hauptsache ist, dass wir uns treu bleiben, an unseren Zielen arbeiten und geerdet bleiben.

Adam: Da brauchst du dir keine Sorgen machen, dafür sorge ich schon.

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