Adam Project - Musikalisches Crossover von Amerika bis Asien
Überraschung
Weltaspekt
Kreativität
Neuheit
4.1STERNE

Das erste Album From Instinct des Adam Projects hört sich an wie eine musikalische Weltreise, teils auch in die Vergangenheit. Die Band beschreibt diesen Stil treffend als „electronic dance music with melodic surprises“.

Die fünf Musiker des Adam Projects sind in Wien anzutreffen. Dazu gehören: Georg (Adam) Gruber (Keys und Programming), Helefried Krainer (Guitars), Raouf Kahouli (Percussion), Gerald Selig (Reeds) sowie Simon Plötzeneder (Trumpet). Die Scheibe, die am 17. Juni erschienen ist, startet mit dem Song „Camilo“. Von den sanften Klängen zu Beginn sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn schon in der ersten Minute tendiert der Track zu intensiven Bässen. Diese sind ab diesem Zeitpunkt auf dem restlichen Album zu hören. Die fünf Musiker, angeleitet von Georg Adam Gruber, sind, zumindest in der ersten Hälfte des Albums, eine Mini-Big-Band mit elektronischen Sounds. „Find Your State Of Groove“: irgendwie spacige Fahrstuhlmusik, deren Riff am Ende an ein gewonnenes Videospiel erinnert.

Game Face“, der erste Song des Albums, in dem auch Gesang vorkommt, katapultiert einen stimmlich ein wenig zurück in die Zeit, als Girl-Groups noch in waren. Es ist einer der Songs am Album, bei denen man die Detailgenauigkeit auf der Elektro-Ebene zu spüren bekommt. Die ersten Songs tendieren soundtechnisch insgesamt eher zu nordamerikanischem Groove und südamerikanischen Rhythmen, gemixt mit einer Prise Spanien. Mit „Africa Africa“ ist dann aber definitiv der erste kontinentale Wechsel, da man genau das zu hören bekommt, was man dem Titel nach erwartet. Das liegt zum einen am Xylophon, das den Song einleitet und immer wieder zwischen den elektronischen Sounds durchblitzt, hauptsächlich aber an der fremden Sprache, in der der Songtext vorgetragen wird.

Und dann? Szenenwechsel. „I Was At A Parov Stelar Concert“ verkörpert in der ersten Minute genau das: Ich war da, hör dir die coole Musik an. Hier ist es wichtig abzuwarten. Der Song sagt am Ende wesentlich mehr aus, als der Anfang befürchten lässt. Denn es bietet sich endlich (?) die Chance für etwas ausgiebigere Soli, was für den Big Band-Aspekt, den das Album trotz der Mischung mit elektronischen Sounds verkörpert, wichtig ist. „You’ll Have To Be A Sir“ bleibt noch ein wenig beim Electro Swing, bevor es poppiger wird. Die Nummer, die die zweite Hälfte des Albums einleitet, scheint irgendwie ein Statement zu sein. Es muss sich doch um eine Message handeln, wenn fünf Männer einen Song zum Besten geben, der andere Männer auffordert, „more gentleman-like“ zu sein? Vielleicht eignet sich das Thema aber auch einfach nur, um eine gute Nummer zu produzieren.

Erneuter Szenenwechsel. Eine komplett andere Welt: „Arabic Zest of Life“. Die Atmosphäre ändert sich durch einen flächendeckenden Hintergrundklang, falls man gedanklich nicht im Osten ist, lässt der erste Teil des Songs auf Spa-Umgebung schließen. Percussion leitet schließlich über zu elektronischen Beats, und die wiederum zu traditionellen arabischen Skalen im Wechsel mit einer sehr spanisch gespielten Gitarre.

Mit „Sheila“ ist man beim ruhigsten Titel des ganzen Albums angelangt. Wie beim Rest der Songs gibt es auch hier einige überraschende Wechsel. Es wird Spannung erzeugt, die sich durch ein kurzes Riff immer wieder von neuem aufbaut, um schließlich in einen kontrastierenden Teil zu münden. Das Stück, in dem auf jede Art von elektronischen Beats und Samples verzichtet wird, ist teilweise noch Fahrstuhltauglicher als der zweite Track, aber die spannungsgeladenen Teile gehören zum emotionalsten Material des Albums.

Kurz vor Schluss erinnert „African Dollar“ noch einmal an die wilden Rhythmen vom Beginn.
Gerade dieser Track gehört zu denen, die zum Tanzen auffordern. Bewegungsdrang kommt beim Publikum eigentlich das ganze Album über auf, allerdings muss man bei der Range an Rhythmen und Stilen, die hier präsentiert wird, schon ein sehr wandelbarer Profi sein, um halbwegs gut dazu tanzen zu können.
Das Finale des Albums bildet die Coverversion „Sweet Dreams“, die durch Knistern und eine gedämpfte Trompete lockt, um dann ganz individuell auszuarten. Natürlich darf am Ende der elektronische Aspekt nicht fehlen.

Fazit

Mit der Schlussnummer schließt sich der Kreis, die vielfältige Palette an musikalischen Eindrücken fordert die Zuhörer und bietet gleichzeitig jenen Genuss, die zu genießen verstehen. Obwohl sich die Band einige bekannte Riffs ausleiht, setzt sie diese genau an den passenden Stellen ein und schafft es so, doch etwas Neues zu erschaffen.
Anhören kann man das Album übrigens hier.

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