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A Thousand Fuegos: Heilmittel und Synthpop in einem
Individualität
Ideenreichtum
Musikalisches Spektrum
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3.9STERNE

Hinter A Thousand Fuegos, den tausend Feuern, steckt eigentlich nur ein einziges Feuer. Der Bandname ist nämlich das Pseudonym für Matthias Peyker, der sich sowohl im musikalischen als auch im bildnerischen Bereich herumtreibt. Sein neuestes Projekt „This is Evolution Pt. 2“ ist ein fast 37-minütiges Werk, das sich jeglichem Versuch einer Gliederung ziemlich gut entzieht.

Das Album besteht nicht aus einzelnen Tracks, sondern soll als ein Ganzes gesehen werden. Dafür sprechen auch die fließenden Grenzen zwischen den manchmal erkennbaren Einzelteilen, die dafür sorgen, dass man plötzlich in einer veränderten Musiklandschaft hört. Meistens befindet man sich als Zuhörer irgendwo „dazwischen“. Durch die verwischten Übergänge scheint das Werk zum einen nur aus eben diesen zu bestehen, zum anderen sind sie es, die den Musiktext zusammenhalten und eine ungewohnte Gesamtheit des Werks begründen.

Der wechselbare Sound gibt einem trotz der ständig zu beobachtenden Überleitungen ein Gefühl von Weite. Störgeräusche, abrupte Einschnitte sowie rhythmische Wechsel unterbrechen dieses Gefühl immer wieder und zeigen das Fortschreiten des Werks an. Die oft flächendeckenden Sounds schaffen Raum für kurze Melodiemotive. Diese treten oft nach vom Hörer fertig gedachten Übergängen erneut auf und zeigen jenen, die es gewohnt sind, Musik in kleinen Dosen (3-4 Minuten pro Track) zu konsumieren, dass sie hier eindeutig falsch liegen. Denn gerade das Wiederaufscheinen von Motiven weist trotz fortschreitender Musik auf die Verbundenheit des Gesamten hin.

Ein passendes Hörumfeld zu finden ist gerade wegen der Länge des Werkes schwierig, da es beispielsweise nicht für das Autoradio auf dem Weg zur Arbeit geeignet ist. Man benötigt die 36:39 Minuten Aufmerksamkeit, sonst würde der Gesamteindruck zerstört. Fun Fact am Rande: Die exakten 36:39 sind für den Künstler tatsächlich wichtig. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, das Werk mit einer ungeraden Sekundenzahl enden zu lassen.

Die Musik, die zwischen Electronic und Synthpop angelegt ist, hat auch eine experimentelle Komponente, was unter anderem in den oben genannten Störgeräuschen hörbar wird. Dazu gehören auch die vereinzelt verwendeten akustischen Instrumente: ein Klavier mit verschwimmendem Klang sowie eine klar erkennbare Gitarre. Akustische Instrumente in elektronischer Musik sind zwar keine Neuheit, sie bringen hier jedoch die notwendige Abwechslung und sorgen gleichzeitig dafür, dass das Werk nicht zu abstrakt wird.

Ab der Hälfte etwa ändert sich die Grundstimmung des Albums. Die Musik klingt jetzt positiver. Ab dem Zeitpunkt wird auch häufiger Gesang eingesetzt. Daneben werden vereinzelt Sprachsamples eingesetzt. Die Evolution geschieht nun nicht mehr nur in der Musik, sondern ebenso im Text.

And we know that ours is to be gone. And we know that yours is to come.

Gegensätze wie in den Lyrics sind im Werk auch musikalisch wichtig. Zum Beispiel zwischen Gesang und Klavier, wenn Klarheit Verschwommenheit gegenübersteht und die beiden zu einem interessanten Mix zusammengeführt werden. Dieser stellt übrigens eines der Highlights des Albums dar. Ähnliches hat Matthias Peyker in einer Art Call and Response inszeniert, welchen der Künstler mit sich selbst durchführt – er wird dadurch zum eigenen Gegenpol.

Abseits von diesen Kontrasten und Krisen, gelegentlich auch von Kakophonie, die der Künstler seinem eigenen Werk zuschreibt, werden von ihm immer wieder die Harmonie und das Heilsame, also die Ganzheit seines Werks thematisiert: „Tetrapharmakos“, die vier Seiten griechischer Heilkunst, stellt die Grundidee von „This is Evolution Pt. 2“ dar. Mit ein bisschen Glück kann Peykers Publikum seinem Aufruf ein möglichst glückliches Leben zu führen folgen.

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