3Plusss - Gottkomplex
Beats
Flow
Lyrics/Reime
Musikalität
4.2Sterne

Ein düsteres und brachiales Album, das nicht so sein will wie die anderen

Am 11. November 2016 erschien „Gottkomplex“, das zweite Soloalbum von 3Plusss. Die komplette Platte wurde wieder vom Duo „We Do Drums„, bestehend aus Bennet On und Peet produziert. Das Album kommt ganz ohne Features aus und beschränkt sich somit auf das Wesentliche.

3Plusss Promo (c) Chapter One

3Plusss Promo (c) Chapter One

Die drei sind ein eingespieltes Team, die Endproduktion wirkt wie aus einem Guss. Ein Stück Kunst, welches man nicht so einfach trennen kann und doch bitte im Ganzen gehört werden sollte. Der Hauptprotagonist taucht weiter im Eimer voll Hass und lässt seiner schwarzen Seite gerne den Vortritt, aber zeigt seinem Weg seit der letzten EP eine neue Richtung. Das Gesamtpaket ist etwas lyrischer und konzentrierter, man kann mehr Highlight Lines bewundern. Wohl geformte Ironie Pointen steigern die Dreistigkeit und formen den speziellen 3Plusss Style.

Der Rapper möchte definitiv anecken und schaut dann einfach mal was passiert. So ist der Opener „Nein“ bewusst unfertig abgemischt, um die Aussage und die Antihaltung zu bekräftigen. Das abrupte Ende passt gut in das Gesamtkonzept und erinnert ein wenig an den Film „Enemy“ mit Jake Gyllenhaal. Was auf den ersten Blick keinen Sinn macht, macht doch irgendwann Sinn. Das ist genial. Der traplastige Beat ist ein wahres Monster und der Flow liegt so stark auf dem Instrumental, dass es fast unmenschlich wirkt. Wie immer bei krasser Kunst: Der Song entfaltet erst nach mehrmaligem Hören sein volles Potenzial.

Zeilen wie in „Schwarz“ bekräftigen die Lage des geordneten Chaos.

„Und eigentlich möchte ich grad nicht über Geld nachdenken
Andererseits möchte ich nie mehr über Geld nachdenken
Also brauch ich Geld und muss über Geld nachdenken
Und komme immer zu dem selben Ende, 3Plusss ist nix für die Charts
Jeder der nicht checkt, wovon ich rapp‘ – hat alles richtig gemacht“

Der dreckigste Hit der Platte nennt sich „Ich und meine Freunde„. Der Flow rattert derbe und verschmilzt im Beat. Der Vergleich das Rappen wie Fahrradfahren sei, hat sehr amüsiert. Im ersten Moment etwas flach, aber doch der Wahrheit entsprechend. „Grau“ beinhaltet Anspielungen auf Tua’s gleichnamiges Werk und weist auch auf eine seiner großen Inspirationsquellen hin.

Fazit

3Plusss hat eine Lupe in der Hand und besitzt eine besondere Beobachtungsgabe. Er liefert Atmosphäre to the Fullest und schlägt von Release zu Release eine andere Richtung ein. Das Album kann man phasenweise als nihilistischen Tonträger beschreiben. Der Rapper diagnostiziert sich selbst eine bipolare Persönlichkeitsstörung. Dies ist natürlich eine gern gesehene Übertreibung. Doch ist er mal depressiv, mal manisch, trotzig, kindisch oder nachdenklich.

Diese Stimmungen transportiert er überspitzt in seine Musik. Dazu kommen diese klotzigen, aber doch wunderschönen Beats. Der Rapper und seine beiden Produzenten sind die fleischgewordene Symbiose und ein wahrhaftiges Dreamteam. Manche Medien bezeichnen sein Schaffen als gesunde Scheißegal Attitüde, aber das ist ihm natürlich scheißegal. Der Essener geht seinen Weg so weiter, wie er es möchte und zeigt sich experimentierfreudiger und geradliniger als jemals zuvor.

Tracklist öffnen

01. Nein
02. Schwarz
03. Ich und meine Freunde
04. Auseinander
05. An und für dich
06. Gespenster
07. Grau
08. In letzter Zeit
09. Soweit
10. Bleiben
11. Sonntag
12. Nudeln
13. Weiss

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