Mit dem neuen Album „Heimkehr“ geben mir Alphayn wieder mal einen Grund, genauer hinzuhören, wie österreichischer Pagan/Viking Metal anno 2014 so klingt.

Es ist lange her, dass Viking/Pagan/Heathen-Metal- Bands wie Einherjer, Mithotyn, Moonsorrow etc., meine Aufmerksamkeit erregten. Nun haben wir es hier anscheinend mit einer, so wurde mir gesagt, Pagan-Metal-Band aus Wien zu tun.

Das Cover dieses Albums, das auf den Namen „Heimkehr“ hört, zeigt einen älteren, erzürnten Mann, ich nehme mal an, er ist Germane, der seinen Kollegen, die gerade ein Lagerfeuer machen, einen finsteren Blick zuwirft. Auf jeden Fall sehr schön gezeichnet. Aber widmen wir uns lieber der Musik…

Schon mal irgendwo gehört…

Schon mit dem Intro „Aufbruch“ wird einem schlagartig die Richtung klar, in die es auf diesem Tonträger geht. Kriegerische Trommeln, gefolgt von folkloristisch wohlklingenden Gitarren, die eine waldig-kühle Atmosphäre schaffen. Bei mir springt hier die Erinnerungsfunktion auf: „schon mal irgendwo gehört“ aber man darf trotzdem gespannt sein.

Alphayn_cover 01

Alphayn – Heimkehr

Mit einem Gedicht des deutschen Poeten August von Platen als lyrische Unterlage starten die Wiener Wikinger Alphayn mit „Alarich“ einen Aufgesang zum Begräbnis des ehrwürdigen Westgotenkönigs mit dem Namen – man ahnt es vielleicht – Alarich. Hier wird zu Beginn mit dem gesanglichen Pathos eines entschlossenen Bänkelsängers die Beisetzung eines Helden zelebriert. Immer sauber im Versmaß vorgetragen, wechselt diese Stimme in ihren eigentlichen, das Album durchziehenden Stil. Dieser präsentiert sich in einer teils gutturalen, teils dem Black-Anteil des Viking/Pagan entlehnten Art, mit natürlich schwarzer Stimmfarbe. Getragen wird das dunkle Gesangsgehölz von einer Gitarren- und Basswand aus altbekanntem Pagan/Viking/Black-Riffing, das brav, motiviert und sauber gespielt klingt, aber nicht unbedingt durch Neuheitswert glänzt. Die hauseigenen Kriegstrommeln begleiten hier routiniert, aber leider wohl nicht ganz das volle Potenzial ausschöpfend.

Mit einem Ausflug in die germanische Schöpfungsgeschichte geht es mit „Weltenanfang“ weiter. Ein an die alten Mithotyn anmutendes Leadgitarrenriff eröffnet einen textlich lehrreichen 6-Teiler. Im Gitarren-Schlagzeug-Galopp wird in ähnlich erzählsamer Weise die Basis für den finalen Schlachtplan gesponnen.

Mit schwerem Intro als Wegbegleiter startet der zornige Imperativ „Wetz die Krallen“. Diese Kampfansage nimmt sich das Wiener Quintett zu Herzen und trägt den Song auch als solche vor, und das „Tu es!“ des Refrains hallt noch minutenlang durch meine Ohren.

Zu Anfang schlägt einem bei dem folgenden, von einer düst’ren metallisierten Zukunftsvision durchdrungenden, Track ein in altem Göteborg-Style gehaltenes Gitarrenangriff entgegen. „Maschinenmonster“ besticht durch angenehm platzierte Leads durch den Song, hat an Variabilität etwas mehr zu bieten als seine Vorgänger und sät auch lyrisch Hoffnung, trotz dem Umstand düsterer Zeiten.

Man freut sich stets auf einen Ausflug, wo die Mucke einen angenehmen Soundtrack zum beschwerlichen Fortbewegen liefert. Durch das Intro von „Reise“ bekommt man schon einen feinen Vorgeschmack, wie sich so etwas entwickeln könnte. Fein und in die epische Richtung instrumentiert, bietet dieser Song zwar auch wieder mehr an Freiraum und Entfaltung, wird aber abermals etwas in seinem Potenzial eingebremst durch den Eindruck, sich durch den Gesang etwas erschlagen zu fühlen, der sich leider nur zu oft in einem in monotonem Aufsagestil gehaltenen Runterbeten der Lyrics äußert.

…trotzdem hörenswert…

Erinnert fühlt man sich beim ersten Anstimmen zu „Heimkehr“ an alte Einherjer, Moonsorrow oder Thyrfing. Es gehört mitunter zu den wohl epischsten Momenten des 38 Minuten dauernden Albums. Man bekommt obendrein noch die für diesen Stil obligatorische Portion Patriotismus zu spüren, einen Lobgesang auf die, die so ehrenvoll ihr Leben ließen in Schlachten um was oder wen auch immer. Gleichzeitig spiegelt der Track ebenso das nicht immer durchgängige Konzept des gleichnamigen Albums wider. Jemand hinterließ das teure Heimatdorf in Flammen und den Schuldigen soll es hier gehörig an den Kragen gehen, beziehungsweise ans Genick. Der Refrain lädt jedenfalls zum Mitwippen ein und hätte sicherlich die Möglichkeit, sich als gern angestimmter Livekracher zu etablieren, sollte er das nicht sowieso schon sein.

Hier wird natürlich nach „Rache“ für das zerstörte Domizil gesonnen und im gleichnamigen Vendettastück auch mit aller textlichen Härte umgesetzt. Nach dem Auge um Auge/Zahn um Zahn Prinzip wird hier kein Stein auf dem anderen gelassen und im Blutrausch wird auch niemand des gegnerischen Rudels verschont. In Midtempo gehaltene Grundstimmung wechselt sich mit zorniger Uptempo Druckkesselentlastung ab.

Mit „Wir rufen deine Wölfe“, einer Umsetzung eines Textes des Religionsphilosophen Friedrich Hielscher, lockert sich der bisweilen etwas unbeseelte in Monotonie verharrende Gesangsstil auf, um von einer cleanen Anrufung abgelöst zu werden, die sich aus dem von geschickt platzierten Leads durchzogenen musikalischen Teppich erhebt. Es würde sich empfehlen, mehr solche Parts einzubauen, da sich des Sängers cleane Voice ob seines angenehmen Timbres durchaus hören lassen kann.

Nach einem Wechselbad der Gefühle tönen Wotans Wiener Schlachtknaben mit „Abstieg“ zum Abschied. Hier rettet den Göttern sei Dank unser aller liebster Donnergott Thor der durch grüne Wichteln bedrohten Kampftruppe erfolgreich ihr Leben, und sie müssen sich noch etwas gedulden, ehe sie schließlich mit Valhallas Asen völlern dürfen.

Nun…

Auch für mich heißt es nun Abschied nehmen mit folgendem Fazit: Diese Platte ist durchaus dazu geeignet, in der kalten Jahreszeit mit dem neuest eingetroffenen Met mit seinen Kameraden die Trinkhörner zu wetzen . Live könnte sich daraus definitiv eine passable Berserkerparty entwickeln, an Pathos scheint es wohl nicht zu mangeln. Jedoch ist leider an Originalität nicht viel zu spüren, die Riffs wirken wie Versionen von schon lange verstaubten Vorgängern die sich im Pagan/Viking-Metal über die Jahre etabliert haben. Der Gesang heftet sich in einem oftmals monoton wirkenden Strudel an abwechselnd das Gitarrenriff oder den Drumbeat und lässt so leider wenig Freiraum für den Song selbst. Das kann auch an der insgesamt etwas steif gehaltenen Instrumentierung liegen, die sich durch zusätzliche, musikalische Elemente mehr Luft und Kreativität dazugewinnen hätte können. Textlich ist es manchmal schwer, eine Kernaussage treffen zu können, bewegen sie sich thematisch in oft sehr bemühter Art, jedoch an der definitiven Aussage vorbeischrammend.

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