HipHop.de nennt ihn den „Most underrated MC“

Der Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper

Er gehört zu der Sorte Künstler, die mit beinahe furchterregenden Skills gesegnet sind, aber vorhandene Fähigkeiten bisher nicht in kommerziellen Erfolg umwerfen konnten.

Ali As präsentiert uns seit knapp 8 Wochen pünktlich zur Promophase seines neuen Releases verschiedene Formate, um uns seine lyrischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die daraus resultierenden lustigen Entertainer-Qualitäten sorgten für einige große, seltene Deutschrap-Momente. (z.b. Free-EP vor dem Album – #FreeAli). HipHop.de nennt ihn den „Most underrated MC“ und auch innerhalb der Rapszene genießt der Münchner ein hohes Ansehen – was auch an seiner Ghostwriting-Skills liegt.

Dass Ali As eine Vorliebe für Wortspiele hat, weiß man nicht erst, seit er Twitter für sich entdeckt hat. Nach Songwriting für diverse Major-Acts juckte es ihn 2013 wieder in den Fingern, er stellte daraufhin auf eigene Faust die „EMWIMO“-EP in die digitalen Läden. Diese Richtung setzt der Rapper auf seinem zweiten Album „Amnesia“ konsequent fort und entwickelt daraus seinen ganz eigenen Style. Auf den atmosphärischen Beats, die das Album zum Großteil bietet, hat er genügend Freiraum, um seine Punchlines präzise zu platzieren. Diese Punchlines gepaart mit Reimketten wie von einer anderen Galaxie wird dem Klischee des “Ich will anders sein, um anders zu sein, denn anders sein ist cool” eine neue Sichtweise gegeben. Hater schauen und bauen sich einen Fake-Account/ doch wissen, dass mein Album hitlastig ist wie Eva Braun/. Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden.

Mal liefert Ali As reine Battlesongs („Hoodie x Chucks„), meist aber Thementracks wie „Wenn Heino stirbt„. Auf Letzerem wird klar gestellt, was er eigentlich von der deutschen Popmusik hält. Er betitelte ihn als „ekelhaftes Aushängeschild der deutschen Kulturgutes“. Wer die Verwandlung Heinos etwas mitverfolgt hat, muss dem Rapper mindestens teilweise recht geben. Die beste Assoziierung seit langem: „Schwarzbraun ist die Haselnuss, doch staubgrau ist die Straßenschlucht“. Natürlich soll Heino nicht sterben, für jeden etwas gebildeten Menschen ist der tiefere Sinn des Songs eindeutig erkennbar.

Die Kombination aus starker Technik, pointierten Punches und relevanten, aktuellen Themen sind die Punkte, die „Amnesia“ so einzigartig machen. So gibt es auf „Deutscher/Ausländer“ einen verbalen „Fight“ zwischen dem „deutschen“ Pretty Mo und dem Pakistani Ali As, die am Ende mit den gängigen Vorurteilen aufräumen und zur Verbrüderung/Versöhnung aufrufen. Dabei greift der Hauptprotagonist für die Hook auf seine Gesangskünste zurück. Ein Stilmittel, das sich als roter Faden durch die LP zieht, und zwischen absolut passabel und hart an der Grenze schlittert. Ali ist ein recht passabler Sänger, wenn er sich auf das Wesentliche beschränkt. Sobald der Refrain aber etwas ausschweifender wird, hätte er sich vielleicht doch gesangliche Unterstützung holen können. Das schmälert den Gesamteindruck jedoch kaum, denn ansonsten haben wir es bei seiner zweiten Soloplatte mit einem in sich stimmigen Tonträger zu tun.

Viele Fans sehen den Song “Jagd/ Flucht“ aus dem Jahre 2013 als besonders bemerkenswert an, die selbe Richtung wird mit dem Meisterwerk „Sonnenmaschine“ eingeschlagen. Hierbei handelt es sich um einen der wenigen Tracks mit gefühlsbetonteren Inhalten.

Ich kann mir den Song nur schwer ohne das in Kairo gedrehte Video vorstellen. Weil es zum einen das erste musikalische Ausrufezeichen von “Amnesia” war, und zum anderen, weil es einfach so unglaublich pervers aussieht und wirkt. Besonders hier erkennt man das Talent eines göttlichen Songwriters, jede Zeile springt nur so in sich und verbindet diesen Song zu einem außergewöhnlichen Stück Musik. Der Anspruch seiner komplexen Reimtechnik leidet jedoch nie unter dem Inhalt. Er bespuckt das Instrumental mit seinem freshen Flows, erzeugt Bilder im Kopf und spielt lässig & routiniert mit unserer tollen Sprache, ohne dass es irgendwie erzwungen wirkt.

Viele Rapper behaupten ja, sie würden sich technisch zurücknehmen, um ihre Message in deepen Songs besser vermitteln zu können, sehr oft ist das aber nur eine Ausrede. Ich nehme kein Blatt vor den Mund, sie können’s halt einfach nicht besser.

Lieblingszeilen aus „Sonnemaschine“

„Die ganzen Niederlagen tun gar nicht weh/ Ich mach ein Lied aus dem Leid, indem ich die Buchstaben dreh/“

„Ich will nicht wie ’n Kegel durch das Leben taumeln/ Eher nehm‘ ich mir ’nen Strick und lass die Seele baumeln/ Galgenhumor durchzieht meinen Lebenslauf/“

„Das Himmelstor ist zu, ich steh aussen vor/ Ich nehme zwei E’s, schon wird ein Meer aus dem Moor/“

Das ist Lyrik, das ist Kunst, das ist außergewöhnlich, das ist vergleichbar mit Goethe und Schiller! Vielleicht hassen mich einige für das Ende von diesem Satz, ist mir absolut Schnuppe, da ich Recht habe.

Traum-Feature

Zu guter Letzt muss ich das Mo Trip-Feature besonders erwähnen, die beiden Künstler kollaborieren auf dem Track „Richtung Lichtung“. Der Beat klingt wunderschön und die Sprechgesangsartisten zeigen sich von ihrer nachdenklichen Seite. Hört selbst, ich nenne es moderne Poesie.

3 Wörter: Ali for President

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