Voodoo Jürgens gräbt am Sackgassenfest Tote aus
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4.1STERNE

Der vergangene Samstag stand im Zeichen der Hilfe für Haftentlassene und Menschen, deren Leben in einer Sackgasse zu stecken scheint. Der Veranstalter, die Hilfsorganisation S‘ Häferl konnte für diesen Abend den Austropop-Newcomer Voodoo Jürgens engagieren. Traumhaftes Spätsommerwetter sicherte den Erfolg dieses gemütlichen Events im Schatten der evangelischen Kirche in Wien.

Das dreizehnte Sackgassenfest fand bei strahlendem Wetter am letzten Sommerwochenende des Jahres 2016 statt. Als am Nachmittag die Rhesus Affen Factory und Wienerglühn die Bühne bestiegen, mussten sie noch mit den öffentlichen Badeanstalten um das Publikum konkurrieren. Für kühle Getränke und selbstgemachte Schmankerln war gesorgt und als die Kirche langsam längere Schatten auf die Heurigengarnituren warf, füllte sich auch der Platz neben der evangelischen Kirche im sechsten Wiener Gemeindebezirk zusehends. Der traditionelle Flohmarkt im Inneren der Kirche war ebenfalls gut besucht, wenn auch viele Besucher sicher nur die schattige Kühle der alten Kirchenmauern genießen wollten.

Mundartmusik in der Sackgasse?

Das ganze Fest stand dieses Jahr besonders im Zeichen der wienerischen Mundartmusik. Nach der Rhesus Affen Factory und Wienerglühn unterhielten Erich Tiefenbach und Philipp Stahl als Ambros‘ Survival das Publikum zwei Stunden lang mit Wolfgang Ambros Covernummern. Das Duo ist dem Häferl seit Jahren verbunden. So stammt das Logo, das Konzept und die Umsetzung der Homepage des Häferls aus der Feder von Erich Tiefenbach.

Pünktlich um 20.00 Uhr bestieg Voodoo Jürgens die Bretter, die die Welt bedeuten und setzte zu seinem neuen Programm an. Der Mundartkünstler überzeugte mit einer skuril-theatralischen Performance, die an einen jungen Arik Brauer erinnerte. Bis jetzt kannten sicher die meisten Personen im Publikum Jürgens nur von Youtube, live war er bis jetzt erst selten aufgefallen. Jedenfalls hielt die Liveperformance, was die Videos versprechen. Voodoo Jürgens kommt eigentlich aus der Indie-Rock Szene und ist erst in den letzten Jahren mit seinem Soloprogramm auf modernes Wienerlied umgestiegen. Da er auch beruflich den Wiener Friedhöfen verbunden ist, wundert es nicht, dass er in seinen Liedern Tote ausgräbt. Die Songs beschreiben das Altagsleben und die Situationskomik sozialer Beziehungen, wie sie sich nur im morbiden Umfeld der Wienerstadt ergeben.

Voodoo Jürgens trägt sich damit in die lange Liste der in den letzen Jahren aufgetretenen Wiener Acts am Sackgassenfest ein und führte den Event zu einem würdigen Abschluss. Er verbindet mit seinen exzentrischen Texten die Qualitäten eines Songwriters mit einer ausgereiften Gitarretechnik, die man in der Austropopszene eher selten zu sehen und zu hören bekommt. Da die Veranstaltung traditionell auf eine Moderation verzichtet, räumte Jürgens nach seinem letzten Lied fast schon unauffällig die Bühne und der Kirchenplatz wurde aus der Konserve weiter beschallt. Trotz des schmucklosen, aber nicht unpassenden Endes präsentierte sich das dreizehnte Sackgassenfest als eine gemütliche und sehr gelungene Veranstaltung.

S‘ Häferl

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