Ostblock Rekords ist ein kleines Independent Label von Thomas Holzinger und Gilbert Handler. Seit zehn Jahren wird dort von experimenteller Elektronik über Blockflötenmusik bis hin zu emotionellem Punk alles gemacht, was den Musikhörer überraschen könnte.

Im Vordergrund steht experimentelle elektronische Musik. Das Album „Kapo/Ambro“, eine Sammlung diverser Tracks elektronischer Musik zeigt uns, was in diesem Bereich alles möglich ist. Auch das Album „An ihren Daten sollt ihr sie erkennen“ bringt sehr unterschiedliche und interessante elektronische Experimente mit sich. Auch mit klassischen beziehungsweise Jazzmusikern arbeitet Ostblock Rekords sehr gerne zusammen wie z.B. mit dem Klavier/Elektronik Ensemble „Newton“, welches interessante Sounds durch elektronisch verzerrte Klavierklänge produziert oder mit „Fruitmarket Gallery“, einem Klassik/ Elektronik Quartett. Die Gruppe „Der böse Zustand“ mit der sehr seltenen Mischung aus TRASHMETAL, Freejazz und Klassik ist bei Ostblock Rekords ebenso vertreten wie das elektronische Instrumentalmusiktrio Schweiger, Stangassinger, Boesze oder das Flötenquartett „Mikado“, welches Musik aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem 20. Jahrhundert aufnahm. Einige der Bands des Labels kann man regelmäßig live erleben, wie zum Beispiel Gil Cheri ein verspieltes Hawaiigitarren/Elektronik/Gesangsduo aus Wien, das neben den Auftritten in Clubs und Diskotheken auch den Soundtrack für „Tag und Nacht“, ein Film von Sabine Derflinger, gemacht hat, und der mit dem „Goldenen Sputnik“ in der Kategorie „Bestselling Soundtrack“ ausgezeichnet wurde. Die Band „Alberner Hafen“ ist live auch sehenswert, zwei Musiker machen mit Casioorgel und Gesang sehr originelle Coverversionen und verleihen den Hits der Pop- und Rockgeschichte ihre „wahre Bedeutung“, wie Gilbert Handler meint. „Mit minderen Mitteln kratzen sie an den wirklich großen Gefühlen.“, oder „Wie ein Orgasmus, nur billiger”, wie es die Konzertbesucherin Hilde F. bildlich beschreibt. 25 Jahre auf der Bühne wird bei „Wunder von Wien“ gefeiert: Die Band, die sich als Under-Cover-Punk bezeichnet („Spurlos durch die Musikgeschichte“) ist penibel darauf bedacht, ausschließlich live wahrgenommen zu werden. Nach Konzertentourneen, die sie bis nach Kairo, Japan und New York führten, gab es dann zum großen Jubiläum die große Ausnahme: „Die Forelle“, eine Scheibe, die Punk, Rock und Fusion zu einem Gesamtkunstwerk verdichtet. Eigene Projekte dürfen bei Ostblock Rekords natürlich nicht zu kurz kommen und das musikalische Langzeitprojekt „Die Relativitätstherapie“ von Günther Rabl und Gilbert Handler setzt auf Konfronationen: Zwei Titanen treten hier gegeneinander an und schaffen etwas, das man nur mit einem Wort umschreiben kann: „Eine Naturgewalt”. Das passt auch zu Ostblock Rekords.

PARADOX: Wie ist Ostblock Rekords entstanden?
Gilbert Handler: Als junger Musikant fand ich es anfangs schwierig, an ein Label heranzukommen, hat man es geschafft, fand man meist unangenehme Bedingungen vor, man passte nicht hinein oder bekam furchtbare Verträge, daher beschloss ich, mit Thomas ein eigenes Label zu gründen. Wir hatten dann plötzlich soviele Aufträge, dass wir uns erstmal gar nicht um unsere eigenen Projekte kümmern konnten.

PARADOX: Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?
Gilbert Handler: Um 6.15 stehe ich meist auf, um meine drei Kinder zu versorgen, ab 8 Uhr beginne ich dann in meinem Studio mit der anfallenden Büroarbeit. Nach 1-2 Stunden Gesangsübungen recherchiere ich für meine aktuellen Kompositionsaufträge, lese Theaterstücke durch, etc. Den Nachmittag widme ich dann wieder meinen Kindern und am Abend wird dann geprobt oder komponiert.

PARADOX: Welche Instrumente spielst du?
Gilbert Handler: Mein Hauptinstrument ist natürlich meine Stimme, daneben spiele ich auch diverse Tasteninstrumente, Trompete, Gitarre, Bass, und vor allem mit meinem Wutzler (Tischfußball), den ich mir nach einer gelungenen Gagenverhandlung gegönnt habe.

PARADOX: Wo kommst du her?
Gilbert Handler: Ich bin aus Klosterneuburg und habe in einem kleinen Nachbarort meine Familie, mein Haus und mein Studio.

PARADOX: Wie hast du angefangen?
Gilbert Handler: Seit ich 17 bin habe ich in Bands gespielt, meist Alternative Rock, auch viel Wiener Lied, weil das keiner machen wollte. Und Theater natürlich.

PARADOX: Was muss man mitbringen, um bei Ostblock Rekords als Künstler aufgenommen zu werden?
Gilbert Handler: Mein Tipp an alle Nachwuchsstars unter euch: Besser den persönlichen Kontakt suchen und z.B. bei einem Auftritt des Labelbetreibers dabeisein anstatt unpersönliche Mails schreiben.

PARADOX: Welche Projekte gab es zuletzt von Gilbert Handler?
Gilbert Handler: 2014 haben wir den Nestroy für die beste Bundesländeraufführung bekommen! Für „Höllenangst“ von Nestroy im Theater Phönix in Linz! Mit mir singenderweise live auf der Bühne, wie geil! Und vorletztes Jahr hatte ich als voraussichtlich letzter Mensch die Möglichkeit, die Musik für eine Uraufführung eines Erich Kästner Stücks zu schreiben, da oben in Dresden! Jetzt sind gerade sechs weitere Stücke in Vorbereitung. In Wien machen wir im Herbst im Volkstheater wieder einen Nestroy („Zu ebener Erde und erster Stock“), ich bin wieder musikalischer Leiter, durfte Wiens emotionalste Garagenrockband zusammenstellen und werde gemeinsam mit Paul Skrepek und Martin Zrost spielen: wie wunderschön!

PARADOX: Was war für dich der größte Erfolg?
Gilbert Handler: Dass ich nie auf die „schiefe Bahn“ gekommen bin, also mehr oder weniger immer das machen durfte, was ich tun wollte, und dass es immer interessante Aufträge gibt.

PARADOX: Welche Musik hörst du privat?
Gilbert Handler: Im Moment liegen gerade “Whats going on” von Marvin Gaye, sowie Alben von Chet Baker, Amy Winehouse und den Pixies auf meinem Plattenteller.

PARADOX: Gibt es eine Botschaft von Ostblock Rekords?
Gilbert Handler: Einfach machen und sich niemals davon abbringen lassen!

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