Ansa - Jägiritter
Beats
Flow
Lyrics
Themenvielfalt
Hitpotenzial
4.4Sterne

Taucht ein in die Welt eines Jägiritters.

Eins vorneweg, ich bin Deutscher. Genauer gesagt komme ich aus dem Südwesten, meine Heimat ist die Pfalz. Bei uns spricht man natürlich auch einen starken Dialekt, hat derbe Slang- bzw. Schimpfwörter und bereichert definitiv auch die hochdeutsche Art zu sprechen. So wird lockerleicht ein Dauergrinsen bei Auswärtigen auf das Gesicht projektiert. Einen bedeutenden Unterschied, den ich mir nur schwer eingestehen kann, gibt es jedoch, österreichische Mundart ist sympathisch, klingt schön und ist einfach sexy.

Zu Beginn ihrer Karriere wollten die Jungs der Vamummtn ihre Identität nicht preisgeben und nannten sich deswegen „Ansa“, Zwara“ und „Dreia“. Sie erlangten eine gewisse Bekanntheit in der Hip-Hop-Szene, als sie Diss Antworten auf die Videos der Salzburger Hip-Hop-Gruppe SBG Hot Boys auf YouTube hochluden. In diesen nahmen sie die von den SBG Hot Boys angeprangerte extrem hohe Kriminalität in Salzburg aufs Korn. Nach eigener Angabe gründete sich die Superband aufgrund der „schier unglaublichen Anzahl an selbstgemachten Möchtegern Gangsterrap Videos“. Mittlerweile ist daraus eine Marke entstanden und nahezu jeder Raphead aus Österreich kennt die drei Musiker. Ansa arbeitet parallel weiterhin fleißig an seiner Solokarriere und haut deswegen sein zweites Studioalbum an seine Fans raus.

Ansa Promo © Andreas Niederwieser

Ansa Promo © Andreas Niederwieser

Das Oberhaupt der österreichischen Rapcrew „Die Vamummtn“ veröffentlichte am 27.11.2015 sein neustes Werk „Jägiritter“. Der Mundartrapper aus Österreich kommt mit 15 neuen Tracks um die Ecke. Die Nummer Eins des österreichischen Mundart-Raps ist wieder da wo er hingehört. Ansa, das „vamummte“ Mastermind setzt damit seiner Discographie die goldene Krone auf. Mister Ansa ist immer noch richtig hungrig und will es immer noch wissen. Er will immer mehr und kann auch gar nicht anders. Der MC will ganz nach oben. Wenn dem nicht bereits so ist, denn schon mit seiner Formation verschaffte er sich ordentlich Gehör und Respekt und mischte nicht nur die einheimische Szene auf. Sowohl das Kollektiv Album von „Rap is (k)a Ponyhof“, als auch sein Solo Debüt Album „Ansa unta Millionan“ stiegen in die Top-Ten der Album Charts ein. Außerdem stehen mittlerweile vier Mixtapes auf der Habenseite der Supergroup, natürlich gibt es so einige Ansa Songs, die von seiner Hörerschaft absolut textsicher mitgerappt werden können.

Durch „Die Vammumten“ konnte der Rapper bereits viele Erfahrungen und Backstage-Pässe einsammeln, war Fernsehgast bei Stermann & Grissemann und hat einen Amadeus Award im Regal stehen. Trotz alle dem hat er sich für sein zweites Solo Album nicht den Weg des geringsten Widerstands ausgesucht, sondern zielt auf eine neue Art auf auf Hirn und Herz – davon wird sich auch das Live-Publikum auf der dazugehörigen Album-Tour überzeugen können. Jeder Schuss wird ein Treffer. Dabei hat Ansa ein sehr turbulente zwölf Monate hinter sich. Mit dem starken Charteinstieg eine große Tour durch Deutschland und Österreich.

Die neuen Song-Produktionen von Ansa besitzen die Eigenschaft eines fiesen Ohrwurms. Seine Beats und Raps sind definitiv erwachsener geworden, bleiben aber doch wie gewohnt verspielt. Nachdem er auf seinem letzten Album mit Anleihen aus Cloudrap und Drum’n’Bass bzw. Dubstep herum experimentierte, besinnt sich der Sprechsänger nun musikalisch wieder eher zurück zu seinen Vorstellungen und Wurzeln und bringt eine gelungene Mixtur aus dem guten alten Vamu-Sound und den neueren Solo-Nummern. Straff ausproduzierte Hip Hop Beats treffen auf den einzigartigen Flow von Ansa. Sein breites musikalisches Repertoire lebt der Künstler mit erhöhtem Fokus auf das Wesentliche trotzdem aus.

Ansa Promo, (c) Andreas Niederwieser

Ansa Promo, (c) Andreas Niederwieser

Wie der Name des Albums schon andeutet, bringt der Sprechgesangsvirtuose wieder feucht fröhliche Party Tracks mit der salzigen Portion Deepness, ohne dabei die ernste Themen zu vernachlässigen. Der MC legt gern den Finger in die Wunde und bleibt dabei weiterhin vermummt, zeigt aber in den Songs mehr von sich, als seine Maske verbergen kann: deep, authentisch und herzlich. „I bin so und moch‘, was ma taugt“ spricht der Wiener über seine musikalische Verwirklichung.

Mit März Records hat der Rapper für dieses Projekt einen Partner gefunden, der ihn bei seinen Vorhaben unterstützt und ihm dabei alle Freiheiten gewährt. Für Ansa bedeutet das einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Das Album „Jägiritter“ und die limitierte Survival-Edition erscheinen auf März Records und werden über Hoanzl und Alive vertrieben. Bei seinen Solo-Sachen möchte der MC mehr von sich zeigen, rückt aber von der Idee, die Maske abzulegen, doch wieder ab. Er tauscht das Bandana, das bei den Vamummtn seine Züge verbirgt, lediglich gegen Gesichtsbemalung ein.

Track by Track

Die Platte beginnt mit dem „Jägiritter Prolog“, ein orgellastiges Instrumental erklingt. Das Intro liefert einen generellen Überblick darüber, in welche Richtung das Album gehen wird. Der Track gibt Aufschluss darüber, wie der Alltag eines Jägiritters aussieht. Er bechert sich weg, obwohl dieser Lifestyle natürlich Probleme schafft. Halten wir dieser These mal den Spiegel vor das Gesicht. Vielleicht betrinkt er sich ja auch, um einen klaren Kopf zu bewahren und die Probleme dieser Welt zu vergessen. Ein Representer Auftakt mit leichten Battle Rap Anteilen.

„Die ganzen anderen Rapper in dem Land: irrelevant.
Die ganzen anderen Rapper in dem Land: uninteressant.
Die ganzen anderen Rapper: scheiße oder Famehunter“

Diese Antihaltung wird konsequent fortgeführt. Nun ertönt mit „Scheißegal“ ein Beat, der sofort zum Mitnicken animiert und sich heftig in den Gehörgang brennt. Der Sprechsänger nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt kräftig Dampf ab. Er erklärt, dass es ihn nicht belastet ob die Presse ihn erwähnt oder ob andere Rapper Gefallen an seiner Kunstfigur haben. Zusätzlich besitzt der Song Hit-Potenzial, die Hook klingt extrem geil und geht dermaßen straight in das Hörorgan, dass der Begriff „Ohrwurm“ dem Gehörten nicht gerecht wird. So ein Konzept würde im englischsprachigen Raum durch die Decke gehen. Die Cuts stammen von DJ Crum, der Flow tut das Übrige, sollte man sich geben.

Das Highlight der Platte

Als einziger im Verbund der Vamummtn ist bei Ansa bekannt, dass er auch schon vor dem gemeinsamen Projekt auf hochdeutsch rappte. Dass sich im Dialekt weit mehr Präsenz, Wucht und Energie transportieren lässt, sollte er erst später herausfinden.„Species“ kommt nachdenklicher und emotionaler daher. Hier ist es die gediegene und ehrliche Vortagsweise, die gefällt. Selbstreflektion. Die Stimmung passt wie die Faust auf’s Auge zum Gesang. Die gesampelten Vocals in der Hook stammen von der österreichische Progressive Core Formation namens „I Watch Mountains Grow”. Passende Worte – einfach episch. Vor allem aber auch die Rap Lyrics wecken Gefühle und berühren. Rechtschreibfehler dürfen gerne behalten werden, ich bin der Mundart-Schreibweise leider nicht mächtig.

„Alle wolln`s Geld im Sack, Macht und würden über Leichen geh’n
I net, i mog nur meine Freinde und mi net leiden seh’n
A guter Mensch is für mi der, der net nur an seines Gleichen denkt
Es geht heut um viel mehr als des, viel mehr als wer bist jetzt
Grad in der Gsellschoft, ehrlich sag wer bistn wennd fertig bist
Am Sterbebett im sterben liegst, beerdigt wirst, diese Erde verlässt
und sich köiner denkt, schod um ihrn, den vermiss ma echt“

Der nächste Titel nennt sich „Sowi sso!“. Nun wird die musikalische Bandbreite und Variabilität aufgezeigt, der Soundteppich kann als eine Mixtur aus Dubstep- und Drum’n’Bass Elementen bezeichnet werden. Neumodische Genre-Fetischisten betiteln dies als Drumstep. Der Künstler betont, dass es ihm wurscht ist, was andere sagen und spuckt außerdem einen Seitenhieb gegen Leftboy auf den Takt. Daraus kann man schließen, dass er den Herren nicht mag und der Hype von so manchen selbst betitelten „Stars“ ungerechtfertigt ist.

In „Schena is besoffen“ ist nun der erste Rap Feature Gast am Start. Sanno von der Wiener Crew War Wolfes leistet vokale Unterstützung, beide huldigen dem Alkohol und zelebrieren die feuchtfröhliche Hymne und feiern bis der Morgen kommt. In „Sche“ ist DJ Crum wieder mit den Cuts behilflich, Ansa spricht nun wieder Klartext und übt mit den verschiedensten Beispielen Kritik an der Menschheit. Unsere wunderschöne Welt könnte viel besser sein, recht hat er. Die Message geht durch Hirn und Mark, überzeugt euch selbst.

Ein minimalistisches Beatkonstrukt tönt aus den Speakern. “Easy” steht dafür, dass einem Dinge, die man liebt, viel leichter von der Hand gehen. Im Falle des Rappers ist es das Schreiben, wenn es einmal läuft, kann rein gar nichts die Muse stoppen. Track Nummer Acht nennt sich „r.e.a.l.l.o.v.e“, Feature Partner ist hier Phil Fin von der Wiener Formation „Penetrante Sorte“. Angelehnt an eine reale Person, wird die Liebe zur Musik kundgegeben. Der Hörer bekommt mit, dass Ansa’s Anfänge die Instrumente Klavier und Gitarre waren, beide sagen Danke und vergleichen die Musik mit einer Beziehung bzw. mit einem ständigen Begleiter. Zum Schluss erwähnt der Vamu-Mastermind die Peinlichkeiten anderer „Künstler“ und macht seiner Liebe den Vorwurf sich auch z. B. mit Whack Mc’s zufrieden zu geben. Ein tolles Konzept, dass man in dieser Ausführung eher seltener hören durfte. Der nächste Song „Ka Göd“ ist wieder etwas kommerzieller ausgerichtet, man könnte ihn als Sound für den Club beschreiben. Der verspielte Beat und die Autotune Hook animieren zum Mitfeiern und tanzen. Schaut euch das Video an.

Warum is des so“ geht eher in die Richtung Straßenrap und der prominenteste Feature-Partner Svaba Ortak ergreift das Mikrofon und liefert einen fulminanten 16er ab. Der Eastbloker und der Hauptprotagonist erklären was Sache ist, aber können die Umstände nicht wirklich verstehen. Ansa outet sich als Haftbefehl Fan der ersten Stunde und die Flows werden auf einen treibenden Beat gespuckt. Randnotiz: Svaba veröffentlicht demnächst seine EP „Enter the Dragon“, rougher Rap mit interessanten Features.

Weiter geht es mit „Gott sei Dank“, zur Erklärung müssen wir etwas in der Zeit zurückgehen. Im Original der Fugees “How Many Mics” rappt Pras die Zeile, „Too Many MC’s, Not Enough Mics”. Der Wiener MC kehrt dies um und sagt es gibt zu viele MC’s und zu wenige Mikros. Der Sprechsänger betitelt sich Hip-Hop traditionell als Nummer Eins und nennt als Gründe, dass nur die olle Helene Fischer ihm den Thron der Charts streitig machen konnte. Außerdem bezweifelt er den Nutzen seines Amadeus Awards. Dazu kann der Hörer die ein oder andere humoristische Zeile begutachten.

Die nächste Nummer heißt „Wochenende“ und der Rapper fordert die Leute zu Eskapaden auf. Eine nette Partyhymne, die ein Grinsen auf das Gesicht zaubert. Nun greift auch sein Vamu-Kollege Zwara in das Geschehen ein und beide werfen ihre Reime in „Wasd wos i man?“ auf den Takt. Der vorletzte Track wandert wieder in deepere Gefilde und bietet eine gute Abwechslung zu den anderen Songs. „Tick Tack“ handelt natürlich von der Zeit, er betont das alles vergänglich ist und überlässt jedem selbst, wie er seine Stunden „totschlägt“. Der krönende Abschluss „Trink ma wos!“ zieht Resume, kommt ehrlich daher und fasst das Gesagte noch einmal grob zusammen. Schlicht und ergreifend eine Aufforderung die Gläser zu heben, dazu ist der Mitsing-Faktor wieder so hoch wie zu Anfang der Platte.

Fazit

Er möchte Erfolg, aber nicht um jeden Preis, er bleibt „real“. Ein prägnanter Beleg dafür lautet, dass der Tonträger auch über den eigenen Webshop vertrieben wurde. Diese Verkäufe zählen in den österreichischen Charts leider nicht. Da ist der Charteinstieg auf Platz 33 doch sofort werttechnisch viel höher anzurechnen und mit dem Vorgänger mindestens gleich zu setzen.
Den Konsument erwarten freshe und authentische Raps, exzellente Produktionen und sauber produzierte, variable Beats, gepaart mit Stimmvariationen und tollen Reimketten. Auch thematisch darf der Hörer eine bunte Mischung aus mehreren Genre Gruppen bewundern. Das ist Hip-Hop und ein rundes Album. Im Gegensatz zum Vorgänger Album sind nun auf dem Jägiritter Tonträger auch mal chillige Sachen mit eingängigerem Sound zu hören. Ansa schafft es ein paar Hits zu kreieren, die man mitrappen und –singen möchte. Nach Raptoar, der nächste Mundart-Künstler, der mich richtig flasht und den ich in Zukunft näher verfolgen werde. Prost, stemmt die Tass‘n.

Tracklist

• 01. Jägiritter Prolog
• 02. Scheißegal feat. Dj Crum
• 03. Species
• 04. Sowi sso!
• 05. Schena is besoffen feat. Sanno
• 06. Sche feat. Dj Crum
• 07. Easy
• 08. r.e.a.l.l.o.v.e feat. Phil Fin
• 09. Ka Göd
• 10. Warum is des so feat. Svaba Ortak
• 11. Gott sei Dank
• 12. Wochenende
• 13. Wasd wos i man? feat. Zwara
• 14. Tick Tack
• 15. Trink ma wos!

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