Recreation –Grosses Orchester Graz im Grazer Stefaniensaal am 23./24.März

Am Montag und Dienstag, den 23. bzw 24. März musiziert das „recreation –Grosses Orchester Graz“ im Grazer Stefaniensaal. Beginn ist um 19.45 Uhr, eine kurze Einführung gibt es bei freiem Eintritt um 19.15 Uhr. Auf dem Programm stehen diesmal das Klavierkonzert Nr. 3 in C Moll, op. 37 von Ludwig van Beethoven mit Markus Schirmer als Solist und nach der Pause die Symphonie Nr. 5 in D Moll, op. 47 von Dmitri Schostakowitsch. Die Künstlerische Leitung hat Sascha Goetzel.

das dritte

Beethovens drittes Klavierkonzert ist Prinz Louis Ferdinand von Preußen gewidmet. Beethoven selbst war der Solist als es am 5. April 1803 in Wien uraufgeführt wurde. Sein Freund Ignaz Xaver von Seyfried, der während der Uraufführung die Noten umblätterte, berichtete später, dass diese „bis auf ein paar mir unverständliche Hieroglyphen“ leer waren. Es ist Beethovens erstes Klavierkonzert mit sinfonischen Merkmalen (er versuchte die Gattung des Klavierkonzerts aus dem Salon in den Konzertsaal zu bringen) und sein einziges in einer Moll-Tonart.

recreation - Schirmer 2

Markus Schirmer, Klavier

die fünfte

Weil um die „Fünfte“ ein besonderer Mythos herrscht, gab sich Dmitri Schostakowitsch beim komponieren seiner fünften Symphonie besondere Mühe, Beethoven war sein Vorbild, er wählte jedoch D Moll statt C Moll, Melancholie statt Pathos. Und weil seine, zu modern geratene Vierte, bei den Kulturfunktionären Stalins in Ungnade fiel, versuchte Dmitri Schostakowitsch in der Fünften, der Sowjetideologie vom verständlichen Kunstwerk Genüge zu tun und landete damit einen Welterfolg. Das Marschfinale wurde als Verherrlichung des Regimes angesehen, Schostakowitschs behauptete dagegen, dass der Triumphmarsch in Wirklichkeit ein Todesmarsch sei: „Was in der Fünften vorgeht, sollte meiner Meinung nach jedem klar sein. Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen. So als schlage man uns mit einem Knüppel und verlange dazu: „Jubeln sollt ihr! Jubeln sollt ihr!“ Man muss schon ein kompletter Trottel sein, um das nicht zu hören.“

Interessant ist der Einsatz des Klaviers als Orchesterinstrument. Schostakowitsch verwendet das Klavier zur Klangschärfung z.B. bei Staccato-Passagen, zur Profilierung und Härtung der Anschläge oder zur Steigerung der Aggressivität eines Streichertremolos.

Dem ersten Satz liegt eine Sonatensatzform zugrunde. Der zweite Satz ist nach einem dreiteiligen Menuettsatz konzipiert, eine Art Ländler. Es ist jedoch kein harmloser, lustiger Satz, genaueres Hinhören lässt erkennen, dass dem Frieden nicht zu trauen ist, was durch die ungewöhnlichen Modulationen und Missklänge erreicht wird.  Das Largo des 3. Satzes ist eine Mischung aus Resignation, Trauer und Klage, das Finale endet nicht als freudiger Triumph, sondern mit grotesker Verzerrung der Realität. Verschiedene Meinungen gibt es bezüglich der Tempoangabe „Viertel = 188“ für die letzten 35 Takte. Viele westliche Dirigenten folgten dieser Anweisung, wodurch der Schluss einen positiv-triumphalen Charakter bekam. Andere gingen davon aus , dass es sich bei dieser Tempoangabe um einen Übertragungsfehler der ursprünglichen Bezeichnung „Achtel = 184“ handelte und (vor allem russische Dirigenten) verwendeten dieses halb so schnelle Tempo, mit dem daraus folgenden grotesk-bedrückenden Effekt. Dies kommt den Aussagen des Komponisten bezüglich des Todesmarsch-Charakters und des gewaltsam erzwungenen Jubels entgegen. Deswegen gibt es z.B. eine Aufnahme, bei der der 4. Satz nur 8:55 Minuten dauert und eine andere mit einer Dauer von 13:00 Minuten. Wir dürfen gespannt sein, welche Lösung das „recreation –Grosses Orchester Graz“ wählt.

recreation - Stefaniensaal 2

Stefaniensaal Graz

Das „recreation – Grosses Orchester Graz“ ist ein Grazer Orchester, das sich 1990 erstmals unter Fabio Luisi aus Musikern, die zuvor Mitglieder des Grazer Symphonischen Orchesters waren, formierte. Die derzeitigen Mitglieder des Orchesters sind – zumindest teilweise – mit Grazer Musikinstitutionen verbunden, die Musiker stammen jedoch aus halb Europa (Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Albanien, Griechenland, Ungarn, Slowakei, Armenien, etc.). Gastmusiker kommen auch aus China, Japan, Israel, Finnland, Russland, Frankreich und Neuseeland.

recreation – Grosses Orchester Graz“ hat mit internationalen Stars wie Heinrich Schiff, Andrés Orozco-Estrada, Roy Goodman oder Jordi Savall zusammengearbeitet. 2012 übernahm Michael Hofstetter die Position des Chefdirigenten und das Bankhaus Krentschker ist seit 2004 Hauptsponsor des Orchesters, wofür es mit einem Anerkennungspreis des Maecenas 2005 und 2013 ausgezeichnet wurde. Weitere Infos (z.B. über Dirigent und Solist) gibt es dann nach den beiden Konzerten am 23. bzw. 24.März.

Fotocredit: recreation – Großes Orchester Graz

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.